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„Eigentlich bringen wir den Leuten bei, einander zu umarmen“

Workshop mit Ard und Lizelot im Mala Junta, Berlin
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Text: Kerstin Tomiak

  

Eines haben offenbar alle Workshops gemein: sie fangen verspätet an. Irgendjemand trudelt immer noch ein, irgendwer muss noch seinen Kaffee austrinken und so gehen die Minuten in – zugegeben – entspannter Atmosphäre dahin. Eines haben alle Holländer, die Deutsch sprechen, gemein: sie könnten einen wüst beschimpfen, es würde sich immer noch liebreizend anhören. Ard und Lizelot, den aus Holland stammenden Tangolehrern, liegt wenig so fern, wie irgendjemanden wüst zu beschimpfen. Und so hören sich ihre Erklärungen nicht nur liebreizend an, sondern sie haben auch Hand und Fuß.

 
(Foto: Nanja van Dam)

 

13 Paare haben sich im Mala Junta, der Tangoschule im obersten Stock eines Gewerbekomplexes in Berlin-Schöneberg eingefunden. „Tango Contemporaneo“ heißt die Lektion, die stattfindet. Insgesamt geben Ard und Lizelot an diesem Wochenende vier Workshops, die als Gesamtpaket oder als Einzellektion buchbar sind. Hauptanliegen ist dabei die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Tänzern, zwischen Mann und Frau. Anders als im normalen Tanzunterricht, bei dem meist der Hauptaspekt auf dem Erlernen neuer – oder dem Erinnern an alte – Figuren liegt, geht es bei Ard und Lizelot vor allem um dies: Wie improvisiere ich, wie verbinde ich einzelne Elemente und Schritte zu neuen Kombinationen und wie stelle ich mich am besten auf meinen Partner ein?

 

Die Antwort, die die beiden auf diese Fragen gefunden haben und als neuen Stil lehren, lautet: Die Umarmung ist rund. „Es geht“, sagt Lizelot, „um die Qualität der Umarmung“, und Ard fällt lächelnd ein: „Eigentlich bringen wir den Leuten bei, einander zu umarmen.“
Während im klassischen Tangostil die Tänzer flach aneinander liegen, begreifen die beiden die Umarmung als einen Kreis. Im Mittelpunkt ihres Konzepts steht damit die Umarmung – und im Mittelpunkt der Umarmung steht die Frau. „Wenn der Mann die Umarmung als rund, als ein ‚um die Frau herum’ begreift“, führt Ard aus, „dann wird die Führung sanfter, besser, man kann mehr spielen und mehr improvisieren, die Kommunikation zwischen beiden wird eine andere.“

Die Frau kann mehr mit ihrer eigenen Achse und ihrem Körpergewicht arbeiten, sie kann besser stehen und wird dadurch auch zum aktiveren Element bei der Gestaltung des Tanzes.
„Die Frau inspiriert den Mann“, sagt Lizelot. „Das Führen und Folgen bekommt eine neue Bedeutung.“ Führung wird durch die runde Umarmung zu einem Angebot des Mannes an die Frau. Es gibt kein „Ich zwinge dich in eine Figur, Tanzgerät“, mehr. Der Mann macht ein Angebot, die Frau kann es annehmen. Sie wird so zur Mit-Gestalterin des Tanzes. „Es sind ein Mann und eine Frau“, meint Ard, „aber es ist ein Tanzpaar.“ Lizelot nickt: „Für mich als Frau“, sagt sie, „macht es einen großen Unterschied, ob sich jemand von vorne, flach annähert, oder ob er mich in diesem Stil führt.“

 


 (Foto: Kerstin Tomiak)

 

Im Mala Junta beginnen unterdessen die ersten Gesichter zu strahlen. Nach Impulsübungen und ein, zwei Tänzen führen Ard und Lizelot weiter in das Konzept ein, gehen korrigierend durch den Raum, verbessern hier eine Haltung, dort einen Schritt. Dann tanzen sie selbst, zeigen erneut, wie das Konzept funktioniert. „Ich verstehe nicht“, fragt jemand in die große Runde, „wo der Impuls herkommt. Ich sehe nichts, wie du sie führst.“

„Du siehst nichts“, sagt Lizelot, „weil ich den Impuls von ihm sofort aufnehme.“ Erneut zeigt das Paar zwei, drei Tanzschritte. Der Erfolg ihres Konzepts ist sichtbar – man sieht ihn darin, dass man tatsächlich nichts sieht. Wieder finden sich die Tanzpaare zusammen. Man muss sich umgewöhnen, das schon, aber langsam funktioniert es. Und wieder huscht ein strahlendes Lächeln über die Gesichter eines Teilnehmerpaars. Lizelot lächelt, als sie es sieht. „Für uns“, sagt sie „war das auch eine Offenbarung. Wir sind fast umgefallen vor Begeisterung und Dankbarkeit, als wir entdeckt haben, wie die Umarmung so rund funktionieren kann. Das ist einige Jahre her.“

Inzwischen unterrichtet das Paar den neuen Stil in seinen Schulen in Krefeld, in Wuppertal und im niederländischen Arnhem und gibt Workshops in ganz Europa. Ard und Lizelot haben Fans, die ihnen von Workshop zu Workshop nachreisen. Das Konzept kommt an, auch das Mala Junta in Berlin-Schöneberg lässt den Stil der beiden mittlerweile bewusst in den eigenen Unterricht einfließen. Weitere Workshops mit Ard und Lizelot sollen hier außerdem folgen.

 
(Fotos: Nanja van Dam)

 

Inzwischen nähert sich die Lektion „Tango Contemporaneo“ dem Ende, als nächstes steht der Milonga-Kurs auf dem Programm. Während Ard und Lizelot zum Abschluss der Lektion doch noch eine Figur zeigen, trudeln die ersten Teilnehmer des nachfolgenden Kurses ein. Bedrohlich nähern sich die Zeiger der großen Uhr im Mala Junta dem festgesetzten Zeitpunkt der Milonga-Lektion. Ard und Lizelot lassen sich dadurch nicht stören. Und die Teilnehmer des Milonga-Kurses auch nicht; da wird noch ein Kaffee bestellt, Schuhe werden gebürstet. Tango-Workshops beginnen einfach immer später als geplant.

 
(Foto: Kerstin Tomiak)

 

Weitere Workshops mit Ard und Lizelot

30.April - 1.Mai bei Hamburg
Infos: tangoamDeich@aol.com

07. Mai in Rostock
Infos: info@loco-hh.de

05. Juni  in Dortmund
Infos bei Ulrike 0231 91 73 160

im Juni  in Arnhem
Sommerkurse Tango Argentino und Milonga
Infos:  info@flordefango.nl

01. August - 07. August  in Schnega – Proitzer Mühle
Tangoferienwoche
Infos: www.tango-molinero.de  
E-Mail: tango@proitzer-muehle.de

12. und 13.November  in Kiel
Infos: cordula-mond@gmx.de

 

Geplante Workshops: 

12., 19. und 26 Juli  in Wuppertal
Infos: info@cafeada.de

November/Dezember  in Münster
Infos: tangolounge@web.de

Januar 2006  in La Palma, Spanien
Ferien mit Workshops
Infos: Lizard@nltango.com

 

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