Debüt von Stazomayor in Wien
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Von Christine Reiterlechner
Fotos: Claudia Prieler
Wenn das Debüt eines Musik-Trios in der Stadt der Musik stattfindet,
kann ja schon fast nichts mehr schief gehen. Heißt das Trio Stazomayor, ist der Erfolg gesichert.

Der Ort der Veranstaltung, das Metropol, ist ein uriges Wiener
Vorstadttheater, das in den Siebzigern die
Off-Location war. Wer alt genug ist, erinnert sich noch an die
legendären Events mit der Hallucination Company und an die unübertroffenen
Sozialarbeiterfeste. Ein guter Platz für eine nicht ganz alltägliche
Tango-Veranstaltung.
Es ist ein Geschenk, Luis Stazos Bandoneón weiterhin zu hören und
eine Freude, dass er in Coco Nelegatti (Gitarre) und Kaspar Domke (Baß)
wieder junge Musiker gefunden hat, die diese hohe Qualität mit ihm
zusammen erreichen. Der erste Auftritt der neuen Formation war dem
verstorbenen Freund und Sexteto-Mayor-Partner von Luis Stazo, José
(“Pepe”) Libertella gewidmet. Das Trio überzeugte sowohl mit –
teilweise speziellen – Interpretationen klassischer Stücke aus dem
Tango-Repertoire als auch mit der neuen Eigenkomposition von Luis
Stazo „A mi esposa“, einer Hommage an seine Frau. Die nicht ganz
perfekte Tontechnik tat dem Wohlklang nur wenig Abbruch.
Entsprechend begeistert wurden sie vom Wiener Publikum im
ausverkauften Metropol aufgenommen. Der überwiegende Teil der
Besucher und Besucherinnen kam nicht aus der Tango-Szene, die in Wien
nach wie vor sehr klein ist.
Ein anderes – zufällig zustande gekommenes – Highlight bei dieser
Veranstaltung war der Auftritt von Alejandra Mantiñan und Chicho
Frumbóli. Durch ein terminliches Missverständnis hatte sich Partner
Gabriel Missé anderweitig verpflichtet; Alejandra wollte gerne beim
Debüt von Stazomayor tanzen – wohl auch zu Ehren von Luis
Stazo und im Gedenken an José Libertella, mit denen sie lange Jahre
bei Tango Pasión
aufgetreten ist. Also hat sie kurzerhand Chicho gefragt, mit dem sie
noch nie gearbeitet hatte. Jede Tangotänzerin kennt das – man kann
einen Mann von irgendwo auf der Welt treffen, mit ihm tanzen und es
funktioniert. Wenn eine Weltspitzen-Tänzerin mit einem Weltspitzen-Tänzer
zusammenkommt, ist das Ganze dann gleich einmal bühnenreif.

Wir hatten also die seltene Gelegenheit eine echte Improvisation –
was ja eigentlich den Tango Argentino ausmacht – auf der Bühne zu
erleben und eine andere Seite von Alejandra Mantiñan kennen zu
lernen. Das zweite Geschenk des Abends. Sie glänzte in der
langsameren, mehr innigen Improvisation mit Chicho genauso wie in den
(bezogen auf den schnellen Bühnentango) High-End-Choreographien mit
Gabriel Missé, die wir zwei Wochen davor in Wien bewundern konnten.
Das übrige Programm, das insgesamt recht liebevoll zusammengestellt
war, bestritten lokale Musik- und (Tango-)Tanzschaffende aus Wien und
München. Der Abend bot eine Mischung aus Weltspitze und Lokalem –
der Tango gehört ja allen.
Wir danken Traude Bolnberger und Luciano Jorge Rios für Idee und
Organisation und wünschen Stazomayor weiterhin viel Erfolg.
Weitere
Tangofotos von Claudia Prieler im Internet:
www.claudiaprieler.com
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