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Astrid Weiske
Tangofotografien
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Vernissage zur Ausstellung
Alte Bahnhofshalle, Berlin-Friedenau

Text: Elke Koepping
Fotos: Astrid Weiske

 

 

Über Publikumszulauf konnte sich die Berliner Tanzlehrerin/ Tänzerin Angelika Fischer am 24.3. zur Vernissage von Astrid Weiskes Ausstellung „Tangofotografien“ sicher nicht beklagen. Zugegebenermaßen, die Alte Bahnhofshalle in Friedenau ist nicht besonders geräumig, aber an diesem Abend herrschte bereits zu Beginn der Milonga schon munteres Treiben auf der Tanzfläche. Es ist dies bereits die 5. Ausstellung, die sie dort eröffnet – in unregelmässigen Abständen und, wie sie sagt, nur, wenn sie einen persönlichen Bezug entweder zu KünstlerInnen oder Bildern herstellen kann. 

Einen persönlichen Bezug hat sie zu der in Köln lebenden Fotografin Astrid Weiske (deren Wahlheimat jedoch Berlin ist, wohin sie auch im Sommer zurückzuziehen gedenkt) seit dem vergangenen Jahr: Astrid fotografierte die Tango Mujer-Aufführungen im Haus der Kulturen der Welt, Angelika gefielen die Bilder und sie lud sie ein, bei ihr auszustellen - eine Auswahl dieser dort entstandenen Fotografien ist somit (nicht nur aus diesem Grund) auch in der Alten Bahnhofshalle zu bewundern. Es schließt sich so ein kleiner Kreis: Astrid Weiske tanzt seit 1996 selbst Tango, zunächst als Schülerin von Ulrike Schladebach und Stefan Wiesner (bekannt als Stravaganza), später dann von Brigitte Winkler (Ulrike und Brigitte glänzten denn auch beide zur Vernissage durch Anwesenheit). Last but not least hat Astrid mit Angelika Fischer neben dem Anfangsbuchstaben ihres Vornamens vor allem eines gemein: sie führt. Sie findet es von jeher interessant, Traditionen aufzubrechen und mag aus diesem Grunde auch eher die unkonventionellen Milongas, es nimmt also nicht weiter wunder, daß es Astrid Weiske schon zu Anfang ihrer eigenen Tanzerfahrung zu zu den weniger traditionellen Tänzern hinzog. Allerdings bekennt sie, daß sie in jüngster Vergangenheit nun auch begonnen hat, die Schritte der Geführten zu erlernen – aus Neugierde.

 

(Vlnr: Astrid Weiske, Angelika Fischer; Tango-Mujer-Bilder im Hintergrund)

Astrid Weiske interessiert sich neben ihrer Tätigkeit als Fotografin und Grafik-Designerin für Firmenkunden im Bereich Produkt- und Architekturfotografie bei ihren künstlerischen Projekten schon lange für den Tanzbereich, neben Modern Dance in letzter Zeit eben aus naheliegenden Gründen verstärkt für den Tango. Die in der Alten Bahnhofshalle zu sehenden Arbeiten zeigen neben einigen abstrakten Bildern, die die Tanzbewegung in dynamische Formen und impressionistische Farben zerlegen und Raum für Assoziationen beim Betrachter lassen, viele sehr intime Porträts von Tanzpaaren auf der Milonga. Live und unzensiert sozusagen, Momentaufnahmen eines intimen Rapports der Tanzenden miteinander: aufgenommen in Köln, Berlin und New York. 

                            

(Bilder von der Milonga in der Alten Bahnhofshalle, 24.03.05)

Ohne Pose, ohne Schnickschnack verschwimmt auf diesen Tanzporträts der Hintergrund und der umgebende Raum zu einer entfernten Farbmasse, so wie die Umgebung in der Wahrnehmung der Tänzer verschwimmt, die diese versunken ineinander und in die Musik in den hintersten Winkel ihres Sichtfeldes verdrängen. In gewisser Weise tritt der Betrachter / die Betrachterin über das Objektiv der Fotografin in einen Dialog mit den abgebildeten Tänzern – wird Teil ihres Erlebnisraumes und fühlt sich so vielleicht auch an ähnliche, eigene Erfahrungen erinnert oder sehnt sich danach, diese Intimität selbst im Tanz herzustellen. Es sind die Nähe zum Objekt, der Ausschnitt aus dem wirklichen Leben, die Momentaufnahme intimer Augenblicke, die Astrid Weiske interessieren, und die ihre Bilder aus einer Masse von bekannten Tangofotografien hervorstechen lassen, die sich auf schöne Raumkompositionen und interessante Posen kaprizieren.

Man kann sich lebhaft vorstellen, daß die Fotografin bei dem Versuch, diese Momente der Nähe einzufangen, die sie auch in den Tanzfotografien von Tango Mujer gesucht hat, ganz schön ins Schwitzen geraten ist - bei dem Tempo, das die Tango-Damen auf der Bühne ganz gern an den Tag legen. Dennoch sind ihr einige schlichte, klare, sehr klassische Bühnenfotos gelungen, die stille Bruchteile von Sekunden zwischen den Tänzerinnen für die Ewigkeit einfrieren.

 

Wer neugierig geworden ist und keine Lust oder Gelegenheit hat, die Alte Bahnhofshalle in Berlin-Friedenau aufzusuchen: mehr Bilder von Astrid Weiske kann man auf der website www.tango-foto.de einsehen.
                                                                           

Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. Mai 2005. Eine gute Gelegenheit zur live-Ansicht bietet die Milonga von Angelika Fischer, immer Donnerstags ab 21.15 Uhr. Im Sommer soll die Ausstellung auch noch in Köln und Düsseldorf zu sehen sein, tangokultur.info wird hierüber rechtzeitig informieren.

Informationen zu Angelika Fischer und TangoArt: www.tangoart.de 

Die Tangofotografien werden im Ende Mai auf dem Tangofestival in
Düsseldorf zu sehen sein (26.05. bis 29.05.2005). Siehe auch unter Veranstaltungskalender NRW (specials). Eine wunderbare Gelegenheit "TANGO MUJER"
auch Live wieder hier in Deutschland auf der Bühne und in Workshops zu erleben.
Weitere Infos:
www.tanzhaus-nrw.de 

Im Juli 2005 werden die Arbeiten dann anlässlich des 2. Kölner
Tangomarathons und länger in Köln zu sehen sein. Ein wunderbarer
Event den ich persönlich sehr empfehlen kann.

14.6. - 17.6. 2005 Tangomarathon Köln (Tango Colon, DYADOS)

 

 

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