Tango
auf der Insel
Im Sommer tanzt München unter freiem Himmel
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Text und Fotos: Fabian Kasten
Auch
wenn der Sommer sich in diesem Jahr von seiner wechselhaften Seite
zeigt und sich die heißen Tage mit aprilartigen Wetterlagen
verbinden, genießen viele Tangueros die warme Jahreszeit, um endlich
im Freien zu tanzen. So zieht es montags im Juli und August viele Münchner
Tangotänzer auf die Praterinsel. Ein Tango zu zweit unterm
Sternenhimmel ist immer wieder aufs Neue ein besonderes Erlebnis, vor
allem, wenn dazu noch Live-Musik geboten wird und die Kulisse stimmt.
München bietet durch den traditionell starken kulturellen Einfluss
der Italiener und Griechen sowieso ein große Zahl unterschiedlicher
Open-Air-Locations, von einfachen Straßencafés über Freiluft-Kinos
bis zur P1 Edeldisko-Sommerterrasse hinter dem Haus der Kunst. So
liegt es nahe, dass auch die Aficionados an der Isar an warmen Abenden
die Gelegenheit zum sommerlichen Mondschein-Tango so oft wie möglich
nutzen. Montags auf der Praterinsel beispielsweise, einer kleinen
idyllischen Kulturhochburg inmitten der Isar. Im romantischen Innenhof
einer ehemaligen Manufaktur befindet sich unter drei großen Kastanien
eine ca. 140 qm große Tanzfläche, die in rotgelbes Licht getaucht
zum gemütlichen Tangoschwof einlädt.

Um 19.00 Uhr ist Einlass, ab 19.30 beginnt Tangolehrer und Organisator
Jürgen Krebes mit einer Tanzeinführung für Anfänger. Ab ca. 21.00
Uhr spielen jedes Jahr im Sommer ausgewählte Tango-Orchester aus
Europa und Argentinien zum Tanz auf. Die Idee, ein
Open-Air-Tango-Event auch in München zu etablieren, hatte Jürgen
Krebes vor ca. zwölf Jahren. Angeregt durch die Tangotänzer am
Pariser Seine-Ufer machte er sich zu Hause entlang der Isar auf die
Suche nach einem vergleichbaren Ort und wurde fündig: mitten im
Stadtzentrum entdeckte er die verträumte Insel an der Isar, unweit
der Maximilianstrasse. „Ich
wollte auch in München einen Ort zum Tanzen am Wasser finden“
erinnert sich Jürgen Krebes. 1994 haben wie hier zunächst ohne
Live-Musik angefangen, dann ging es weiter mit Duos aus der Stadt. Später
kamen Duos aus der Umgebung dazu und schliesslich haben wir grössere
Gruppen eingeladen. So ist die Veranstaltung von Jahr zu Jahr ein Stück
gewachsen“.Mittlerweile haben die Tango-Montage auf der
Praterinsel Tradition.
Dieses Jahr organisiert Jürgen mit seiner Partnerin Johanna Schneider
die Live-Musikveranstaltung zum zwölften Mal, ein Event, das für Tänzer
und Nichttänzer gleichermaßen attraktiv ist. Wer gute Musik genießen
will, kann draußen unter Kastanien gemütlich sitzen und den
exzellenten Tango-Musikern bei einem Glas Rotwein zuhören. Wer gern
und viel tanzt, hat die Wahl zwischen drei Tanzflächen. Entweder
unter freiem Himmel, auf der Terrasse oder drinnen im Saal. Die
Musiker spielen bei gutem Wetter unter der überdachten Terrasse, nur
bei Dauerregen werden Tanz und Live-Musik in den Saal verlagert, das
ändert nichts an der guten Stimmung. An sieben Montagen wird hier
geschwoft, vom elften Juli bis zum zweiundzwanzigsten August. Namhafte
Gruppen sind jedes Jahr zu hören.

Am
diesjährigen Eröffnungsabend spielte das Cuarteto El Jaguar,
mit dem argentinischen Bandonéonisten Raùl Salani und der Pianistin
Iris Lichtinger aus Augsburg. Die von Salini wunderbar dynamisch
arrangierten Tangos waren durchweg tanzbar. Im Repertoire hatte das
Quartett bekannte Titel wie "La Bordona",
"Danzarin" und "Tanguera", aber auch weniger
bekannte Stücke wie "Corra Cera" und "Payadora".
Klar, dass das begeisterte Publikum die vier Musiker erst nach
mehreren Zugaben entließ, so legte das Quartett noch einmal nach,
unter anderem mit dem Klassiker "La Cumparsita" und einer
einfühlsam gekonnt präsentierten Version des Piazzolla-Meisterwerks
"Libertango". Das Cuarteto El Jaguar war im Juli in Süddeutschland
auf Tournee und war u. a. auch in Stuttgart und Ulm zu hören.
Ebenfalls einfühlsam gekonnt aber stilistisch ganz anders: Das Duo Brise
Parisienne. Die Tangos und Chansons von Regina Mück und Werner
Sinne haben eher einen französischen Akzent, viele Tangos animieren
zum Mittanzen, andere konzertante Musette- und Chanson-Stücke laden
eher zum besinnlich-romantischen Zuhören ein. Das gekonnte
Zusammenspiel von Regina Mücks Bandonéon und Akkordeon auf der einen
Seite sowie Werner Sinners akustischer Gitarrenbegleitung kam beim
Publikum gut an. Regina Mück begleitete einige der Stücke mit ihrem
Gesang und steigerte damit die einfühlsame Intensität der präsentierten
Titel. Die Arrangements mit argentinischem, französischem und
jiddischem Touch zeigten, dass Tango nicht nur als argentinisches,
sondern auch als kosmopolitisches Klangerlebnis seinen Reiz hat, vor
allem im Jahre 2005. Die Vielfalt der Interpretationen machte den
Tango für Tänzer wie Zuhörer spannend, das ist auch der Grund,
weshalb im Laufe der Tango-Montage weitere, stilistisch
unterschiedliche Formationen wie das Cuarteto Silencio aus
Basel, die Gruppe Tango Real aus Berlin sowie das Sexteto
Andorinha spielen werden. Besonderes Highlight: der Auftritt des
Bandonéon-Virtuosen Alfredo Marcucci mit seinem Trio am
08. August.
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Wer sich so gleich zu Wochenbeginn mit den Tango-Montagen auf der Münchner
Praterinsel zum Tanzen unter freiem Himmel verlocken ließ,
der findet im Diana-Tempel des Münchner Hofgartens, der nahe
dem Odeonsplatz gelegen ist, freitags von 21.00-0.00 Uhr eine
Open-Air-Alternative, um das Wochenende einzuläuten. |
Das mit römisch anmutenden Fußboden-Mosaiken und wasserspeienden
Schwanenhälsen verzierte, oktagonale Schäfertempelchen
inmitten des nächtlich stillen und – wie in München üblich –
gut gepflegten Hofgartens, lädt zum lauschigen Tango-Tete-a-tete.
Gelegentlich bilden sich auch schon bei Sonnenuntergang
Picknickgesellschaften, die sich am späteren Abend dann auf die
Tanzfläche begeben. Nicht ganz legal, aber von den gestrengen
Ordnungshütern zumindest geduldet, seit der damals amtierende
Finanzminister Theo Waigel vor einigen Jahren dort vorbeiflanierte und
die Tangueros bewunderte. Unterschiedliche DJs sorgen seit einigen
Jahren für die Musik, die zugegebenermaßen manchmal an Vielfalt
gewinnen könnte. Um so schöner ist aber das Ambiente mit einem
unvergleichlichen Blick auf die beleuchtete Theatinerkirche.
Milongas unter freiem Himmel sind besonders in den späteren Stunden
spannend, wenn die Stimmung relaxter wird und das Tanzen an
Gelassenheit gewinnt. Meist sind dann schon die ersten nach Hause
gegangen, und die, die sich besser kennen, bleiben bis zum Schluss.
Dann wird ein Tango manchmal zum meditativen Erlebnis, weil die Musik
plötzlich intensiver klingt als sonst. In seltenen Glücksmomenten,
wenn alles zusammenpasst, wird dann ein Tanz mit der
Lieblingspartnerin zum magischen Erlebnis, das beim Schlussakkord
eines dreiminütigen Tangos in ein symbiotisches Finale mündet. Dann
scheinen beide Tanzpartner die Stärke und die Melancholie des Tango
von Kopf bis Fuß zu spüren. So kann Tango auf der Insel der eigenen
Sehnsüchte manchmal sein. Gelassen, intensiv und kosmisch zugleich.
Hörproben des Cuarteto El Jaguar unter: http://www.irislichtinger.com/Eljaguar.htm
Die Termine der Münchner Tango-Montage auf der Praterinsel im Überblick
bietet die Website www.tango-maldito.de
Einen Bericht über die Open-Air-Milongas in Berlin findet man unter: http://www.tangokultur.info/OpenAir_Tango.html
Ausgabe August 2005
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