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Mach gelbes Licht, 
wir wollen Tango tanzen...
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Text: Jochen Hille


Luftig, locker und trotzdem noch echter Argentinischer Tango. Genau diese Spannbreite wurde in der Tangoshow von Ezequil Farfaro und Lucia Mazer am 9. April im Berliner Ballhaus Rixdorf abgedeckt. Erst ein modernes Stück, dann ein klassischer Tango, dann noch etwas Klassisches und schließlich nach dem üppigen Applaus eine Zugabe zu etwas Modernem. Auch die Choreographien folgten diesem Rhythmus. Erst langsam, dann schnell, erst offen, dann eng und schließlich wieder offen. Ezequil Farfaro und Lucia Mazer tanzten verspielt. Das ist hübsch anzusehen. Und das gelb-goldene Licht auf ihrer hellen Kleidung verstärkte diesen leichten Eindruck zusätzlich.

Die Kleidung verdient noch eine besondere Bemerkung, denn offenbar hatte Ezequil Farfaro – so zerknittert wie sein beiger Anzug beim Auftritt aussah – weder Mutter, Tante noch ein gutes Reisebügeleisen auf seine Deutschland-Tournee mitgenommen. Falls der junge Mann (Jahrgang 1977) diese wichtigen Utensilien zur Erreichung eines ordentlichen Erscheinungsbildes nicht tatsächlich im Flugzeug vergessen hatte, war es ein gelungenes Stilmittel. Es unterstrich genau den Eindruck des luftigen, lockeren und verspielten Tanzstiles. Nicht die übliche Melodramatik des Tangos wurde zelebriert, sondern eine Leichtigkeit und ätherische Körperlichkeit.

Die Bildersprache von Ezequil Farfaro und Lucia Mazer bewegte sich zwischen der Unbeschwertheit von O2-Werbung, Neuer Mitte und Knäckebrot: Hauptsache leicht muss es sein und dazu natürlich fließen! Das Fließen konnte man in zahlreichen, in beiden Körpern fortgesetzten Spiralbewegungen beobachten. Und die vielen technisch schwierigen Elemente wurden spielerisch und mit Leichtigkeit vorgetragen. Besonders ins Auge stachen die zahlreichen Kicks 

zwischen die Beine des bzw. der Anderen.

Charakteristisch waren die passend zur Musik in luftiger Höhe kurz arretierten Beine. Diese erzeugten eine momenthafte, große, raumgreifende Pose, bevor diese sofort in einer erneut fließenden Bewegung aufgelöst wurde. Ein netter, milder und fröhlicher Umgang mit sich und dem Tanz war die Botschaft. Starre und harte Bewegungen gab es nicht, der Kampf der Geschlechter fiel aus und ein Patzer – wie er dem Paar während des Auftrittes in Form eines massiven Gleichgewichtsverlustes widerfuhr – war auch kein Grund, vor Scham im Tanzboden zu verschwinden. Das Publikum im vollen Ballhaus Rixdorf mochte diese Einstellung, wie an dem Applaus abzulesen war.


Als Tanzpaar haben sich die beiden erst vor kurzer Zeit gefunden. Sie starteten ihre Zusammenarbeit 2004 und machten ihre erste Europatournee, bei der sie u. a. die Schweiz, Italien, Frankreich und das Großherzogtum Luxemburg besuchten. Allerdings haben beide sich schon lange mit dem Tanz beschäftigt.

Lucia Mazer, geboren 1978, tanzt seit neun Jahren und hat vorher mit dem Tänzer Chicho Frumboli zusammen gearbeitet. Nachdem sie sich getrennt hatten, arbeitete sie als Tänzerin in Europa und Buenos Aires. Neben Tango hat sie sich auch mit anderen Tanzformen und Tai Chi / Chi Kung beschäftigt.
Ezequiel Farfaro lebt zwar in Buenos Aires, befasst sich aber ebenfalls mit vielerlei Chinesischem wie Kinesiologie und Chi Kung, unterrichtete Tango in Japan, absolvierte eine Theaterausbildung und tanzt Modern Dance. Er arbeitete zuvor mit Milena Plebs, der Grande Dame des klassischen Tango.


Wie schon am Abend im Ballhaus Rixdorf, begleitete helles, gelbes Licht auch die Workshops in den sonnendurchfluteten Räumen des Estudio Sudamerica in Berlin am 9. und 10. April. Die beiden boten insgesamt drei nach „Tanzerfahrung in Jahren“ gestaffelte Workshops an, mit jeweils etwa zehn bis zwölf Teilnehmern. Inhaltlich ging es im Basiskurs um Stabilität, im Mittelstufen-Workshop um Drehungen und in der Premiumklasse um dynamische Richtungswechsel und Achsenspiele.

Die Idee, aus einfachen Elementen viel zu machen, ist nicht gerade neu. Schließlich gehört es zu den Doppelbödigkeiten des Tango, dass lauthals die Einfachheit, Improvisation und der Spaß an der Sache gepredigt wird, de Facto dann aber meistens doch recht komplizierte, durchchoreographierte Gebilde einstudiert werden. In den Worten führender Indianerhäuptlinge sprechen Tangolehrer halt mit gespaltener Zunge.


Foto: Jochen Hille

Bei Ezequil Farfaro und Lucia Mazer war das anders. Wir übten ein wirklich einfaches Element – eine popelige Schrittdrehung, die eigentlich nicht der Rede wert war. Daraus wurde dann etwas wirklich Interessantes gemacht, und das einfach nur dadurch, dass Führender und Geführte dieselbe Bewegung unterschiedlich groß machten. Das sind hübsche Kleinigkeiten, die die Distanz zum Partner und Dynamik des Tanzes entscheidend verändern und ohne großes Brimborium ein Spiel zwischen den Partnern erlauben.

Ezequil Farfaro und Lucia Mazer kommen insgesamt ohne den sonst üblichen großartigen Pathos, die Schwere und Melodramatik des Tango aus. Ein ewiges Thema des Tango – die Rückkehr zu einem Ort der Vergangenheit – bleibt jedoch auch für die beiden in profanerer Art von Relevanz, denn, so die Organisatorin Katharina, es ist bereits die Rückkehr nach Deutschland für einen neuen Workshop Ende des Jahres geplant.




Weitere Infos zum geplanten Workshop gibt es bei Katharina: katatango@yahoo.de

Alle Fotos von Ezequiel Farfaro und Lucia Mazer: Tono Pafundi
Die Fotos wurden uns dankenswerter Weise von
Ezequil Farfaro und Lucia Mazer zur Verfügung gestellt.

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