CD-Rezension
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CD-Rezension
„Felino“
von
Electrocutango
Label:
Rapid Productions
Bestell-Nr. RP001/04
Veröffentlichung: August 2004 |

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Text: Jörg Buntenbach
Electrotango ist schwer angesagt.
So scheint es zumindest. Gruppen wie Tango Crash, Narcotango,
Bajofondo Tango Club, Tango Fusion Club und nicht
zuletzt natürlich Gotan Project versorgen uns mit mal mehr,
mal weniger tangoähnlichen elektronischen Beats. In den aktuellen
Verkaufscharts von Danza y Movimiento finden sich allein 6 Veröffentlichungen
dieser Gattung. Diese Musik scheint also anzukommen beim Publikum,
auch wenn die Electrotango-Milongas in der Regel schlechter besucht
sind, als die konventionellen Salóns. Zudem versuchen einige Musiker
auf den fahrenden Zug aufzuspringen und üben sich in
Computerprogrammen, mit denen elektronische Klänge auf die Festplatte
gezaubert werden können. Und dabei hoffen alle auf den
Verkaufserfolg, den Gotan Project mit ihrer CD "La
Revancha del Tango" hatte.
Und da stellt sich natürlich die
Frage, ob sich die vorliegende CD "Felino" von
Electrocutango von den anderen Neuerscheinungen abheben und ähnliche
Erfolge erzielen kann.
Im November 2003 stellten die Sängerin Julia Zenko
(Foto links) und der Pianist und Soundtüftler Sverre Indris
Joner aus Oslo ihr Material der Londoner Clubszene vor.
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Foto: Pressematerial
Electrocutango
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Daraus entstand Electrocutango, mit einer nicht ganz
klassischen Instrumentierung: neben Klavier, Bandoneón,
Geige, Kontrabass, Percussion, Keyboard spielt eben auch der
Mac-Computer eine entscheidende Rolle. Und das mit einer
absolut stimmigen Akzentuierung.
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Auf "Felino" sind 14
Titel enthalten, die alle für sich stehen und bis auf drei Ausnahmen
keine Langeweile aufkommen lassen. Lediglich die Stücke
"12" Tango", "Misterienzo" und "Astorlokefu"
wirken etwas nervig. Herausheben möchte ich auf der anderen Seite das
Titelstück "Felino", das etwas an Astor Piazzolla erinnert
und in ruhiger Manier auf die CD einstimmt. Kontrabass, Bandoneón und
Elektronikklänge bauen gekonnt eine geschickte Dramaturgie auf. Hörenswert
ist auch die Nummer 4: "Electrocutango" wandelt namensgemäß
auf elektronischen Pfaden und animiert das Tanzbein. "El Llorón",
der Klassiker von Cadicamo und Radrizzani, wurde hier in
luftig-jazziger Manier arrangiert und ebenso locker kommt es rüber.
Auch dieser Tango ist absolut milongatauglich!
An dieser Stelle sei erwähnt, dass Sverre Indris Joner (Foto unten)
bis auf drei Stücke alle Titel komponiert und arrangiert hat. Und
zwar gekonnt! Sicher hat Sverre Indris Joner dabei von seiner Arbeit
als Frontmann beim norwegischen Tangoquartett Tango for 3
profitiert.

Foto: Pressematerial
Electrocutango
Doch zurück zur CD: "Sin
Piel" heißt die Nummer 10. Hier überrascht uns die Stimme von
Julia Zenko. Ihre Interpretation dieser modernen Version des Tangos
vom Komponisten Blasquez überzeugt und treibt ebenfalls auf die
Tanzfläche. Mein Lieblingsstück auf "Felino" ist jedoch
eindeutig "Retrolonga", eine Electro-Milonga die passend zum
sommerlichen Wetter gute Stimmung verbreitet.
Mit "Mi Viejo Dolor"
klingt die CD aus. Ein ruhiges Stück, bei dem mich die Vorstellung
treibt, morgens um 5 Uhr bei einem letzten Glas Rotwein in den
Kolonnaden vor der Alten Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel
den Sonnenaufgang zu genießen, während das Wasser der Spree mit den
ersten Sonnenstrahlen spielt...
Fazit: Electrocutango hat mit
"Felino" eine CD eingespielt, die absolut empfehlenswert
ist. Das zeigt nicht zuletzt ein Platz 1 in den Verkaufs-Charts von
Danza y Movimiento. Im Gegensatz zu vielen anderen Musikern, die den
Electrotango für sich gefunden haben, bei denen man Mühe hat, überhaupt
noch einen Tangotakt herauszuhören, überzeugen Electrocutango mit
eigenem Sound und Stil. In meinen Augen tragen die Musiker
entscheidend zur Weiterentwicklung dieser Musik bei. Ich freue mich
schon jetzt auf weitere Produktionen aus Oslo!
Tourdaten:
Im Juli treten Electrocutango beim Festival d'EtÈ in Paris auf. Link...
weitere Informationen stehen auf der
Homepage von Electrocutango: Link...
Zum Electrotango-Artikel von Hans-Peter Salzer:
Mehr...
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Ausgabe Juli 2005
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