"CD-Rezension"
 

"Buenos Aires Remixed"
von Tanghetto

Label: Constitution Music
Best.-Nr. CM 007
Spieldauer: 71:03 Min.

Text: Jörg Buntenbach

Max Masri und Diego S. Velázquez produzierten als Tanghetto die CD "Emigrante" und das Projekt "Hybrid Tango". Mit "Buenos Aires Remixed" legen die beiden nun ihr mit Spannung erwartetes drittes Album vor und arbeiten teilweise wieder mit den bewährten Musikern der Vorgängerplatten zusammen. Und als würden die Elektronik-Musiker sich selbst nicht über den Weg trauen, versehen sie ihre neue Veröffentlichung selbst mit dem Etikett "special edition for DJs and electronica lovers". Schon allein damit verfrachten Tanghetto sich in eine bestimmte Schublade und vertrauen nicht darauf, was das Publikum daraus macht. 
"Buenos Aires Remixed" enthält insgesamt 14 Titel, wobei einige davon bereits auf den Vorgänger-CDs enthalten waren. Hier zwar in neuen, Club-kompatiblen Arrangements mit noch mehr Beats, aber deswegen nicht zwingend überzeugender oder gar mitreißender. Offensichtlich mangelt es Tanghetto an wirklich neuen Ideen, was daran liegen mag, dass sie ihre Platten zu schnell produzieren. Vielleicht haben sie Angst davor, dass die Electrotango-Welle zu schnell wieder verebbt und wollen schnell noch rausholen, was rauszuholen ist. Sicher wollen die Musiker mit der neuen Platte von der konsumfreudigeren Club-Szene außerhalb der Tangoszene profitieren - aber mit den immer selben und eintönigen Beats und Loops kann das nur bedingt gelingen.

Gleich der erste Titel "Alexanderplatz Tango" ist den Tangueras und Tangueros in den modern orientierten Milongas als überzeugenderes Arrangement von der ersten CD "Emigrante" her im Ohr. In diesem sogenannten 'Andina Remix' nervt der Titel jedoch durch die bereits angesprochenen eintönigen Beats. Beim zweiten Titel "Incognito" kommt so etwas wie Neugier auf, weil dieses Stück, das ursprünglich auf dem Sampler "Tangophobia Vol.1" veröffentlicht wurde, ansatzweise mit einer gewissen musikalischen Dramaturgie ausgestattet ist und man davon nicht ganz so schnell in den Sog der Langeweile gezogen wird. Depeche Modes "Enjoy the Silence" baut von vornherein eine gewisse Erwartungshaltung auf und ist zumindest hörenswert (wenn auch nicht wirklich zu 100 Prozent überzeugend, da nicht zuletzt das Bandoneón viel zu brav daher kommt).
"Vida Moderna en 2/4" war im ursprünglichen Arrangement bereits auf der CD "Emigrante" enthalten und überzeugte. Hier machen Tanghetto ihr Werk mit der sogenannten 'neo clubber version' wieder kaputt. Aber vielleicht erreichen sie damit zumindest einige pubertierende Kids, die noch auf der Suche nach ihrem persönlichen Lebensentwurf sind und die einfach nur abhotten wollen ohne von wechselnden Harmonien gestört zu werden.
Wegen der Berühmtheit des New Order-Songs "Blue Monday" hört man sich wohlwollend diesen nächsten Titel an. Tanghetto präsentieren ihn als 'Tango-Mix'. Schönheitsfehler hierbei ist jedoch, dass ein Bandoneón allein noch keinen Tango im 4/8-Takt mit unregelmäßiger Synkopierung bringt. Dieses Arrangement ist nicht mehr und nicht weniger als ein zum Tanzen einladender alter Hit im Electronic-Pop-Stil. Nett zwar, aber kein Umhauer!
Ähnlich verhält es sich bei den nächsten, selbstgecoverten Titeln "Aire" (ursprünglich auf dem bereits erwähnten Sampler "Tangophobia Vol.1" enthalten) und "Montevideo" (vom Album "Emigrante"). Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Auch zu den sieben darauf folgenden Klangprojekten lässt sich Ähnliches sagen. Leider, denn es gibt beim Electro-Tango durchaus einige sehr gelungene Beispiele, die zeitgemäße musikalische Elemente und die alte Volksmusik vom Rio de la Plata überzeugend zusammenbringen. Zum Thema passend sei hier der in unserer Juni-Ausgabe 2005 von Hans Peter Salzer veröffentlichte Artikel "Electro-Neo-Fusion-Chill-Out-Project-Tango? - ein neues Genre macht sich im Tango breit" empfohlen.

Wer die erste CD "Emigrante" von Tanghetto noch nicht im Regal stehen hat, sollte sich diese zulegen. Hierfür wurden Tanghetto zurecht für den Latin Grammy 2005 nominiert. "Buenos Aires Remixed" hingegen ist bestenfalls nur etwas für Musikeinsteiger, die ihr Musikverständnis erst noch abklopfen und hierzu Vergleiche heranziehen müssen.

Mehr über Tanghetto gibt es auf der Homepage: Link... 

 

Die CD "Buenos Aires remixed" gibt es hier bei uns über unseren Partner Danza y Movimiento:

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Ausgabe Januar 2006


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.S.d.P.)