Noch
so 'n Quatsch
Tango Crash Live und auf Tonträger
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CD "Otra Sanata"
Tango Crash
Label: Galileo Music, 2005 |
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Text: Elke Koepping und
Ulrich Fischer
Fotos: Elke Koepping
Eines
ist die Musik von Tango Crash sicherlich nicht: eingängig. Sie
ist nicht einmal tanzbar. Und damit ein Problem für jeden Tangotänzer,
der nicht zufällig ein Elektronikfetischist, Jazzfan oder Connaisseur
zeitgenössischer Klangkunst ist. Ob das, was Daniel Almada und Martín
Iannaccone von Tango Crash komponieren und auf CD einspielen,
mit dem Wort "Tango" zutreffend zu umschreiben ist, ist –
trotz der deutlichen Referenz im Namen der Band – mit Sicherheit
innerhalb der Tangoszene sehr umstritten. Jörg Buntenbach, von dem
bekannt ist, dass er dem Electrotango deutlich zugeneigt ist, lehnte
eine Rezension der soeben erschienen zweiten CD von Tango Crash
"Otra Sanata" mit den empörten Worten ab, das sei für ihn
nur "elektronisches Gedudel". Naja, ich kann's ihm
schwerlich verdenken, so ein DJ hat halt auch nur einen begrenzten
Horizont... Also musste ich dran glauben, denn ich halte diese Dudelei
für ein hochkomplexes, um nicht zu sagen nachgerade geniales zeitgenössisches
Musikwerk – Tango hin oder her. Wird es Tango Crash in 20
Jahren so gehen wie Astor Piazzolla, der erst in heutiger Zeit als der
große Erneuerer des Tango gefeiert wird? Wer kann eine solche Frage
zum jetzigen Zeitpunkt schon beantworten.
Da ich im Grunde nichts von Musik verstehe, habe ich mir Schützenhilfe
bei meinem Freund Uli geholt, der Tontechnik studiert hat und für
eine Musik-Software-Firma in Berlin arbeitet. Wenn jemand in diesem
Falle helfen kann, dann er. Mit vereinten Kräften kamen wir mit jedem
weiteren Hören der CD "Otra Sanata" zu erstaunlichen
interpretativen Höhenflügen – die Musik von Tango Crash
beflügelt die Phantasie, sie öffnet weite Interpretationsräume und
erzählt Geschichten, nicht allein über die Kombination von Klang und
Text, sondern sogar über den Bau der Stücke, auf Ebene der
Produktionstechnik. Soviel zum Thema "Gedudel". Fest steht,
dass die Musik auf "Otra Sanata" keine Musik ist, die bei
einem entspannten Gespräch im Hintergrund laufen könnte, im
Gegenteil, wenn man nervös veranlagt ist, kann ich vom Kauf der CD
nur abraten, ihre unmittelbare Wirkung ist sperrig, aufputschend, und
unausgeglichene Gemüter könnten dazu neigen, die unschuldige
Silberscheibe aus dem CD-Player zu reißen und gegen die Wand zu
werfen. Man muss sich auf sie einlassen, den Intellekt anstrengen und
ihr ihre Geschichte förmlich abringen. Tja, zuhören
will eben auch gelernt sein.
Almada (Piano) und Iannaccone (Cello, Vocals), beide argentinischer
Herkunft, jedoch schon seit einigen Jahren in Europa lebend, sind so
etwas wie Allround-Selfmade-Talente: beide haben keine klassische
Ausbildung an ihren Instrumenten absolviert (die sie dennoch virtuos
beherrschen), sich früh für elektronische Musik und Perkussion
interessiert und Komposition studiert. Sie haben heute einen
hervorragenden Ruf als Solisten in einer zeitgenössischen Musikszene,
aber durchaus auch die eine oder andere Wurzel im Tango. Daniel Almada
hat sich seit langer Zeit als Komponist Neuer Musik hervorgetan,
so erhielt er 1992
den Förderpreis für zeitgenössische Komposition der Schweizerischen
Volksbank Basel und ist Gastdozent für Tongestaltung an der
Fachhochschule Vorarlberg in Österreich. Dass Tango Crash als
Musikprojekt außerhalb der Tangoszene (wo dies nicht unbedingt der
Fall ist) sehr ernst genommen wird, beweist die diesjährige Ehrung
der Gruppe durch den Folk- und Weltmusikpreis Ruth in der Kategorie
"Newcomer", der jährlich beim Rudolstadt-Festival vergeben
wird. Nominiert waren übrigens auch Barbara Buchholz und eine weitere
Tangoformation namens Mi Loco Tango. Biografische Fakten, die
eine vorschnelle und verächtliche Beurteilung der Gruppe als
"noch so 'ne Elektrocombo" schon überdenkenswert machen.

Booklet
"Otra Sanata", Gestaltung: Florencia Young
Erhellend stimmig korrespondiert beim ersten näheren Blick auf "Otra
Sanata" die grafische Gestaltung des Booklets mit der Musik, eine
Koinzidenz, die wie die Partituren der auf der CD versammelten Stücke,
alles andere als zufällig ist: die erste Innenseite wie auch das
Intro der Website zeigen in einer Sechserreihung gesampelte und
collagierte Bildausschnitte eines einzelnen Bauwerks oder Gegenstands,
das oder der als Symbol für einen ganzen Sinnzusammenhang steht, nämlich
die Produktionsorte der CD, fotografiert mit starken vertikalen
Blickachsen, die dynamisch in den Himmel ragen. Basel ist mit einer
Altstadtansicht mit Kirchtürmen vertreten (Daniel Almada), Berlin mit
dem Fernsehturm am Alex (Martín Iannaccone) und Buenos Aires mit
aufgereihten Maté-Bechern Herkunft beider? ). Das Abgebildete wird
aus seinem Bedeutungszusammenhang herausgeschnitten, linear angeordnet
und in einen neuen Kontext gesetzt, woraus sich wiederum ein neues
Bildwerk ergibt, das sich zueinander in Spannung setzt.
Wollte man noch weiter gehen, könnte man auch hineinlesen, die Bilder
stünden für Grundbedürfnisse des Menschen, wie Wohnen,
Kommunikation und Nahrungsaufnahme oder die Begriffe Tradition (ein
Altstadtbild), Transformation (der Fernsehturm als Symbol der Moderne,
für Medien und Elektrifizierung) und Sinnlichkeit (die kunstvoll
gestalteten Matébecher, die mit ihrem Inhalt für das leibliche Wohl
sorgen). Ich denke, es wird vor allem deutlich, dass die Art der
Abbildung auch die Offenheit ihrer Interpretation bedingt. Dem
Betrachter wird keine klare Deutung vorgegeben, was ein hohes
kreatives Potential in der Interaktion mit dem Bild birgt. Ähnlich
verhält es sich mit der Musik auf "Otra Sanata".
Auf mehreren Ebenen und in unterschiedlicher Dimensionierung ist die
Fragmentierung der Klangelemente auffällig. Man findet z. B. die
Reduktion kleiner musikalischer Zeitabläufe zu bloßen Partikeln
durch Verlangsamung des aufgenommen Materials. Hier werden durch die
Technik der Granularsynthese die Mikropartikel der Klänge wie durch
ein „Vergrösserungsglas“ hörbar. Dies wird dadurch möglich,
dass nur wenige millisekundenlange Abschnitte immer und immer wieder
hintereinander abgespielt werden und sich der Klang durch diese
digitale Bearbeitung von der momenthaften in eine irreale
Zeitdimension auffächert – zu
einem fern wirkenden Endlos-Effekt. Oft werden auch Feedbackdelays
eingesetzt, bei denen die asynchron multiplizierten, großteiligeren
Musikteile sich nicht nur vervielfachen sondern auch mehr und mehr überlagern.
Der ursprüngliche chronologische Ablauf (der Musik als Zeitform)
verliert seine Linearität und das Klangbild erweitert sich in die Fläche
und in den Raum. Auf andere Art und Weise wird auch hier entschleunigt:
die Bewegtheit einer Phrase tritt in den Hintergrund und erschafft
sich den eigenen Rahmen, ein nur scheinbar bewegungsarmes Klanggemälde.
Bisweilen ist das gegenwärtig Musizierte nicht mehr klar von den
Klangvielfachen unterscheidbar, in diesen Momenten verliert die
Jetztzeit in den aufgetürmten Klangräumen Ihre Wichtigkeit.
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Gregor Hilbe
Bemerkenswert ist der Umstand, dass hier zum Element der Musik als
Klangmedium auch das Momentum "Produktionstechnik"
hinzutritt, welche einen so deutlichen Einfluss auf die Klangwirkung
hat, dass sie mehr als nur Mittel zum Zweck ist: sie wird von Tango
Crash zur Kunstform erhoben. Die Technik emanzipiert sich vom
Klang und erzählt ihre eigenen Geschichten, durch Störgeräusche,
Rauschen, Nebeneffekte, die den Klang "anschmutzen" und ihm
so in seiner tradierten Position als alleinigem Bedeutungsträger ganz
schön an den Karren fahren. Beeindruckend dabei der Fakt, dass selbst
für geschulte Ohren kaum mehr herauszuhören ist, an welchen Stellen
ein Akustik-Instrument direkt eingespielt, gesampelt, multipliziert,
technisch erzeugt, geloopt oder sonstwie behandelt wird – so
dominiert der Eindruck, die einzelnen Klangelemente (Instrumente und
Programming) spielten miteinander. Daraus ergibt sich im
Live-Zusammenspiel wie auf der CD im Verhältnis zu anderen
elektronischen Musiken eine erstaunliche Bewegungsfreiheit innerhalb
des festgesteckten Rahmens der Kompositionen. Der Eindruck eines
agogischen Miteinanderspielens herrscht vor, die Starrheit eines
programmierten Korsetts aus Loops, Drums und synthetischen Basses wird
gekonnt umspielt und überwunden.
Live inszenierte sich Tango Crash im Maschinenhaus der Kulturbrauerei
in Berlin auch eher als Jazzformation oder als Quartett zeitgenössischer
Musiker. In einem Halbrund statisch hinter ihren Instrumenten
aufgereiht, konzentrierten sich Marcelo Nisinman am Bandonéon, Gregor
Hilbe am Schlagzeug und der Percussion, Almada am E-Piano und
Iannaccone am Cello auf das präzise Zusammenspiel. Zusätzlich
bedienten Almada und Hilbe noch ihre Laptops und Iannaccone mit
nonchalanter Geste das Mikro für Gesangspassagen, die in ihrer
augenzwinkernd-hingerotzten Art ganz Tango-unüblich starke
Assoziationen zu Adriano Celentano oder Caetano Veloso hervorriefen
(ob's am italienischen Namen liegt? Man weiß es nicht...). Im
Programm dominierten aus konzeptionellen Gründen die Titel des
aktuellen Albums, lediglich "Desde Lejos" und "Pararrango"
vom Vorgänger-Album waren zu hören. Dennoch: der Saal tobte, da
waren keine Publikums-Animationsgesten seitens der Musiker notwendig,
die virtuos vorgetragene Musik reichte, um die Zuhörer in einen
kindlich-staunenden Klangrausch zu versetzen.
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Zurück zum aktuellen Album: Sehr viel stärker als die introvertiert
fließende Vorgänger-CD aus dem Jahr 2003 ("Tango Crash")
setzt es auf spannungsvolle Brüche und Soundcollagen im Geiste der
Jazzimprovisation und zeitgemäßer Sounds und Rhythmen. War das Stück
"La Yumba (Remix)" noch deutlich dancefloor-geeignet (sogar
für Tangotänzer), nehmen Almada und Iannaccone auf "Otra Sanata"
eine anatomische Vivisektion des Tango vor: eine Art Operation am
offenen Herzen. Keine Angst, der Patient überlebt, befreit vom
Ballast der Tradition und mit geputzten Arterien, durch die kräftig
und kalkfrei das Blut pulsiert. Sie legen das Herz des Tango bloß und
filettieren es punktgenau in saubere Scheibchen, um es anschließend
mit Edelstahlschrauben neu zusammen zu setzen. Manch einem mag dies
brutal erscheinen, andere halten es für ausgesprochen innovativ.
Kleine Kunstwerke, Streichholzminiaturen der Künstlerin Celina Negri
von Tangomusikern, ein symbolisch elektrifiziertes Bandoneon und
Touristen-Accessoires wie eine winzige Argentinische Flagge,
konserviert unter Glas und mit der Aufschrift "Recuerdo Buenos
Aires Argentina" versehen, runden grafisch das Booklet ab und
deuten zugleich auf ein weiteres wichtiges Thema der CD: die
musikalische Spannung aus Distanz und Nähe, die sowohl eine zeitliche
Komponente im Sinne historischer Parallelität beinhaltet, als auch
symbolisch für zwei Grundmerkmale des Tanzes gelesen werden kann. Das
dritte Stück des Albums "Ojos Negros", eine der wenigen
Klassikerbearbeitungen, zeigt dies am deutlichsten.
Eine getragene Cello-Melodie wird durch Halleffekte in Distanz zum Zuhörer
gebracht, wodurch der Eindruck erweckt wird, die entfernt klingende
Melodie dringe aus den Tiefen der Tango-Geschichte, vielleicht als bloße
Erinnerung, als Zitat eines anderen Zeitalters, ins Ohr. In einer Art
synchroner Multiplikation durch Aufnahme/Abspielen des einen
Instruments in Mehrspurtechnik, wird ein mehrgliedriger Klangkörper
erzeugt, diese Art der Multiplikation ist auch eine Überführung von
nur einem Instrumentalisten in ein virtuelles Ensemble. Der Klang
verschwimmt und wird plötzlich durch eine dynamische Sequenz einer plötzlich
sehr nahe wirkenden Cellomelodie überlagert – so als sei man aus
den Tiefen der Tangogeschichte im Jetzt und Hier aufgewacht. Nur um
wenige Sekunden später abermals in einem Strudel von Hall- und
Verfremdungseffekten und dissoziierten Einzeltönen aufgelöst zu
werden, die diese Nähe und Jetztzeitigkeit als Illusion entlarven. In
meinen Augen eine bemerkenswerte Variante zum ewigen Diskussions-Thema
"Was ist eigentlich der echte und einzig wahre Tango?", auch
wenn die Musiker mit diesem Stück sicherlich eine ganz andere Absicht
verbinden.

Booklet
"Otra Sanata", Design von Poli Almada/Alejandro Gutierrez
Eine
Auseinandersetzung mit der Geschichte stellt auch das Stück "Evitalos"
dar, der Titel enthüllt bereits die Absicht, denn im Wort "evitalos"
(vermeidbar) verbirgt sich unmissverständlich der Name Evita (Peron).
Der Titel setzt so gewissermaßen inhaltlich "DJ Peron" vom
ersten Album fort: "Es ist ein Stück über leere
Politikerversprechungen. Politiker, die Dinge sagen, die total
unglaubwürdig sind", sagt Martín Iannaccone über das Stück.
Ihre Art, politische Wahrheiten zu entlarven, besteht wie zu erwarten
jedoch weniger darin, diese auszuformulieren, als vielmehr darin,
Originalreden von Politikern zu zitieren, in einen anderen Kontext zu
stellen, zu sampeln, synchron abzuspielen, zu verfremden und so diese
sich selbst entlarven zu lassen. Was man aus dieser Soundcollage als
Zuhörer letztlich herausliest, bleibt der individuellen Kreativität
überlassen. Wie stark Tango Crash mit den Mitteln der Ironie
spielen, macht bei diesem Song der Zusatz bei der Besetzungsliste im
Booklet deutlich "Voices: Masters of the Sanata" (Sanata = Lüge,
Täuschung, Schwindel). Eine Portion Selbstironie mag darin
mitschwingen, das Album "Otra Sanata" (Noch so 'n Quatsch)
zu betiteln, was auf die zigste Publikation eines Elektrotango-Albums
hindeuten könnte, doch der Text des Titels Nr. 2 auf dem Album,
"Otra Sanata", weist in einen völlig anderen Kontext.
Stück 4, die "Milonga Parque Aguirre", funktioniert in sich
tatsächlich nach den Prinzipien der Milonga, doch wie zu erwarten,
sind die eingearbeiteten Verfremdungen der Umsetzung als Tanz eher
hinderlich. Hier wird ebenfalls mit den vorgenannten Halleffekten und
synchronen Doppelungen gearbeitet, zusätzlich aber dem Bandonéon
eine besondere Stellung eingeräumt durch die Überbetonung des
Auftaktes, die als Spieltechnik zwar von Piazzolla bekannt ist, aber
durch eine groteske Überbetonung ins Asynchrone kippt und geloopt
ihren Inhalt in Frage stellt. So bedient sich das Instrumentalstück
ganz wortlos eines ironischen Umgangs mit bestimmten Ritualen oder
auch Techniken des Tango. Es schließt sich das entspannt-coole Drum'n
Bass-Stück "Muneca Fallada" an, in dem verträumte
Gesangspassagen von Martín Iannaccone sich mit sparsam
eingesprengselten Bandonéon- und Klavierpassagen abwechseln, die sich
weich an den durchgängigen Beat lehnen. Eins meiner Lieblingsstücke.
Anstrengend wird's wieder mit "Desintegrados", die CD ist ja
schließlich nicht dazu da, den Zuhörer zu entspannen. Ein
jazzig-quietschendes Saxophon über desorientierenden
Melodie-Schleifen des Bandonéons in Verbindung mit konstanten
elektronischen Störgeräuschen und scheinbar wahllos eingestreuten,
dissoziierten Textpassagen werden dem Titel des Songs gerecht, hört
man länger hin, hat man selbst das Gefühl, von schleichender
Schizophrenie befallen zu werden.
Hervorzuheben sei noch "La Ultima Curva" (sinnbildlich etwa
übersetzbar mit 'die letzte Kurve', im Sinne der deutschen
Redewendung 'die Kurve kratzen'), eine augenzwinkernde Variation auf
den Klassiker "La Ultima Curda" (der letzte Rausch) von
Daniel, der die Harmonien des Tangos beibehält, aber mit dem Klavier
darüber improvisiert. "Für diesen Titel haben wir eine
Unterhaltung verwendet, die in meiner Wohnung aufgenommen wurde. Der
Typ, mit dem ich mich unterhalten habe, hat nicht mitbekommen, dass
wir ihn aufgenommen haben und er hat über alles mögliche von Borghes
bis Maradona gesprochen. Man müsste sich ganz schön anstrengen, um
herauszufinden, wer gerade spricht", erzählt Martin Iannaccone
zur Entstehungsgeschichte.
.jpg)
Almada,
Iannaccone
Stück 12, "Milonga para Alberto", ist ein lebhaftes Remix
des Drummers Gregor Hilbe. Er hat das bereits auf der Vorgänger-CD
enthaltene Stück mit Sprechgesangs-Passagen des argentinischen Sängers
Lopecito noch einmal entschlackt und mit einem zügigen Drum'n
Bass-Rhythmus unterlegt, der der gebrochen vorgetragenen Bandonéon-Melodie
tempomäßig vorauszueilen scheint. Das Bandonéon keucht mit rissigem
Balg hinterher, man meint beinahe auf der Aufnahme die rostigen
Ventile eines altersschwachen Instruments klappern zu hören. Die
klassische Melodie wird solange vom modernen Rhythmus gepeitscht, bis
sie kollabiert und der Titel wie auch das Album mit altersschwachen,
nahezu höhnisch vorgetragenen Worten enden, von denen lediglich das
zweimal überbetonte Wort "Tango" zu verstehen ist. Ein
Abgesang auf den Tango?
Uneingeschränkt empfehlen kann ich "Otra Sanata" von Tango
Crash allen Menschen, die den Artikel bis zum bitteren Ende
gelesen und allen unseren Gedankengängen folgen wollten, sowie allen,
die die eingangs genannten Kriterien erfüllen (Jazzfans,
Elektronikfreaks, LiebhaberInnen zeitgenössischer Musik). Allen übrigen
kann ich nur den Rat geben: hört im Geschäft mal rein, eh ihr's
kauft, das Album bietet musikalische Überraschungen, die sich aus
meiner Sicht lohnen, auf die der eine oder die andere aber möglicherweise
lieber verzichten würde.
www.tangocrash.com
Übersetzungen der Songs unter: www.tangocrash.com/translations
Zum Interview mit Tango Crash: Mehr...
Zum Artikel über Elektrotango aus der Juli-Ausgabe von
tangokultur.info: Mehr...
Ausgabe August 2005
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