| |
Der VIII. Ball Tango Argentino - Festival
Wuppertal
Text: Elke Koepping

Foto: Matthias Seeger
Letztes Jahr saß ich irgendwann mal zu dieser Zeit, so im
September, meine ich, auf irgendeiner Berliner Milonga rum. Im
Rixdorf oder so, als mich einer meiner Tänzer, mit dem ich mich im
Smalltalk übte, fragte, "Sag mal, fährst Du eigentlich nach
Wuppertal zu dem großen Tangoball in der Stadthalle?"
Woraufhin ich den Mann nicht nur pikiert, sondern nachgerade
entsetzt anblickte und erwiderte "Was zur Hölle soll ich denn
da?! Ich lebe und tanze in Berlin, wozu in der Provinz in fiesen
60er Jahre Stadthallen mit gruseligem Turnhallen-Ambiente herumhängen?".
Liebe Wuppertaler Tango-Szene: ich habe Euch Unrecht getan!! Ich
bekenne es und tue Buße, öffentlich, reuig und mit schlechtem
Gewissen...
Wuppertal, da war ich mein Lebtag nicht, zu Wuppertal fällt mir
erst mal Pina Bausch ein, dann lange gar nix und dann dämmert da
was von einer Schwebebahn im Langzeit-Gedächtnis herauf. Und dann
Blank, weißes Rauschen im Hirn. Wo liegt Wuppertal überhaupt?
Irgendjemand schaffte es kürzlich, mich davon zu überzeugen, dass
in Wuppertal der europaweit größte Tangoball stattfindet, in einer
historischen Stadthalle, die von Kronleuchtern und Barockputten
glitzert, dass es sich gewaschen hat. Soviel zum mutmaßlichen 60er
Jahre Charme. Die 60er Jahre des 18. Jahrhunderts eben (ja, ich weiß,
dass das Ding erst 1900 erbaut wurde). Dann stellte sich raus, wie
es der Zufall manchmal so will, dass es eine ehemalige
Theaterkollegin von mir ans dortige Schauspielhaus verschlagen
hatte, die ich lange nicht gesprochen habe. Hier in Berlin fiel mir
ohnehin die Decke auf den Kopf. Tally-Ho, die argentinischen
Steppenhühner gesattelt und auf nach Wuppertal!
Am letzten heißen Sommerwochenende im September, dieses sehr späten
Sommers in Deutschland, befinde ich mich also in meinem kleinen
roten Auto auf dem Weg zum Rex-Theater in Wuppertal, wo die freitägliche
Festival-Eröffnung mit einem Konzert von Claudia Pannone aus Buenos
Aires und dem Quinteto Ángel aus Berlin über die sprichwörtliche
Bühne gehen soll. Direkt von der Autobahn kommend, irgendwo am
Bahnhof landend. Dank einer extrem guten und übersichtlichen
Wegbeschreibung, die ich der Website des VIII. Ball Tango
Argentino - Festival Wuppertal entnommen habe, gelange ich
ohne Stadtplan (!) nicht nur wohlbehalten, sondern directement auf
einen zentralen und gebührenfreien Parkplatz in der Wuppertaler
City und arbeite mich innerhalb von 5 Minuten zur nächsten
Pommesbude vor, die ich frisch gestärkt mit fettigen Fingern
verlasse. Keine drei Schritte weiter rolle ich ins Foyer des
Rex-Theaters. Gut 150 Zuschauer haben sich schon eingefunden, um der
Pannone auf die Stimmritzen zu schauen, ein Artikel in der
Sommer-Tangodanza verhieß da Gutes.
Aber man soll ja bekanntlich nicht alles glauben, was in der Zeitung
steht. So auch hier. Ich frage mich langsam, ob nicht mal irgend
jemand ein neues Repertoire für alle Tango-Sängerinnen dieser Erde
erfinden kann, auf einen Schlag sozusagen, das dann für die nächsten
5 Jahre wieder gültig ist. Der Piazzolla kommt mir nun wirklich
nach dem 17. Mal aus den Ohren heraus - Chiquilin und Milonga
Sentimental und Loco und Malena und die Orangenblüte und die Verkündigungs-Arie
aus der Maria und wie sie alle heißen mögen. Gibt's denn -
Herrgottsakra - auf der Welt nur diese 11 Tangos, die jede
einzelne der argentinischen Goldkehlchen wieder und wieder zum
Besten geben muss? Soviel dazu.
Nichtsdestotrotz, der Abend ist eine schöne Auftakt-Veranstaltung für
das Festival im stimmungsvollen Ambiente und Claudia Pannone eine
Augenweide: eine dunkelhaarige, schlanke Schönheit, die sich grazil
bewegt, mit Pep in sündiges Rot gekleidet ist und charmant mit dem
Publikum zu flirten weiß. Zwischendurch legt sie noch eine kesse
Sohle aufs Parkett. Die Frau ist auf der Bühne zu Hause.
Aber die Stimme, ach, ich weiß nicht. Ist sie mit ihren 25 Lenzen
vielleicht einfach zu jung für den Tango? Hat noch nicht genug
gelebt, nicht genug Erfahrung, nicht genug Höhen und Tiefen
durchgemacht? "Alma de Tango" heißt der Abend und doch
fehlt es gerade daran - an der Seele in der Stimme. Insgesamt ist
ihr Sopran zu zart, fehlt es mir zu sehr an Tiefe, Schmutzigkeit und
Seelenpein. Das eben, was diese Tangos, die aus den luftigen Höhen
herab in tiefen brüllenden Schmerz sinken, so auszeichnet. Das
verrucht-verraucht Verdorbene in den tiefen Lagen. Das kann sie
nicht. Nun ist es nicht gerade so, dass ihre Stimme in den Ohren
schmerzt, das nun nicht - ohne Zweifel, die Pannone hat in den
hohen Tonlagen ihre große Stärke. Björk- und Kate-Bush-Songs
interpretiert sie sicher hervorragend und mit Gewinn für den Zuhörer.
Mir geht allerdings das Verständnis dafür ab, warum es nun
ausgerechnet Tangos sein sollen. Aber davon soll sich jeder selbst
ein Bild machen, ich wasche meine Hände in Unschuld. Gelegenheit
gibt es im Oktober deutschlandweit genug. (Termine am Ende der
Seite)
Um das Berliner Engels-Quintett nicht zu vergessen: natürlich
gewohnt hervorragend satter Sound, wozu viele Worte verlieren? Mit
ihren Instrumental-Stücken reißen sie die Zuhörer förmlich aus
den Theatersitzen, das ist inspirierte Qualitätsarbeit. Dennoch
verliert mich das Theater leider schon in der Pause, denn wenig Gründe
liegen vor, mich dort zu halten - mich zieht's zunächst zum Auto,
dort um, nämlich in ein verführerisches Tango-Outfit, und dann
(wiederum mit solider Wegbeschreibung aus dem Internet) ins
Wuppertaler "Café Tango", das auch mittwochs, freitags
und samstags unter der Leitung von Luis Rodriguez reguläre Milongas
anbietet. Am heutigen Freitag etwas irregulär nun eine in das
Festival-Programm integrierte Milonga mit Schoh - pardon - Show.
Etwas unscheinbar im Hinterhof einer Druckerei im finstersten
Industriegebiet der Viehhofstraße in Wuppertal gelegen (gegenüber
der Villa Media), trifft mich bei Eintritt in das Gebäude beinahe
der Schlag: gut 350 Menschen tummeln sich schon zu so früher Stunde
(vor Mitternacht) in einer der phantastischsten Tango-Locations, die
mein müdes Auge je erblickte. Was für eine gigantische Party, was
für ein Raum! Hier bin ich Mensch, hier will ich sein (und zwar die
ganze Nacht, wenn's geht).

Foto: Matthias Seeger Internet: www.tanzfoto.net
Rein größentechnisch wird die Tanzfläche in etwa den Ausmaßen
des Berliner Ballhaus Rixdorf gerecht. Dem unvorbereiteten Besucher
eröffnet sich hinter der Eintrittsschleuse der riesige Saal eines
ehemaligen Schlachthofes (wie der Straßenname schon vermuten ließ)
wie die Heilige Schrift dem Gläubigen: hier ist nicht nur Raum für
die Milonga der Verkündigung, hier tanzt man die Milonga der
Offenbarung. Zwischen gut 10 in luftiger Höhe durch schwere Eisenträger
verbundenen gusseisernen Säulen mit Ornamenten, die als Baudatum
das Ende des 19. Jahrhunderts vermuten lassen, ist Platz für
ausgefallene Figuren zur poppig durchmischten Musik von Ard aus
Arnhem. Noch. Später in der Nacht sind die Massen dicht gedrängt.
Stimmungsvolle Kronleuchter, goldgerahmte Spiegel, riesige raue
Porträts der Tangogrößen von Gardel bis Piazzolla auf den
verputzten Wänden, unzählige Sitzgruppen mit sympathisch alten Plüschsofas
und -sesseln sowie dazugehörigen stabilen Couchtischchen laden
zum Herumlümmeln, Beobachten und Nachdenken ein. Kühle Nachtluft
strömt durch geöffnete Fenster und Türen und wird durch unzählige
Ventilatoren umgewendet, so dass ein angenehmes Tanzklima entsteht
- noch. Zu später Stunde kommen auch diese nicht mehr gegen 350
menschliche Lungen an. Aber egal. Wer geht schon wegen frischer Luft
auf die Milonga? Außerdem lädt die geöffnete Hintertür zum
Ausflug in den kleinen Garten für die lauen Sommernächte, mit
Blick über die Stadt und in den Sternenhimmel, ideal zum
Verschnaufen und Abkühlen ("chillen", wie der Buntenbach
sagen würde...). Besonderer künstlerischer Clou der Ausstattung:
ein Beamer projiziert live das Geschehen von der Tanzfläche auf
eine weiße Wand oberhalb des Saal-Eingangs, was den Raum noch
einmal auf interessante Weise öffnet und zum Spannen einlädt.
Als ich meinen Hintern aus einem der Sessel und somit mich aus der
Beobachterposition hieve und mich taktisch klug in Barnähe
postieren, werde ich stante pede auf die Tanzfläche gerissen -
wieder und wieder und wieder. Die Stimmung tobt, es ist egal, mit
wem man tanzt, Hauptsache man tanzt und genießt den Partner.
Zugegeben - das Niveau ist allgemein nicht sehr hoch, eher im
Mittelstufenbereich angesiedelt, wie auch das Durchschnittsalter der
Tänzer sich eher auf die 50 zu bewegt, aber auch das ist mir an
diesem Abend egal. Man muss ja nicht gleich heiraten. Hauptsache der
Tänzer schiebt mich weiter mit 180 anderen Paaren über die Tanzfläche...
Deutlich wird schnell, dass sich auch viele Tänzer aus dem Ausland
eingefunden haben - es herrscht ein babylonisches Sprachengewirr.
Wunderbar.
Der Showteil um Mitternacht, als sich die Damen schon in
Dreierreihen am Stand des fliegenden Schuhhändlers (Ausdruck bei
Swantje geklaut!) drängen, der bedächtig das Wechselgeld für
jedes neue Paar Tangoschuhe, das die Besitzerin wechselt, von einer
dicken Rolle Euros herabzählt, ist vom Feinsten: Patricia Hilliges
und Matteo Panero aus Italien begeistern mit grazilem, um nicht zu
sagen, über dem Boden schwebendem Salon-Tango. Gefolgt von einer
aberwitzigen Sound- und Tanzshow von Catalina Fooken und Tomás
Lotte aus Oldenburg, die ihresgleichen sucht. Ein Feuerwerk der
Sensationen. Quietschende Luftballons, ratternde Toaster und
schnaufende Gummipümpel, orchestral vorgetragen von seriös
wirkenden Damen und Herren in Fräcken, begleiten irgendwo in der
Kurve zwischen Sacada und Salida den beschwingten Schritt der Tänzer.
Tango
mal ohne Musik. Die beiden
sollte man sich merken!

Foto: Guido Gayk Internet: www.tangovision.net
Trotz bester Vorsätze schwächele ich doch schon um 2.00 Uhr und
mache mich auf den Heimweg, schließlich will ich am
Samstagnachmittag schon wieder quietschfidel im Café Ada
tanzen und dann am Abend noch auf den großen Ball, den Höhepunkt
des Wochenendes. Da muss ich fit sein. Ab ins Bett mit Gurkenmaske
und nach einer durchgemachten Nacht deutlich fehlende Schönheit
erschlafen!
Am Samstag gelingt es mir nach angemessener Nachtruhe immerhin schon
um 15.30 Uhr im Herzen des heimelig anmutenden Wuppertaler Türken-Viertels
aufzuschlagen (kein Witz, das ist echt gemütlich und das Essen an
den Ecken lockt lecker) und mich in die bereits seit der Mittagszeit
tobende Caféhaus-Milonga im Café Ada zu werfen. Alles ganz
gemütlich bei goldener Nachmittagssonne, die ihre letzten Strahlen
über die gegenüberliegenden, für Berliner Verhältnisse doch
irgendwie niedlich niedrigen Hausdächer blinzelt. Ganz putzig eben
alles. So wie's sein soll, wenn man sich mal aus seinem Alltagstrott
in die Fremde hinaus begibt.
Beinahe bedaure ich beim Blick in die vom Ada exklusiv zum
Tangofestival angebotene Speisekarte übrigens das üppige Frühstück,
das ich vor dem Weg hierher zu mir genommen habe. Kulinarische Köstlichkeiten,
kleine appetitliche Schweinereien vom Bosporus, deren Namen allein
beim Lesen schon das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, ganz zu
schweigen von diesen sich biegenden Platten, die ständig an mir vorübergetragen
werden. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich meine sehnsüchtigen
Blicke lieber über die Platten oder über die versammelte Männerwelt
schweifen lassen soll. Die Tanzgier siegt.

Foto: Quelle
Archiv Café ADA
Im Raum herrscht ein interessantes Kommen und Gehen von Tänzern,
denn das Ada ist das offizielle Festival-Zentrum, der Ort zum
"chillen" (wie der Buntenbach sagen würde....) zwischen
den Millionen von Workshops, die zu besuchen mir irgendwie zu
anstrengend erscheint, zumal so viele interessante Gastlehrer
angereist sind, dass ich mich schier nicht entscheiden kann
(darunter Amira Cámpora, und Andrea Reyero & Sebastian Missé,
die zu bewundern ich im Salon Urquiza in Berlin unlängst
Gelegenheit hatte). Rund um die Uhr soll hier am Wochenende im Ada
getanzt werden können. Fantastisch. Zu gerne möchte ich die Frühstücks-Milonga
nach dem Ball-Ende hier erleben, ab 04.30 Uhr am Sonntag, fürchte
aber, dass ich angesichts meiner anstrengenden Rückreise am nächsten
Tag auch diese nicht erleben werde (was sich bewahrheiten sollte).
Ansonsten ist das Ada ein sehr charmantes kleines Café im
unteren Stockwerk, das im oberen Stock auch noch einen größeren
Tanzraum beheimatet. Millionen von Tänzerfüßen ungefähr seit dem
Jahr 1280 oder so haben den rührend abgeschliffenen hölzernen
Tanzboden zu dem gemacht, was er heute ist. Schlichtes Holzmobiliar
lädt zu einem in Muße vertanzten und verträumten Nachmittag, was
ich mir denn auch nicht zweimal sagen lasse.
Erfrischt von der Nachmittags-Milonga wackele ich denn neu gewandet
gegen 19.30 Uhr gen Stadthalle, zum Glück in Fußnähe zu meiner
Herberge gelegen. Kaum habe ich dort bescheiden die Galerie
betreten, auf der sich mein Platz in einer langen Reihe von Stühlen
befindet, trifft mich diesmal auf jeden Fall der Schlag ob der
Dimensionen dieses vollkommen wahnsinnigen Raumes. Er ist so riesig,
dass die schwarz gewandeten Musiker des 8-köpfigen Orchesters
"Típica Silencio" auf der am entgegengesetzten Ende des
Saales befindlichen Bühne in etwa Ameisengröße in meinem
Blickfeld erreichen.

Foto: Matthias Seeger
Unabhängig davon schwebt deren phantastische Musik glockenklar und
soundgenial ausgesteuert zu mir herauf, ebenso wie die schmelzenden
Gesänge von Omar Fernández, einem bescheidenen älteren Herren aus
der Hauptstadt Argentiniens, der in seiner gleichfalls schwarzen
Kleidung chamäleonartig mit dem erstklassigen Flügel verschmilzt.
Hier wären jetzt der Beamer und die Kamera aus dem Café Tango
ausgesprochen hilfreich, nur eine weiße Wand zwischen den Putten
und Goldornamenten zu finden, könnte schwierig werden. Was soll's,
seine Stimme flutet durch den Raum als wär's die
Dolby-Surround-Anlage im heimischen Wohnzimmer und streichelt meine
Gehörgänge mit süßesten Melodeien. Ja, dieser Mann hat gelebt,
seine Stimme erzählt mir davon.
Während des Konzertteils kann ich in Ruhe vom Balkon aus die unter
mir angesiedelten festlichen Tafeln bewundern, eine jede liebevoll
mit Menüs bestückt, die mit dem Namen des jeweiligen Platzinhabers
versehen sind. Blumen, funkelndes Glas, weiße Tischtücher. Jeder
Tisch hat einen Namen, jeder Tisch hat eine Nummer. Vom Feinsten.
Look und Organisation. Barocke Goldornamente und verspielte Putten
zieren in der Tat füllig die Wände, zarte Giotto-Wölchen schweben
am Saal-Himmel und bilden den Hintergrund für 9 riesige
Kronleuchter. Sensationell. Der Abend ist jeden einzelnen Cent wert,
den der Eintritt kostet - der beileibe nicht so teuer ist, wie
diese Ausstattung vermuten ließe. Nach dem offiziellen Konzertteil
und einer ersten Tanz-Show von Laura Melo & Ricardo Barrios eröffnet
Veranstalter Carsten Heveling den Ball - es darf getanzt werden!
Etwas unruhig schleiche ich hinunter zu den auf die Tanzfläche strömenden
Massen. Erst jetzt eröffnen sich die wahren Dimensionen des Balles:
1.000 Menschen drängen sich im Saal!

Foto: Guido Gayk Internet: www.tangovision.net
Wehmutstropfen: Es scheinen doch recht viele Paare unterwegs zu
sein. Und so steh ich und steh ich und steh ich allein an meiner Säule,
die Füße tun schon weh vom stehn und kein Mann kommt vorbei. Da nützt
das geierartige Raum-Durchkreisen auch nicht, dieser Ball ist
einfach zu groß. Einzelne Menschen fallen hier nicht ins Gewicht,
was hier zählt ist Masse. Der nächste Versuch: ich fordere auf.
Einen Total-Anfänger. Hm, najaaaa. Den Gang auf die Tanzfläche,
das Tanzmonster mal von innen bestaunen, war's schon wert, der Tanz
aber nicht. Egal. Auch Anfänger fangen eben mal irgendwann an und
irgendjemand muss halt auch mit ihnen tanzen. Aber nicht gleich noch
einen im Anschluss, nein danke. Die Geschichte mit dem selbst
auffordern klappt also auch nicht so ohne weiteres. Den legendären
Single-Tisch, vom Veranstalter liebevoll "Buenos
Aires-Tisch" getauft, finde ich nicht und so kreis' ich schon
seit Stunden und dreh' so meine Runden...
Immer wieder tritt das Orchester auf und spielt zum Tanze auf, immer
wieder tritt auch Omar Fernández auf, die ganze lange Nacht lang,
bis irgendwann um 2.00 Uhr oder so. Der Himmel auf Erden. Immerhin,
von innen betrachtet ist die Tanzfläche gar nicht so ein
erstrebenswerter Ort, denke ich mir. Jede Menge mittelalte Pärchen
mit Glitzerklunkern behängt, die so tanzen als wär' dieser Ball
die einzige Gelegenheit im Jahr und entsprechend um sich schlagen
und treten als ging's um American Football. Dabei ist jede Menge
Platz auf dem funkelnden Parkett. Ich lasse mir sagen, dass die Zeit
zwischen 2.00 und 4.00 die beste sei und dann das Frühstück im Ada.
Alas, ich halte nicht durch. Die Füße tun vom stundenlangen Stehen
weh, der Rücken schmerzt, das Publikum amüsiert mich nicht
sonderlich, denn im Allgemeinen bin ich keine Freundin von Spießer-Ansammlungen,
ich mag's gern ein bisschen wild und runtergekommen. Für
alleinreisende Berliner Journalistinnen wie mich endet der Abend im
absolut tödlichen Fußschmerz-Herumgestehe. Es ist eben doch nicht
alles Gold, was glänzt!
Nichtsdestotrotz: dieser Ball, dieser Raum ist ein Erlebnis. Für
Menschen, die einmal im Jahr mit einer kleinen Gruppe oder ihrem
Partner einen kultivierten Abend in Gesellschaft festlich gewandeter
Menschen mit edlen Speisen und Getränken nebst perfekter
Beschallung und hochklassigem Showteil verleben wollen, ist diese
Veranstaltung genau das Richtige. Es gibt nichts im Entferntesten
Vergleichbares in Europa.
Wer's nicht ganz so nobel mag, dem sei das gesamte Rahmenprogramm
des Wuppertaler Tangofestivals empfohlen, um nicht zu sagen wärmstens
ans Herz gelegt, denn das ist eine Veranstaltung der Sonderklasse.
Auch am Samstagabend darf übrigens parallel zum Ball im Café
Ada und Café Tango getanzt werden. Die Termine für 2006
stehen schon fest und dann soll das Festival um einen weiteren Tag
von 3 auf 4 erweitert werden, es soll noch mehr Workshops geben, und
und und...
Ausführliche Informationen zum Wuppertaler Tangoball unter: www.tango-tango.de
 |
Individuelle
Ballfotos gibt's übrigens hier
auf der Website des Fotografen Matthias Seeger zu bestellen.
Wer weiß, vielleicht hat er Sie ja auf dem Ball fotografiert? |
Eine
schöne Bildergalerie hat auch Guido Gayk vom Ball erstellt: http://www.tangovision.net/.
Die
Tourdaten von Claudia Pannone und dem Quinteto Ángel mit "Alma
de Tango" gibt's unter www.cultytango.com
oder bei uns in den regionalen Veranstaltungskalendern::
01.10. Eltville bei Wiesbaden/Tangoball im Historischen Kutschersaal
Mainzer Hof
02.10. Osnabrück/Piesberger Gesellschaftshaus, anschließend
Milonga mit DJ
04.10. Frankfurt a. M.-Höchst/Neues Theater Höchst
07.10., 20 Uhr Berlin/Passionskirche
29.10. Augsburg/Kurhaus Göggingen, anschließend Milonga mit DJ
10.-13.11. evtl. Tangofestival auf Schloß Elmau
18.11. Landau in der Pfalz/Haus am Westbahnhof, anschließend
Milonga mit DJ
04.12. Münster/Tango Ball
25.12. Berlin/Heilig-Kreuz-Kirche, Tango Ball
26.12. Hannover/Tango
Milieu, Tango Ball
28.01.06 Bückberg/Staatsarchiv,
Konzert
http://www.claudiapannone.com.ar/
http://www.quintetoangel.de/
Möchten Sie einen Leserbrief zu diesem Artikel
schreiben?
Email an: Leserbriefe@tangokultur.info
Ausgabe
Oktober 2005
|