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Mode, Mut und
Mode-Mutationen
Sie sind derzeit offenbar in. Man sieht sie auf
Schals, Mützen, Pullovern, auf der Straße, im Büro und entsprechend
auch auf Milongas: Rosen. Die Dame am Tresen der Berliner Fraktale
Lounge trägt ein Umschlagtuch, darauf, richtig: Rosen. Gegen Umschlagtücher
ist nichts einzuwenden, sie sind bei Milongas, vor allem wenn die in
zugigen Räumen stattfinden, höchst praktisch. Gegen Rosen ist - bis
auf ihr derzeitiges inflationäres Auftauchen - auch nichts einzuwenden.
Was allerdings gar nicht geht, im wahrsten Wortsinn, ist Röschens
Begleiter; der trägt weiße Turnschuhe. Irgendjemand sollte ihm sagen,
dass weiße Turnschuhe erstens schon bei Cherno Jobatey im
ZDF-Morgenmagazin blöd aussahen und zweitens auf einer Tanzfläche nur
etwas zu suchen haben, wenn man tanzen kann wie Michael Rühl, der -
schließlich ist der Mann Tanzlehrer - wahrscheinlich auch holländische
Holzschuhe tragen könnte. Ob Weißschuh, wenn schon modisch daneben,
wenigstens tanzen kann ist derzeit noch nicht festzustellen. Weißschuh
und Röschen stehen am Tresen rum.
Tangomode bedeutet einerseits, so viel ist klar:
Etwas in dem man gut tanzen kann. "Wenn man tanzt", sagt Rosa
Tripp von Rosa Tangomode, "will man sich ja nicht mit seinem Kleid
beschäftigen." Recht hat sie, das tut man vorher. Beim Tanzen will
man nicht das Gefühl haben, man kämpfe gegen einen Rock, der die
Eigenschaften einer Kniefessel hat, man will nicht an einem Ausschnitt
oder sonst etwas herumzupfen müssen - damit ist klar, wo Röschens
Umschlagtuch bleiben sollte, falls sie doch noch mal auf die Tanzfläche
geht: am Rand. Und eigentlich will man bei einem hohen Beinschlag auch
nicht darüber nachdenken müssen, ob die Unterwäsche wenigstens
farblich passend zum Rock gewählt ist. Praktisch also soll es sein.
Aber schick eben auch.
Unbestreitbar ist, dass Schwarz praktisch ist. Gut zu kombinieren und natürlich elegant, das kleine Schwarze passt immer, auch zum Tango. Unpraktisch wird das Ganze nur, wenn man entweder vor einer überladenen Garderobenstange steht und sich fragt: "Welchen von den fünfzig schwarzen Mänteln nehm' ich mit?" Oder - als Mann: "Welche der fünfzig Frauen im schwarzen Kleid fordere ich auf?" Mut zur Farbe ist also langsam gefragt. Susanne Stukenberg von Nosolotango beobachtet das gerade bei jüngeren Tänzerinnen. Creme ist angesagt, Rosa langsam im Kommen, blau oder grün werden gern getragen - insgesamt also kräftigere Farben. "Man hat", sagt sie, "langsam die Nase voll von einer Pseudo-Tangomode die sich in Fransen und Pannesamt in Schwarz oder Rot erschöpft." Und das heißt? Auch, dass Hosen im Kommen sind.
Susanne Stukenberg jedenfalls hat Designer aus
Buenos Aires im Angebot. Und dabei, besonders praktisch, vertreibt sie
auch eine Linie, die sowohl Büro- wie auch Milonga tauglich ist - was
bedeutet: aus dem Büro in den Salon setzt nur noch die Mitnahme der
Schuhe voraus. Und wer es verspielter, rasanter mag, der nimmt bei ihr
vielleicht ein Stück des Designers Luc da Mona mit, der eine
extravagantere Linie vertritt.
Und man orientiert sich natürlich auch am
derzeitigen Modeangebot der "normalen" Kaufhäuser und
Boutiquen - siehe Röschens Umschlagtuch. Röschen und Weißschuh übrigens
haben sich mittlerweile auf die Tanzfläche gewagt. Und Weißschuh ist
nicht nur modisch daneben, er setzt auch noch unverdrossen Basse an
Basse, und schiebt dazu Röschen wie einen Rammbock über die Tanzfläche.
Röschen guckt leicht gequält. Am Ende des Tanzes geht sie froh von der
Tanzfläche, Weißschuhs Turnschuhe aber sind - durch den Staub in der
Lounge - jetzt grau. Wenigstens der modische Faux-pas wurde am Ende
also wettgemacht ... Erwähnte Modemacherinnen: Weitere Tangofotos der Fotografin Astrid
Weiske Mehr zum Tango im Palast
der Republik Zum Artikel über Bekleidungs-Rituale beim Tango in dieser Ausgabe
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Email: willkommen@tangokultur.info Im Internet: www.tangokultur.info Herausgeber: Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.) |