tangokultur.info
das Online-Magazin für den deutschsprachigen Raum

Service:





























































































 

Buch-Rezension
__________________________________
 

Bildband
“Con El Tango En El Corazón / Mit dem Tango im Herzen“

(Nicolai Verlag, Berlin. ISBN 3-89479-189-6)

Text: Jörg Buntenbach

 „Tango? Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber ich habe es in meinem Herzen“, so ein Zitat von Alejandra Graham, auf das ich im Bildband „Mit dem Tango im Herzen“ gestoßen bin. Es ist ein sehr schön gestaltetes Buch, bei dem ich sogleich Lust bekam, darin zu blättern. Es entstand während der Arbeiten am Film „Con el Tango en el Corazón“, der voraussichtlich im Frühjahr 2005 in die deutschen Kinos kommen soll.  

Dem in Frankfurt lebenden Fotografen Christian Sauter ist es auf 168 Seiten gelungen, mich an seinen „Begegnungen in Buenos Aires“ (so der Untertitel) teilhaben zu lassen. In ausdrucksstarken und sehr eindringlichen Bildern nimmt er den Betrachter mit auf seine Entdeckungsreise. Und zwar abseits aller Klischees, die mit dem Tango verbunden sind. Es ist wohltuend, nicht wieder mit dem simplen Abfotografieren von irgendwelchen tanzenden Paaren konfrontiert zu sein. Christian Sauter zeigt das Leben in Buenos Aires in überzeugenden Momentaufnahmen: z. B. Straßenszenen vor einer Großschlachterei im Viertel Mataderos, Bilder am und im Stadion der berühmten Fußballmannschaft der „Boca Juniors“ oder die Totale einer Demonstration auf der „Avenida 9 de Julio“. 

Er zeigt Menschen im Alltag, wie den alten Frisör im Salon „La Moderna“, Fleischer vor ihrem Laden und Kinder beim Spielen auf dem Asphalt. Und natürlich Porträts von Tangokünstlern wie Daniel Melingo, den Musikern vom Sexteto Mayor, Omar Ocampo und anderen. Und so vermittelt Christian Sauter uns die Realität von Buenos Aires und die von dieser Metropole ausgehende Atmosphäre, die das Lebenselixier des Tango zu sein scheint. Mal in Farbe, mal in schwarz-weiß. Eben so, wie der Tango ist.

Doch dieser Bildband überzeugt nicht nur wegen seiner Fotografien. Auch die Texte von Jorge Luis Borges, Horacio Ferrer sowie zahlreiche Zitate tragen dazu bei, dass der Leser den Herzschlag des Tango förmlich spüren kann. Das Essay „Tango Argentino“ und die Künstlerporträts stammen aus der Feder von Kathleen Göpel. Informativ und unaufdringlich erzählt sie über Daniel Melingo, Omar Ocampo und Mónica Romero, die Gruppe „34 Puñaladas“, das Sexteto Mayor u. a. Auf jeden Fall lesenswert!

Noch ein Wort zum Satz und Layout: diese sind wunderbar auf Text und Fotos abgestimmt. Am Ende des Buches gibt es auf vier Seiten einen übersichtlichen Bildnachweis. Daran schließen sich die Tangotexte „Malena“, „Mi Buenos Aires Querido“, „Balada para un Loco“, „Credo de Amor en Tango“ und „Amablemente“ an, die Montse Gonzáles ins Deutsche übersetzt hat. 

Und: der Erstausgabe 'klebt' (im wahrsten Sinne des Wortes) eine CD mit Aufnahmen der porträtierten Musiker bei, wobei ich diesen Tonträger weniger überzeugend finde. Ich stelle mir die Frage, ob der Verlag nicht darauf vertraut hat, dass sich das Buch auch ohne CD verkaufen lässt. Der Text „Buenos Aires el Alma del Tango“ von Horacio Ferrer wird auf spanisch wiedergegeben. Auf deutsch ist der Inhalt auf Seite 9 des Buches nachzulesen, was man jedoch wissen muss. 

Das Stück „Paris Otoñal“ vom Sexteto Mayor ist zwar ein schöner Tango, aber bereits auf anderen Tonträgern verewigt. Die 34Puñaladas („34 Messerstiche“) mit ihrem „Cuando me entres a fallar“ machen ihrem Namen keine Ehre und nicht unbedingt Lust darauf, nach mehr Musik von ihnen zu verlangen. Zu glatt, zu brav – aber vielleicht muss man den Text auch simultan verstehen, um eine gewisse Begeisterung zuzulassen. Daniel Melingo hat den Tango „Amablemente“ („Liebenswürdig“) gecovert (ursprünglich wurde das Stück von Edmundo Rivero gesungen). Hier ist allein der bösartige Text interessant: Mann erwischt Frau mit Liebhaber und tut verständig und liebenswürdig, um am Ende 34 mal auf sie einzustechen. Hier haben sich die Jungs von 34Puñaladas also inspirieren lassen – oder aber Tango und Messerstiche gehören zusammen wie Gardel und Zigarette. 

Das letzte Stück der CD heißt „Un Paso más Allá“. Ein Beitrag von Carlos Libedinsky, der in meinen Augen auch schon bessere Werke abgeliefert hat. Bevor ich jedoch weiter mein Messer wetze, krame ich in meinem Innern nach meiner Liebenswürdigkeit und mutmaße, dass die CD eventuell ja auch etwas für Tango-Einsteiger sein könnte. Dann wäre diese Beigabe okay (mehr aber nicht).

Aber zurück zum Wesentlichen: das Buch „Mit dem Tango im Herzen“ transportiert stimmungsvoll die zahlreichen Facetten und die Philosophie des Tangos. Dieser Bildband ist empfehlenswert für alle, die diesem Lebensgefühl verfallen sind – und noch verfallen werden.

Das Buch ist erschienen im Berliner Nicolai Verlag und kostet 24,90 Euro. Es hat 168 Seiten mit 109 Abbildungen (davon 41 farbig, 68 im Duotone). Format: 22,5 x 22,5 cm. Im Internet gibt es folgende informative Hinweise:

 

Das Buch "Mit dem Tango im
Herzen"
(siehe Cover links) kann man bei unserem Partner Amazon bestellen:

jetzt bestellen

Weitere Informationen im Netz:

 

Diese Rezension erschien in gekürzter Fassung zeitgleich in Tangodanza Nr. 2/2005.

 


Inhalt:








































































































Online-Magazin tangokultur.info: © 2005 - Alle Rechte vorbehalten!
eMail:
willkommen@tangokultur.info