Noch eine Milonga in Berlin?
"La Milonga del Centro" im Salon Urquiza
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Text: Kerstin Tomiak
Fotos: Elke Koepping
Der Salon Urquiza in Berlin-Mitte, im Hinterhof eines Hauses in
der Anklamer Straße, ist Berliner Tangotänzern nun gewiss nicht
unbekannt. Wer nicht hier, bei Chiche und Ester gelernt hat, kennt den
Urquiza doch von ihren Milongas. Am Freitagabend ist der Urquiza
die Alternative zum mehr im Prenzlauer Berg-Schick angehauchten Haus
der Sinne, der Wartehallen- und sehr viel deutlicheren
Tanzschul-Atmosphäre des Walzerlinksgestrickt in Kreuzberg oder dem
einfach relativ weit draußen liegenden, neuen Löwenpalais.
Der Urquiza ist schick. Und das ist positiv gemeint. Schon der
Raum, mit seinen Backsteinwänden und roten Samtvorhängen, seiner
Ausstattung in dunklem Holz und seinen gerahmten Bildern an den Wänden,
hat Stil. Der Raum atmet gewissermaßen, und er atmet den Stil der
Salons von Buenos Aires. Manchmal kann man hier für kurze Zeit
vergessen, dass draußen doch Berlin liegt.
Chiche und Ester haben diesen Raum liebevollst und bis ins kleinste
Detail selbst renoviert, und diese Liebe und Freude an Details merkt
man ihm an. So weit, so schön also, aber trotzdem: Noch eine Milonga
in Berlin? Berlin hat über dreißig ziemlich regelmäßig
stattfindende Veranstaltungen, wer mag, kann jeden Abend zum Tango
gehen und wer mag und kann, kann jeden Abend mehrere Milongas
besuchen. So hart gesotten sind doch die wenigsten. Warum also noch
eine Milonga im Salon Urquiza?
„Wir haben immer gesagt, wir wollen noch eine zweite Milonga“,
sagt Chiche, „und der Dienstag bot sich als Tag an. Dienstag gibt es
ein (Veranstaltungs-)Loch.“
Tatsächlich blieb bisher – trotz des Beinahe-Überangebots an
Milongas – dem Tangotänzer am Dienstag nur die Möglichkeit, nach
Schöneberg oder Kreuzberg zu ziehen. Mitte war unerschlossene Zone
und so ist das Angebot des Urquiza zu begrüßen. Und es
scheint zunächst auch aufzugehen: die Eröffnung am Dienstag den 12.
April jedenfalls war durchaus gut besucht
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Das mag natürlich auch am besonderen Bonbon der Veranstaltung
liegen: dem Showtanz von Sebastián Missé und Andrea Reyero. Beide
bieten Salontanz in Reinkultur. Da fehlen – Gott sei Dank –
akrobatische Einlagen, die den Zuschauer nur frustrieren und mit Tango
auch nicht mehr viel zu tun haben, sondern eben Akrobatik sind. Da
wird improvisiert, aufeinander eingestimmt und es ist einfach eine
Freude, die beiden anzusehen. Das, im übrigen, entspricht dem
Unterrichtskonzept des Salons Urquiza: Salontanz und die
Vermittlung des Verständnisses der beiden aufeinander abgestimmten Tänzerrollen.
Großen Applaus gibt es zum Ende der Showeinlage, dann kann und wird
selbst weiter getanzt.
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Vielleicht nicht mit dem Können der gerade
gesehenen „Meister“, aber mit der gleichen Freude am Tanz und mit
der Höflichkeit dem Tanzpartner und den anderen Tanzpaaren gegenüber.
Denn auch das, sagt Chiche, ist Tango: das Eingehen auf den Anderen.
„Wir wollen“, meint er, „den Leuten zeigen, dass sie gut genug
sind. Jeder für sich ist gut genug. Und mit dieser Großzügigkeit
sollte man hier im Urquiza den Anderen gegenübertreten.“
Mit dieser Einstellung wird es – wie immer – ein schöner Abend im
Salon Urquiza und es bleibt zu hoffen, dass sich das neue
Angebot am Dienstag Abend durchsetzen wird.
„La
Milonga del Centro“ im Salon Urquiza, Anklamer Str. 32, 2. HH,
1. OG, Berlin-Mitte. Einlass ab 21 Uhr, Eintritt: 4 Euro.
Weitere Informationen zum Salon Urquiza unter: www.salonurquiza.com
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