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Tango in der Passionskirche |
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Das Duo "El Tropezón" und Gäste in concert Text:
Jörg Buntenbach
Die
Kirche war sehr gut besucht an diesem Abend. Sogar auf der Empore saßen
Menschen, die einen großen Tangoabend erwarteten. Das lag wohl mit
daran, dass auch das Showtanzpaar Gaia Pisauro & Leandro Furlan
angekündigt war. Tänzer ziehen bei einem Konzert zusätzlich, weil das
Publikum davon ausgeht, dass noch mehr fürs Auge geboten wird.
Crosselling ist auch hier angesagt. Auffällig
war die Präsenz einiger Szenegrößen, die sich vom Können der Künstler
überzeugen wollten: Stefan Wiesner von Stravaganza, der Sänger
Fernando Miceli samt Management, die Sängerin Anja Stöhr, Brigitta
Winkler, Angelika Fischer, der Bandoneónist Christian Gerber und einige
andere. Die ,gemeine' Szene hingegen hielt sich, wie gewohnt,
vornehm zurück. Wie
für die Passionskirche üblich, begann das Konzert pünktlich. Die zurückhaltende
Stimmung war dem Ort angepasst, was manch einem im Publikum aber zu
steif vorkam. Die Musiker, der Gitarrist César Nigro (Jahrgang 1971)
und der Pianist Pablo Woizinski (Jahrgang 1977), traten vor den Altar
und eröffneten das Programm mit einem eigenwilligen Arrangement der
Milonga "Nocturna". Darauf folgte der Tango "A Don Agustin Bardi",
den die beiden musikalisch souverän darboten. Ihre Ansagen dagegen
holperten, wirkten unsicher.
Beim
vierten Titel waren El Tropezón auf der gefliesten Bühne wieder
auf sich allein gestellt. "Pa´Que Bailen Los Muchachos" präsentierten
sie in einem dramaturgisch perfekt abgestimmten Arrangement: zunächst
vorsichtig, fast verhalten -schließlich mit einem Anflug von Power.
Bei einigen Passagen allerdings schien mir das Stück zu gitarrenlastig. Weiter
ging es mit dem Vals "Romance De Barrio", zu dem erneut das Tanzpaar
dazukam. Jetzt erst wurde klar, dass die Tänzer wirklich nur als ,add-on'
für das Auge im Programm aufgenommen worden waren. Sie tanzten ihre
Standards mit sich wiederholenden Elementen, unspektakulär, aber in der
Beinarbeit sauber. Musik und Tanz wirkten jedoch nicht als harmonische
Einheit, eher hatte man das Gefühl einer Firewall sowohl zwischen
Musikern und Tänzern als auch den Künstlern und dem Publikum. Anschließend
verschwanden die Tänzer wieder hinter der Bühne, während das Duo die
Chacarera "La Humilde" vortrug, ohne Überraschungsmomente. Und
wieder war es offenkundig, dass den beiden Musikern eine gewisse
Leichtigkeit und Inbrunst fehlt. Obwohl die beiden ,very charming'
sind, konnten sie nicht auf Tuchfühlung mit dem Publikum gehen. Titel
Numero 8, die Milonga "Taquito Militar", spielten El Tropezón
sauber im bekannten Arrangement, bevor sich beim anschließenden Tango
"Danzarin" der Geiger Lucas Aisemberg zu ihnen auf die Bühne
gesellte - und sich auch die Tänzer wieder einfanden. Lucas
Eisemberg's Bratsche überzeugte mit akzentuiertem Spiel. Ein Höhepunkt
des Abends! Die Tänzer hingegen wurden immer blasser, die Körperhaltung
von Leandro Furlan immer schlaksiger. Dem Tänzerpaar fehlte ein
Schuss Übermut, der auf der Bühne manchmal Wunder wirken kann. Tänzerische
Dramaturgie war nicht erkennbar. Dann
war Pause und Zeit für ein Glas Rotwein und eine Plauderei mit den üblichen
Verdächtigen der Szene. Die Meinungen zum Konzert gingen auseinander.
Die einen empfanden die Musiker als zu angespannt, andere hingegen äußerten
sich wohlwollender und bescheinigten dem Duo als auch den Tänzern
gewisse Qualität. Von Begeisterung keine Rede. In einem Punkt waren
sich viele aber einig: in einem kleineren Rahmen wären El Tropezón
besser aufgehoben gewesen, denn es sind gute Musiker. Zweifelsohne! Für
größere Konzerte müssen sich die beiden erst weiter entwickeln.
In
der zweiten Hälfte des Programms ging es im selben Strickmuster weiter,
bis Julia Zenko (Foto oben), die z. Zt. an der Komischen Oper in der
Tango-Operita "María de Buenos Aires" die Titelfigur gibt, das
Programm ergänzte und zwei Stücke sang: "Yo Soy Maria" und "Nada".
Und plötzlich war alles da, was eine Show braucht (sofern sie schon als
solche angekündigt wird): Zenko präsentierte sich
professionell. Sie hat eine großartige Stimme, sie kann sich bewegen,
sie zeigt Leidenschaft, hat Ausstrahlung, Freude, eine mitreißende
Power - und sie ist dabei auch noch sympathisch. Plötzlich war er da,
der Kontakt zum Publikum. Zenko nahm man alles ab! Das absolute
Highlight an diesem Abend! Großartig!
Und
auf einmal kam auch Leichtigkeit ins Spiel der beiden jungen Musikern
von El Tropezón. Es schien, als hätte Julia Zenko das
Duo quasi an die Hand genommen und ihm gezeigt, wohin die Reise gehen
kann. Und so kam der Abend dann nach einigen weiteren Tangos mit zwei
Zugaben an ein gutes Ende. Fazit:
El Tropezón sind gute Musiker. Die können was! Sie haben jedoch
unter ihren Möglichkeiten gespielt. Ihnen fehlt, wie gesagt, die nötige
Prise Abgeklärtheit und Professionalität. Sie treten noch zu
bescheiden auf, statt sich hinzustellen und zu ihrem Können zu stehen.
Nichtsdestotrotz ein Abend, bei dem man sich nicht ärgern musste, dabei
gewesen zu sein. In der März-Ausgabe von tangokultur.info ist folgender Artikel erschienen: "Na klar, alles, was du auf der Bühne machst, ist lügen". Ein Gespräch mit der Tangotänzerin Gaia Pisauro. Von Sonja Walkiewicz: jetzt lesen... Zur Homepage der Fotografin Astrid Weiske geht es hier: Link... Möchten Sie einen Leserbrief zu diesem Artikel
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Email: willkommen@tangokultur.info Im Internet: www.tangokultur.info Herausgeber: Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.) |