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New York und die Gates
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Text: Elke Koepping

Fotos: Ingrid Kasper

 

Die Bilder von Christos orange leuchtender, im Wind flatternder und millionenfach begaffter Gates-Installation im New Yorker Central Park gingen wochenlang um die Welt. Kaum ein Mensch konnte sich der Faszination dieser gewaltigen, sinnfreien Kunstaktion entziehen und auch ich ärgerte mich in Grund und Boden, dass ich erst zwei Wochen nach Ende der „Gates“-Installation einen Reisegrund in die Stadt der Städte hatte.

 

Was ist da schon unser popeliger, graumäusig gigantomanisch und langweilig verpackter deutscher Bundes-Reichs-/tag gegen eine solch bunte Winteraktion? Ehrlich – mit dem „Wrapped Reichstag“ konnte man mich jagen. Puh und dann die ganzen Touristen in Berlin – alle auf einem Haufen, nichts wie weg. Ganz anders die "Gates" – der Central Park ist groß, die Menschenmenge verteilt sich allerliebst um Teiche und Bootshäuschen herum und allerorten wurde berichtet, daß man dort mit wildfremden Menschen gar wunderbar ins Gespräch gekommen sei, wie auch überhaupt die ganze Aktion ganz viel menschliche Wärme in die große Stadt gebracht hätte. Bei den Temperaturen im Winter sicher auch bitter notwendig...

 

Was jedoch kaum ein Mensch weiß und was bisher noch nirgends dokumentiert ist (tangokultur.info immer am Puls der Zeit!): es gab eine Milonga unter den Gates!!! Ganz und gar illegal! Schwarzschriftig bzw. buntbildrig auf lichtgrauem Hintergrund haben wir hier sozusagen den Beweis, dokumentiert von der in New York lebenden, deutschstämmigen Filmemacherin Ingrid Kasper, die an beschriebenem subersiven Vergnügen höchstselbst die Ehre hatte teilzunehmen.

 

Ein paar warme Worte zum Hintergrund der Veranstaltung und ihrer Initiatorin Lucille Krasne, hier ganz farb- und lebensecht von Ingrid im Bild eingefangen (dazu sage ich nur: 70 Jahre und kein bißchen weise...):

 

 

„Aufschlagen und Wegrennen“ so in etwa ließe sich die Essenz des von Lucille Krasne entwickelten „Hit And Run Tango“ zusammenfassen. Wo verrückte Ideen im Zusammenhang mit dem Tango erkennbar werden, ist sie in der Regel nicht weit, sie hat die Phantasie und Kreativität scheinbar absurdeste Ideen in die Tat umzusetzen. So zeichnete sie u. a. auch verantwortlich für die Entstehung des New Yorker Tango Festivals, das sich nunmehr unter organisatorischer Leitung von Gayatri Martin recht gut etabliert zu haben scheint. Ich zitiere mich kurz selbst zur Institution der „Hit And Run Milonga“:

 

...Lucille ist der kreative Kopf der Veranstaltung, beruflich sehr erfolgreich als Designerin von Schmuck und Wohnraumausstattungen und ebenso innovativ in ihrem Umgang mit dem Tango. Sie wird unter der Hand als ‚Tango-Impresaria von New York City’ gehandelt - so schnell, wie sie Ideen ausbrütet, kann kaum ein Mensch handeln. Sie liebt das Illegale, das Verrückte: ‚Tan-Guerilla’-Aktionen. Mit der ersten Open-Air Veranstaltung im Central Park 1996 trat sie eine Lawine los: mittlerweile hat sich der Begriff Hit and Run Tango verselbständigt und wird landesweit ähnlich verwendet, häufig ohne daß bekannt ist, wie und wo er entstanden ist.

"Es gibt diesen Ausdruck für Unfälle mit Fahrerflucht 'hit and run driver'. Du machst was hoch illegales und dann verläßt du den Ort des Verbrechens. Also war damals meine Idee, wir schlagen im Central Park auf ..., dann kommt die Polizei und wir rennen ganz schnell weg. Im Central Park war es aber so fantastisch, wir sind aufgeschlagen und bis heute geblieben. Mittlerweile gibt es da wohl auch offizielle Genehmigungen, damit habe ich aber nichts zu tun! (lacht) ...

Übrigens ist an der Entstehung von Central Park Hit and Run Brigitta Winkler schuld (wie klein ist doch die Tango-Welt...): "Jeder hier hat sich in sie verliebt, als sie nach New York kam. Als ihr Aufenthalt zu Ende war, hatte ich diese Idee zu einer nächtlichen Abschiedsparty im Central Park, damals noch an der Bethesda Fountain, unterhalb der Straße. Jeder hat mich für verrückt erklärt, damals hat man noch gedacht, daß man mindestens umgebracht wird, wenn man sich nachts im Central Park aufhält. Es war eine magische, eine verrückte Nacht." ... (Elke Koepping, „Aufschlagen und Wegrennen“..., in: Tangodanza Nr. 4/2003, S. 14)

 

Im Jahr 2003 veröffentlichte ich in der Oktober-Ausgabe der Tangodanza (Nr. 4/2003) einen ausführlichen Bericht über die New Yorker Szene, der tanzwütige Reisende auch heute noch die heißesten Tips für die interessantesten Milongas entnehmen können. Ich kann dieses Heft jedem New-York-Reisenden nur ans Herz legen.

 

Aber Vorsicht: die Locations und Zeiten bitte auf den einschlägigen Websites oder in der monatlich erscheinenden New Yorker Tango-Zeitschrift Reportango nachprüfen, in der Zeit seit Erscheinen des Artikels haben alte Locations ihre Pforten geschlossen und neue aufgemacht!  

www.reportango.com

www.celebratetango.com  (Tangofestival)

www.newyorktango.com (Milongas)

 

Ausführlicher Bericht von Ingrid Kasper zur 
"Hit And Run Milonga unter den Gates" 
im Magazinteil von tangokultur.info! Mehr...


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