Israel-Tangoreise vom 03.-10. Juni 2007
 



Text: Debora Gutman
Fotos: Karin Ebner und Gerd Schindler

 

In Israel gibt es ca. 400 Tangotänzer und zahlreiche Gelegenheiten, Tango zu tanzen.
Aber nicht nur einen Eindruck von der Tanzszene Israels, sondern vom Land überhaupt sollten die 13 Mitreisenden Tangueras und Tangueros aus Berlin, München, Stuttgart, Basel und Toronto während unseres 1-wöchigen Aufenthaltes in Israel bekommen.

Nach der Begrüßung der Reiseteilnehmer im Hotel und dem gemeinsames Abendessen gab es einen ersten Milongabesuch bei Kelly und Ricardo im großen Saal des Dekel Country Club in Tel-Aviv. Mit Kuchen und Getränken und vielen herzlichen Worten wurden wir in Israel willkommen geheißen. Es gab auch einen Geburtstag zu feiern - gleich mit einer ganzen Geburtstagstanda! -  und getanzt wurde bis 2.00 Uhr früh.

Das Highlight unserer Reise war unser Ausflug nach Jerusalem unter Nora‘s kundiger Führung. Die Fahrt von Tel-Aviv dauert heute eine gute Stunde, vorbei an Modiin, einer nach 1993 ausgebauten Stadt mit über 65.000 Einwohnern und ging mitten durch die Westbanks. Gemäß dem Waffenstillstandsabkommen von 1948 sollte die Straße von Tel Aviv nach Jerusalem seit jeher für den israelischen Verkehr geöffnet werden. Jedoch ignorierte Jordanien dieses Abkommen und so musste man bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967 einen Umweg fahren, der ca. 3. Stunden dauerte. Erst vor kurzer Zeit ist diese neue Schnellstraße fertiggestellt worden, die zum Schutz vor etwaigen Feuerüberfällen beidseitig durch einen Sicherheitszaun geschützt ist.

Am Fuße des Ölbergs machten wir einen ersten Halt, um auf Jerusalem zu schauen und wenige Minuten später betraten wir den wunderschönen Garten Gethsemane, von dem hebräischen Wort  Gat-Schemen, d. h. Ölpresse abgeleitet. Schon in biblischen Zeiten war das Areal mit Olivenbäumen bepflanzt und so wandelt man heute unter biblischen Bäumen. Denn es heißt, dass ein Olivenbaum nicht sterben kann. Aus seinen Wurzeln sprießen immer neue Bäume und so sind die heutigen Bäume zumindest Ableger der ursprünglichen Olivenbäume biblischer Zeiten. Hier soll einst Jesus seine letzten Stunden in Freiheit verbracht haben, bevor er von Judas verraten wurden. Bei dem Garten befindet sich auch die „Kirche aller Nationen“ mit der Todesangstbasilika. Sie wurde zwischen 1919 bis 1924 auf den Fundamenten einer byzantinischen Basilika aus dem 4. Jahrhundert erbaut aus Geldern zahlreicher Länder, deren Wappen die Decke der Kirche zieren.

Von hier aus ging es weiter in die Altstadt von Jerusalem. Jerusalem, im 14. Jh. vor Chr. von König David erobert und zur Hauptstadt seines Reiches erklärt, ist mehrfach zerstört und wieder aufgebaut worden. Es ist gelungen, an verschiedenen Stellen die verschiedenen Ebenen der Stadt freizulegen und einsehbar zu machen, so dass wir uns eine ungefähre Vorstellung von dem alten Jerusalem machen könnten. Jerusalem ist von einer Mauer umgeben und teilt sich in vier Teile: das jüdische, christliche, armenische und das muslimische Viertel. Wir begannen unseren Rundgang am Zionstor und gelangten zur Klagemauer, dem bedeutendsten Heiligtum der Juden. An dieser Stelle stand bis zum Jahre 70 nach Christus der Tempel König Davids. Mit dessen Zerstörung durch die Römer begann die Diaspora der Juden. Die heutige Mauer fußt auf 7 Originalreihen von Steinen aus dem herodischen Zeitalter. Menschen aus aller Welt, nach jüdischem Ritus getrennt in Frauen auf der einen und Männern auf der anderen Seite, beten hier und verstecken ihre innigsten Wünsche auf kleinen Zetteln in ihren Steinritzen. Von hieraus schaut man hinunter auf eine Anlage aus der Zeit König Herodes und hinauf auf den Tempelberg mit dem Felsendom und der Al Aqsa-Moschee.

Über die Via Dolorosa und über den Markt gingen wir als nächstes zur Grabeskirche, auch Auferstehungskirche genannt, erbaut an dem Platz, wo Jesus gekreuzigt und begraben wurde. Um den ewigen Streitereien zwischen den Konfessionen ein Ende zu bereiten, entschloss man sich Mitte des 19. Jahrhunderts, einen Status quo festzulegen: Die Verhältnisse (Status) an den heiligen Stätten sollten so bleiben, wie (quo) sie waren und so ist diese Kirche der gemeinsame Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem und des katholischen Erzpriesters der Basilika des heiligen Grabes. Griechen, Armenier und Kopten inzensieren (beweihräuchern) die Kirche im Wechsel und halten ihre Messen und Prozessionen ab.

Da wir nicht nach Bethlehem hereinfahren könnten, begnügten wir uns mit einem wunderbaren Blick von der Anhöhe Ramat Rachel herab. Vorbei an der Knesset, dem obersten Gerichtshof und der großen Synagoge, beendeten wir den Abend in einem arabischen Restaurant mit einem typischen orientalischen Abendessen mit unzähligen Salaten, Fleischspießen und süßem Blätterteiggebäck zum Dessert.

Als wir am nächsten Abend zurück nach Jerusalem fuhren, um Sylvia‘s Milonga zu besuchen, könnte der Gegensatz kaum stärker sein zwischen den Heiligtümern und den leidenschaftlich tanzenden Jerusalemer Milongueros, die uns ebenfalls aufs Herzlichste willkommen hießen.

Am Freitag schließlich spazierten wir durch Lev Tel-Aviv, den alten Kern der Neuen Stadt. Tel-Aviv, Hügel des Frühlings, im Jahre 1909 von jüdischen Einwanderern gegründet, erstreckt sich etwa 6 km entlang der Mittelmeerküste. Mit wenigen Schritten landeinwärts ist man im bunten Stadttreiben einer modernen Stadt. Wir gingen durch eine beliebte Einkaufsstraße in Richtung Kikar Bialik nach dem israelischen Dichter Nahum Bialik benannt. Hier steht das alte Rathaus, heute Museum der Geschichte von Tel Aviv-Jaffo.  Den Platz ziert ein Brunnen mit einem beeindruckenden Mosaik von Nahum Gutman, daneben  das frühere Wohnhaus des Malers Reuven Rubin, heute Museum seiner Werke. Zuvor aber betraten wir den einzigen Friedhof inmitten der Stadt, in dem u. a. Max Brod (1968) und Ephraim Kishon (01.02.2005) ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Nach anregenden Gesprächen unter schattigen Oliven ging es in Richtung Allenby Straße. Das beliebte Café an der Ecke Bialik/Allenby-Straße war im März 2002 Ziel eines palästinensischen Selbstmordanschlages. Und schon waren wir an der Kreuzung angelangt, von der aus man in die Shenkin-Straße mit ihren freekigen Modeboutiquen und Cafehäusern gelangt oder zum Schuk Hakarmel, dem Wochenmarkt sowie zum Kunstmarkt. Nachdem wir uns zu einem Abschiedstrunk am nächsten Abend in meiner Wohnung verabredet hatten, löste sich die Gruppe hier auf.

Zuvor, am Freitag Abend ab 22.30 Uhr, ging es noch zu einer festlichen Milonga mit Tanzauftritten.

Die letzten Workshops am Samstag fanden gemeinsam mit den Israelis statt. Am Abend ein letzter Milonga-Besuch: „Mi Buenos Aires“ in Shunath Hamasthela nördlich von Tel-Aviv. Der Geburtstagsvals ist hier nicht gebräuchlich, schade, da wir ein Geburtstagskind hatten. Dieses sollte dennoch nicht zu kurz kommen. Gegen Mitternacht wurde Vals gespielt und wir tanzten unseren Geburtstagsvals auch ohne die Aufmerksamkeit der gesamten Gemeinde.

Am nächsten Morgen, Verabschiedung im Hotel - Bis zum nächsten Jahr - in Israel - zum Tangotanzen und vielem mehr.

Debora, 23. Juni 2007

Mehr Informationen über Tango Argentino in Israel kann man per Email anfordern:
tangobridge-berlin@goldmail.de  

 

Linktipp: Tangoreisen in alle Welt: >>jetzt ansehen

 

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Ausgabe Juli 2007

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)