"CD-Rezension"
 
CD-Rezension "Narcotango" von Carlos Libedinsky
Label: Tademus, Argentinien
Bestell-Nr.: 012, VÖ: 2003

Text: Jörg Buntenbach

Carlos Libedinsky veröffentlichte 2001 die über weite Strecken unspektakuläre CD "Aldea Global", die eher den Volksmusikcharakter des traditionellen Tango wiederspiegelte. Lediglich die Titel "Trancetango" und "Mi Buenos Aires Querido" ließen erahnen, dass in diesem Libedinsky noch etwas anderes steckt. Im Jahr 2003 bereits legte er mit der vorliegenden CD "Narcotango" eine Neotango-Fusion-CD vor und sieht sich damit durchaus in der Tradition des Electrotango-Überfliegers Gotan Project. Zu Recht!

Bis auf wenige Ausnahmen überzeugt die CD, auf der 12 Titel enthalten sind, von denen einige durchaus tanzbar sind. Musikalisch gesehen ist das Album auf der Höhe der Zeit, die technische Umsetzung erinnert jedoch teilweise an den frühen 80er-Jahre Elektronik-Pop von Kraftwerk oder Depeche Mode. Heutzutage gibt es sicher ausgereiftere Computerprogramme, die sattere elektronische Soundloops zulassen. Anyway: bereits der erste Titel der CD ("Vi Luz y Subi") besticht bei aller Experimentierfreudigkeit mit seinem weichen elektronischen Soundmuster und wird vom sparsam eingesetzten Bandoneón ergänzt. Ähnlich verhält es sich bei "Plano Secuencia", Titel Numero 2, der jedoch nicht ganz so überzeugt und etwas uninspiriert wirkt.


"Otra Luna" hingegen lädt zum Träumen ein. Dieser Tango eignet sich wunderbar dazu, am Ende einer Milonga-Nacht über die Tanzfläche zu schweben und alles andere einfach zu vergessen. Für den Tangosalón und die Clubszene gleichermaßen ist "Un Paso más Allá" geeignet. Dieser Song hat einen eingehenden Rhythmus mit akzentuierten und niemals übertriebenen Soundeffekten, was auch für "Toma y Daca" zutrifft. Bei diesem Titel drängt sich bei mir die Metapher eines einsamen und vom Leben gebeutelten Tangueros auf, der ziellos durch die Lande zieht, schließlich sein Leben in die Hand nimmt und damit alles zum Guten wendet. Es folgt "Mi Buenos Aires Queri..., der neben "Trancetango" der einzige Tango auf der CD ist, der nicht von Carlos Libedinsky selbst komponiert wurde. Wie in vielen Songs schwingt hier neben einer gewissen Lust auf Neues auch eine Portion Melancholie mit, die jedoch nicht auf die Nerven geht. Libedinsky schafft es, niemals die Grenzen zum Kitsch zu überschreiten.

Das beweist er auch bei "Mejor asi", bei dem die Gastsängerin Rosana mitgewirkt hat. Und auch bei diesem Lied fällt mir auf, dass ich die Musik auf "Narcotango" immer mit bestimmten Bildern in Verbindung bringe. Hier ist es eine bizarre Landschaft, in der es mehrere Horizonte gibt. Etwas gewöhnungsbedürftig geht es mit "La tropilla de la zurda" weiter. Hier wird Langsamkeit zelebriert, bevor der Narcozug Fahrt aufnimmt und uns mitnimmt auf seine ganz eigene musikalische Reise. Und das ist etwas, was das gesamte Album ausmacht. Man muss sich Zeit nehmen und ganz genau hinhören, um sämtliche musikalische Zusammenhänge zu erfassen. Die CD eignet sich insgesamt nicht dazu, sie schnell einmal und nebenbei durchzuhören. Mit "Narcotango" fordert Libedinsky unsere ganze Aufmerksamkeit. So auch bei dem bereits erwähnten "Trancetango", einer Bearbeitung von Piazzollas "Duo de amor". Das Stück beginnt klar und eingängig, bevor es mit unserer musikalischen Ader spielt, das Blut darin aber nicht erstarren lässt. "Doble o nada" schließt sich an, verdient jedoch eigentlich keine Erwähnung, da es schlicht zu langweilig arrangiert wurde. Anders verhält es sich dann wieder beim vorletzten Titel der CD: "Que onda?" geht eindeutig in die Tanzbeine.

Mein Lieblingsstück auf Narcotango ist das sinnliche, klavierbetonte "Humo", mit dem Libedinsky uns verabschiedet. Am Ende hat man irgendwie das Gefühl, dass alle Fragen dieser Welt beantwortet wurden.

Insgesamt hat mich das Album überzeugt. Es ist eine gute Mischung aus traditionell instrumentierten Tangos und elektronischen Elementen aus House, Modern- und Acid-Jazz. Nicht zu schräg - aber auch nicht zu konventionell. Und man darf gespannt sein, ob "Narcotango" auch live überzeugen kann: Carlos Libedinsky und seine sechs Musiker werden im September und Oktober durch Deutschland touren. tangokultur.info begleitet die Tour als Medienpartner und wird darüber berichten. Zudem verlosen wir für jedes Konzert jeweils 2 x 2 Freikarten. Informationen hierzu gibt es u.a. in unserer Rubrik Ticketing, wo man auch per Mausklick Karten bestellen kann.

Das Interview:
Elke Koepping hat Carlos Libedinsky in Kassel interviewt: Mehr...

 

Die Tour-Daten:

29.09.05: Zakk, Düsseldorf
01.10.05: Kulturfabrik-Salzmann, Kassel
05.10.05: Harmonie, Bonn
06.10.05: Kulturbrauerei, Berlin
08.10.05: Kulturbundhaus, Leipzig
09.10.05: Humboldt-Säle, Nürnberg
12.10.05: Mandarin Kasino, Hamburg
14.10.05: Faust 60er Jahre Halle, Hannover
15.10.05: Tangohalle, Stuttgart
16.10.05: Metropolis, München

Karten können hier über unseren Partner Eventim bestellt werden:
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Die CD "Narcotango" (Cover rechts) gibt es bei unserem Partner Amazon (mit Hörproben): Mehr...

Informationen zu Narcotango: www.narcotango.com.ar
Informationen zu Carlos Libedinsky: www.carloslibedinsky.com

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Ausgabe September 2005


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)