"CD-Rezension"
 
CD-Rezension "Tangomania"
Label: Sony BMG
Best.-Nr. 513859-2
VÖ: 03. Nov. 2003
Spieldauer: 58:21 Min.

Text: Jörg Buntenbach

Das Album "Tangomania" von Lothar Hensel (Foto links) ist zwar keine Neuerscheinung, aber ein Werk, über das sich auf jeden Fall zu berichten lohnt, da diese CD etwas völlig Eigenes hat. Der bekannte Bandoneonist Lothar Hensel, der bereits mit einigen renommierten Orchestern wie z. B. den Berliner Philharmonikern zusammengearbeitet hat, spielte die vorliegende Kompilation mit Septisimo Tango, Tango Fusion und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin ein. 

An der Gitarre war mit Quique Sinesi ein weiterer in der Szene bekannter Tangomusiker beteiligt.

"Tangomania" ist eine Mischung aus Eigenkompositionen Hensels und feinfühligen Arrangements von Astor-Piazzolla-Stücken. Das Titelstück schrieb Hensel im Jahr 2001 für Tangoorchester und -ensemble im Auftrag der Jenaer Philharmonie. Die Uraufführung wurde damals vom DeutschlandRadio Berlin live übertragen - und auch auf CD ist das Werk ein Genuss. Es spielt gekonnt mit den Elementen des Tango und der klassischen Musik, wobei jedes der Instrumente brilliert und ganz eigene Akzente setzt, ohne das andere in den Hintergrund zu drängen. Und das macht die Qualität von "Tangomania" aus.


Septisimo Tango

Dezent aber dennoch kraftvoll und überhaupt nicht überladen, wie man es teilweise von klassischen Orchestereinspielungen gewohnt ist, überzeugt jeder einzelne Ton. Die Version von Piazzollas "Libertango" zelebriert eine Leichtigkeit, die durchaus auch in die Tanzbeine geht. Es folgt "Hommage a Liège", ebenfalls aus der Feder von Piazzolla stammend. Das feinfühlige Intro der Gitarre wird durch das Bandoneón ergänzt und das Stück steigert sich zu einem kraftvollen Dialog zwischen den Instrumenten. Die darauf folgende Komposition "Homenaje a Astor" hat Lothar Hensel geschrieben und wird von Septisimo Tango überzeugend gespielt. Der dramaturgische Aufbau stimmt in allen Akzentuierungen, während auch hier deutlich wird, mit welcher Leidenschaft die Musiker sich gegenseitig nach vorne treiben und mit welchem Charme sie die Melancholie ausdrücken, die so oft über dem Tango schwebt. Den Abschluss des Albums bildet Piazzollas "Concierto de Nácar". Auch hier spürt man die Hingabe der Musiker, die nicht bemüht wirken die argentinische Mentalität zu kopieren, sondern ihrer eigenen Authentizität vertrauen.

Das Album "Tangomania" ist vordergründig nicht für die Tanzfläche konzipiert. Musik im Zuschnitt der 30er oder 40er Jahre-Salontangos von D'Arienzo oder Biagi sollte man hier nicht erwarten. Das Album ist eher als Klassik-CD angelegt. Aber man spürt, dass Lothar Hensel und das Ensemble Septisimo Tango durchaus in der Lage wären, einer Milonga die richtige Stimmung zu verleihen. Nicht zuletzt, weil die Musiker sich eigentlich in Spielweise und Besetzung an der Musik der Tanzsalons von Buenos Aires orientieren. Septisimo Tango haben ihre traditionelle Besetzung um das Violoncello erweitert und musizieren im Stil der großen argentinischen Tangoorchester, der "orquesta tipica".


Lothar Hensel

Die CD "Tangomania" besticht zudem durch ihre Gelassenheit und steckt auch nach mehrmaligem Hören immer wieder voller Überraschungen. Das ist ein wichtiger Punkt, den es anzusprechen gilt: diese Musik will entdeckt werden. Die Stücke lassen sich nicht nebenbei hören, sondern fordern die ganze Aufmerksamkeit des Zuhörers ein. Man muss sich fallen lassen in den feinsinnigen Fluss dieser Arrangements - wenn das gelingt, will man diese CD gar nicht mehr aus dem Player herausnehmen.

Weitere Informationen zu Lothar Hensel findet man übrigens hier...



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Tangomania Lothar Hensel

Tangomania

 

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Ausgabe November 2005


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)