Das rote Kleid ist ein Fauxpas
 


María de Buenos Aires im Magdeburger Opernhaus

Text: Stefan Mathiebe
Fotos: Hans-Ludwig Böhme


Andrea Thelemann (Maria)

Jahre, nachdem die sich ausbreitende Tangowelle die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts erreichte, ist der Tango nun auch im offiziellen Spielplan des Theater Magdeburg präsent. Choreograf Gonzalo Galguera setzt mit der Inszenierung von Piazzollas "María de Buenos Aires" die 2005 begonnen Reihe lateinamerikanischer Stücke fort. Zur Freude der kleinen Tangogemeinde der Stadt und des Magdeburger Publikums fiel die Wahl auf das am 8. Mai 1968  in Buenos Aires uraufgeführte Stück. Die ausverkaufte Premiere am 7. Januar 2006 im Opernhaus der Stadt bezeugte großes Interesse an der Operita.

Mit dem Ballett des Magdeburger Opernhauses findet Gonzalo Galguera Bilder, die als Symbole für den Lebensweg der María und der mit ihr verbundenen Figuren stehen. Er integriert Elemente aus dem Argentinischen Tango und scheut nicht vor komplizierten Formationen und Hebefiguren mit akrobatischen Elementen zurück. Überwiegend aber setzt er auf die Mittel des klassischen Balletts, zum Leidwesen der Tangofreunde, zur Freude seiner Bewunderer aus dem Ballettfach. 

Die Bühne von Juan León ist ein großer, leerer Raum, der im Hintergrund durch ein hängendes Fenster abgeschlossen wird - Chiffre einer Bahnhofshalle. Vom ersten Moment an vermittelt diese Bühne Fremde und Einsamkeit, und so haben es womöglich die Einwanderer bei ihrer Ankunft in Buenos Aires empfunden. Im Laufe des Abends wird der Bühnenraum durch herabgelassene Installationen, Lampen und Leuchtreklamen den jeweiligen Bildern stimmungsvoll angepasst.

Die musikalische Leitung hat Rainer Roos, der am Premierenabend auch am Klavier saß. Mit den Musikern der Magdeburgischen Philharmonie, verstärkt durch die Bandoneonistin Bettina Hartl und den Gitarristen José Vitores, schenkt er dem Publikum ein temperamentvolles Klangerlebnis, facettenreich und doch aus einem Guss. Die Mezzosopranistin Andrea Thelemann singt und spielt die Rolle der María. Marías Seele spielt, tanzt und spricht - mit eindrucksvoller Schattenstimme - Celia Millan vom Magdeburger Ballett. Den El Duende singt Enrique Keil, der in dieser Rolle bereits in der Berliner Kammeroper zu sehen war.  Die Figur des Gorrión wird von dem in Berlin lebenden, argentinischen Tenor Alejandro Briglia verkörpert. Auch er hat diese Rolle schon einmal im August 2005 in einer Aufführung in Madrid gegeben. Andrea Thelemann, die für ihren Part Spanisch lernte und eine Reise nach Buenos Aires unternahm, überzeugt leider nicht durchweg. Ihrer mit großem Einsatz erbrachten Darstellung der María fehlt es an Grazilität und Verletzbarkeit; ihre im Jazz beheimatete Stimme trägt nicht immer.


Enrique Keil (El Duende) und Tänzerinnen

Die Kostüme von Pascale Arndtz harmonieren mit dem Bühnenbild und bestechen durch schlichte Schwarz-Weiß- Kontraste. Die Damen dürfen sich bisweilen farbiger geben. Ihr Auftritt im roten Kleid ist allerdings ein kompletter Ausrutscher. Mit dem Kleid wird das Klischee des Bordells so überdeutlich umgesetzt, dass keine der so gewandeten Damen mehr angehalten ist, durch Bewegung etwas zu zeigen - man trägt einfach nur, was man darstellen soll.

Dennoch: Galguera ist eine sehenswerte Produktion geglückt. An einigen Stellen scheinen Synchronizität und Exaktheit der Tänzer zwar verbesserungswürdig, doch die gesamte Leistung beeindruckt, und wer ohne Erwartungen an eine, im Stile einer Tangoshow angelegte Aufführung das Stück auf sich wirken lässt und sich auf die Musik und ihre in Bewegung umgesetzte Essenz einlässt, kommt auf seine Kosten. 

Das Premierenpublikum sah es so und dankte mit drei Vorhängen und Bravo-Rufen.

Weitere Termine:
      

 7. 01. | 11. 01. | 21. 01. | 11. 02. | 17. 03. | 31. 03. | 14. 04 2006

Oper Philharmonie Ballett Magdeburg
Opernhaus
Universitätsplatz 9
D - 39104 Magdeburg

Link zur Oper Magdeburg: http://www.theater-magdeburg.de/

Maria de Buenos Aires Vol.1

Maria de Buenos Aires Vol. 1

Maria de Buenos Aires Vol. 2

Maria de Buenos Aires Vol. 2

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Ausgabe Februar 2006

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)