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Interview: Elke Koepping
Fotos: Torsten Moebis

Viele argentinische Künstler, die kürzlich in
Deutschland gastiert haben, haben erst relativ spät mit dem Tango
angefangen, wie kommt bei dir diese frühe Liebe zum Tango zustande?
Cristóbal Repetto Der
erste Kontakt mit dem Tango war für mich Roberto Goyeneche. Dann erst
habe ich angefangen, Musik zu suchen, die diese traditionelle, kreolisch
beeinflusste Musik mit dem Tango verbindet, also die Musik vom Land mit
der der Stadt. Zum ersten Mal habe ich dann mit 16 angefangen Tangos zu
singen, also 1996.
Hast du die Stücke auf der CD selbst ausgewählt?
CristóbAl Repetto
Es sollten Songs von großer Bedeutung sein, zugleich mit sehr
poetischen Inhalten. Ich fühle, auch wenn diese Tangos sehr alt sind,
dass sie trotzdem immer noch Aktualität besitzen. Das, was sie ausdrücken,
bleibt das selbe. Der Tango "Acquaforte" z. B. ist sehr
aktuell, er steht für die Kraft der unteren Klassen.
Ist dir der politische Anspruch in deiner Musik wichtig?
Cristóbal Repetto
Argentinien ist ein Land, das sich im Vergessen übt. Mit meiner Musik
will ich das verhindern. In gewisser Weise bin ich also politisch aktiv,
wenn ich dazu beitrage, dass das Volk nicht vergisst. In meinen Songs
kommt nicht die heutige Politik zur Sprache, aber ich habe ein großes
Interesse daran, einmal mit zeitgenössischen Künstlern zu arbeiten,
aktuelle politische Texte zu singen.
Die Auswahl der Stücke auf der CD ist ungewöhnlich, diese Tangos
sind einem größeren Publikum eher unbekannt. Hast du dich selbst auf
Recherche begeben?
Cristóbal Repetto Ich
habe mit der Academía Nacional de Tango in Buenos Aires Kontakt
aufgenommen, und Material aus einer großen privaten Sammlung
zusammengestellt. Da die Aufnahmen sehr sehr alt waren, hatten wir
Probleme, die Texte zu übertragen. Das war eine sehr mühsame Arbeit,
denn der Klang der alten Platten war sehr schlecht. Mein großes Ziel
ist es, dass der Tango auf den großen Festivals vertreten ist, dass er
so populär wird wie Popmusik.
Du arbeitest auch mit dem Bajofondo Tango Club zusammen. Ist das für
dich ein gangbarer Versuch, den Geist der heutigen Jugend in den Tango
hineinzubringen?
Cristóbal Repetto
Teils ja. Dieses Ziel habe ich auch. Ich wünsche mir, daß die jungen
Leute die alten Tangos anhören und dadurch lernen, auch den alten
Menschen zuzuhören. Bei Bajofondo habe ich sehr gerne
mitgemacht, das hat viel Spaß gemacht. Es ist aber nicht grundsätzlich
meine Welt, die elektronische Musik ist nicht mein Hauptinteresse.
Auf dem Konzert hast du deine 90-jährige Großmutter erwähnt, heißt
das, in deinem Leben gibt es wichtige ältere Menschen?
Cristóbal Repetto
Ja, ich habe das Glück, dass meine beiden Großmütter noch leben, die
eine ist 90 und die andere 94. Sie sind immer total gerührt, wenn ich
diese alten Tangos singe. Für mich hat das sehr viel Bedeutung, denn
das war die Musik, die sie selbst gehört haben, als sie 15 Jahre alt
waren. Meine Mutter und meine Großmütter sammeln alle
Zeitungsausschnitte über mich. Wenn ich dann von einer langen Reisen
nach Hause zurückkomme, zeigen sie mir ihre Sammlungen.
Hast du dich eigentlich mit dem Tango nur als Musikform beschäftigt,
oder auch mit dem Tanz?
Cristóbal Repetto
Ich bin ein ganz schlechter Tänzer!
Also zurück zu deiner Stimme: ist dir das irgendwann mal bewusst
geworden, dass du einen außergewöhnlichen Tenor singst oder hat dich
jemand darauf aufmerksam gemacht?
Cristóbal Repetto
Das war im Jahr 2000, da habe ich es selbst entdeckt. Meine Stimme
befand sich in einer Veränderungsphase, der eigentliche hohe Klang war
natürlich schon immer da. Ich habe in mich hineingeschaut und diese
Stimme einfach losgelassen, es war auch für mich eine totale Überraschung,
daß ich das kann. Sie passt sehr gut zum Klang der Strohgeige, Javier
Casallas ist tatsächlich der einzige Musiker in Argentinien, der sie
spielen kann.
Die Songs, die du ausgewählt hast, wurden die ursprünglich auch von
Tenören gesungen oder hast du sie den Anforderungen deiner Stimme
angepaßt? Was mir auffiel: Es ist kein Tango von Gardel dabei, was doch
eigentlich naheliegen würde.
Cristóbal Repetto
Ich singe keine Tangos von Gardel, um diesen direkten Vergeich zu
vermeiden. Für mich ist es wichtig, daß meine Individualität in den
Stücken zum Ausdruck kommt. Die Stücke habe ich zum Teil für meine
Stimme transponiert.
Schreibst du auch selbst Songs?
Cristóbal Repetto
Ja, ich schreibe auch. Diese Stücke sind noch nicht auf der Debut-CD zu
finden, aber auf meiner nächsten werden sie vertreten sein, die etwa im
November 2006 beendet sein soll. Ich schreibe über mein Leben, mein
Heimatdorf und wie die Leute dort leben. Daniel Yaría komponiert einige
Original-Stücke für mich, aber ich werde auch selbst versuchen, einige
Lieder zu komponieren. Es werden noch Stücke von Mercedes Simone,
Azucena Maizani und Milongas vertreten sein, die von Musikern aus meinem
Dorf arrangiert werden.
Was wünschst du dir für dich und deine Musik in der Zukunft?
Cristóbal Repetto Ich wünsche
meiner Musik, dass sie überall auf der Welt gehört wird und dass die
Leute, die sieh hören, etwas damit verbinden. Außerdem möchte ich
gern Künstlern aus dem argentinischen Hinterland helfen, nach Buenos
Aires zu kommen, damit sie ihre Musik auch in der Stadt vorstellen können.
Eines meiner größten persönlichen Anliegen ist es, dass meine Band
zusammenbleibt, denn die musikalische Chemie zwischen uns funktioniert
sehr gut und wir kommen auch privat gut miteinander aus.
Das Interview wurde am 01.11.2005 in Berlin geführt (mit
Simultanübersetzung).
Zum Artikel über das Promo-Konzert
von Cristóbal Repetto in Berlin in der aktuellen Ausgabe.
Zum Artikel über Repettos Auftritt bei den Bajofondo-Konzerten
im Sommer.
Tourdaten:
16.03. Berlin, Maschinenhaus der Kulturbrauerei
17.03. Frankfurt/Main, Brotfabrik
18.03. Bonn, Harmonie
19.03. Heidelberg, Karlstorbahnhof
20.03. München, Orange House
21.03. Leipzig, Haus Leipzig
22.03. Hamburg, Stage Club
23.03. Oldenburg, Neues Gymnasium
Zur offiziellen Website
von Cristóbal Repetto (der Link funktioniert z. Zt. nicht).
Mehr
Informationen auf der Website des deutschen Tourmanagements.
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Ausgabe Dezember 2005
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