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Ein Workshop mit Dana Frigoli und Pablo Villarraza
Text und Fotos: Torsten Moebis
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Verletzungen
im Allgemeinen und Muskelfaserrisse im Speziellen können auch ihre
Vorteile haben, insbesondere dann, wenn man nicht selbst davon betroffen
ist, und stattdessen in den Genuss kommt, als Nachrücker einen sehr
begehrten Platz in einem Tango-Workshop zu ergattern. (Hier einerseits
mein Dank an Slatko, verbunden andererseits natürlich mit den besten
Genesungswünschen!)
Eigentlich sagten mir die Namen des Tangopaares Pablo Villarraza und
Dana Frigoli, die im Anfang Mai im Berliner Mala Junta
verschiedene Workshops anboten, nicht viel. Erst im Nachhinein klickerte
es bei mir, dass ich bereits von ihrer Philosophie des dynamischen Führens
und Folgens (TTC - "Tango Tecnología Conceptual")
profitieren konnte, da beim letztjährigen Tango-Urlaub im Mala Junta
diese Systematik der "Dynamique Elastique" weitervermittelt
wurde. Dieses Tango-Konzept entwickelten Pablo und Dana nach eigener
Aussage, weil ihnen niemand zufriedenstellend die Frage hätte
beantworten können, was Tango eigentlich sei. Die beiden, die seit
sechs Jahren miteinander tanzen, verstehen dieses Konzept als einen
ganzheitlichen Ansatz, den sie aus den drei Komponenten Körper, Seele
und Gefühl zusammensetzen.
Ich nahm an dem Workshop zu "Rosques und Gegen-Rosques" teil
und durfte einen weiteren Milonga-Workshop photographisch und
beobachtend begleiten. Bei jedem Workshop
gab es - wie bei Fortgeschrittenenkursen üblich - eine kurze Aufwärmphase
mit teilweise lustigen Körperübungen. Beneidenswert war die
Beweglichkeit von Dana, die auch als Aerobic-Trainerin alle Zöglinge
ins Schwitzen bringen oder unter den Tisch tanzen könnte. Den 15 (!)
Tanzpaaren wurden danach die Schritte und Bewegungen für die Rosques
sehr ausführlich und auch als zerlegte Körperübungen vermittelt. Es
ging zügig und diszipliniert zur Sache. Störende Seitengespräche
wurden von Pablo sehr humorvoll unterbunden; es war klar, wer den
Unterricht gestaltete und im Zentrum des Interesses stand - Pablo und
Dana.
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Da
ich zum ersten Mal mit meiner Tangopartnerin tanzte, waren wir zunächst
mit unserer "Grundabstimmung" beschäftigt. Bei den Rosques
kamen wir anschließend leider nicht immer in die gewünschte
Umlaufbahn. Die von uns gewählte Schrittfolge, zunächst von Dana als
korrekt befunden, stellte sich nach einer halben Stunde bei Pablos
Draufsicht . oops . als verkehrt dar, hatten wir doch so einige
wichtige Zwischenschritte vergessen. Es hieß also noch einmal von vorne
anfangen. Tja, wie im wirklichen Leben. Vorwürfe hätten da auch nicht
geholfen und vielleicht hatten wir auch nicht richtig aufgepasst.
Da nach einer Stunde die Rosques noch mit weiteren Schritten ergänzt
und erweitert wurden, kamen wir übungstechnisch ins Hintertreffen, was
uns jedoch nicht aus der Ruhe brachte, wollten wir doch weder einen
Preis gewinnen noch galt es eine Prüfung zu bestehen.
Die Zeit verging schnell, da Kondition und Konzentration sehr gefordert
wurden. Die Stimmung war gut und die in Zeitlupe vorgeführte "Fußballeinlage"
zur Demonstration eines Bewegungsablaufes bei den Rosques werde
ich wohl auch nicht so schnell vergessen. Pablo und Dana konnten neben
ihrer konzentrierten und leistungsfordernden Art auch sehr komödiantisch
sein. Der Spaß an Bewegung und am Tanzen war den beiden immer
anzumerken. Technisch hochklassig würzten sie ihre Demonstrationen mit
rhythmischen und musikalischen Bonmots. Wohltuend war ebenfalls, dass
ihr Unterricht frei von arroganten und machohaften Allüren war. Aus
meiner Sicht ist die Arbeit mit Pablo und Dana sehr zu empfehlen,
allerdings nur für Fortgeschrittene, die intensive Arbeit mögen. Wer
Englisch spricht, oder noch besser Spanisch beherrscht, ist auf der
sicheren Seite.
Für den Unterricht hätte ich mir allerdings, das sei auch kritisch
angemerkt, mehr Zeit für "persönliche" Hilfestellung gewünscht.
Ein Tanzpartnerwechsel, den wir dann selbst aufgrund von Eigeninitiative
zweimal durchgeführt haben, hätte dem Unterricht auch ganz gut getan.
Kritisch ist auch bei der Organisation des Workshops anzumerken, dass
die Anzahl der Teilnehmer (15 Paare) stark zu Lasten der Qualität der
Vermittlung geht. Zieht man das Aufwärmen sowie die Zeit für Vorführung
und Erklärung ab, könnte man auf eine Stunde zur Hilfestellung für
alle kommen. Bei zwei Lehrern bedeutet dies eine durchschnittliche persönliche
Betreuung von rund fünf Minuten pro Teilnehmer. Auch unter Berücksichtigung
der Tatsache, dass gute Tangolehrer durch eine weite Anreise und starke
Nachfrage wenig Zeit haben, zumal sie zusätzlich oft sehr dichte
Terminkalender aufweisen, sollte man über die Verringerung von diesen
Gruppengrößen nachdenken.
Eine weitere organisatorische Kritik in diesem Zusammenhang muss ich
leider auch gegenüber dem Mala Junta loswerden, trotzdem ich
alle Lehrer persönlich und in ihrer Arbeit sehr schätze, sowie ihre
Situation gut nachvollziehen kann. Trotz der bereits eingeführten
Selbstbeschränkung auf die Teilnahme von maximal drei Lehrerpaaren aus
den eigenen Reihen, halte ich es gegenüber den übrigen Teilnehmern für
nicht vermittelbar, dass letztendlich in allen Kursen drei von fünfzehn
Plätzen mit Lehrerpaaren belegt waren. Ja, ich weiß, wir leben
letztendlich auch von dem Input und den Erfahrungen, die Berliner
Tangolehrer/innen von außerhalb erhalten. Aber ist dieses Verhältnis,
angesichts langer Wartelisten, wirklich angemessen? Hätten nicht ein
bis zwei Lehrerpaare im Wechsel auch ausgereicht? - Die Meinung der
Tangogemeinde, Lehrer wie Schüler, hierzu würde mich wirklich sehr
interessieren. Gibt es ähnliche Erfahrungen in anderen Städten oder
anderen Tangoschulen in Berlin?
Übrigens fand ich es sehr angenehm, dass die Bekleidungsrituale mal
wieder durchbrochen wurden. Ich bin daher gespannt, ob Danas Schuhe
(halb hohe Winterstiefeletten?!) mit Dreiviertelhosen einen neuen Trend
in der Tangomode auslösen werden...
Weitere Informationen zu Pablo Villarraza und Dana Frigoli findet ihr
unter: www.en.estudiodnitango.com/ar/
bzw. www.pabloydanatango.com.ar
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Ausgabe Juni 2006
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