Leserbriefe
 


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Leserbrief von Eckart Haerter zur DVD-Rezension
"The Todaro-Bravo Tango System, Vol.1"
von Antón Gazenbeek und Natalie Laruccia


... hmm, also diese Tangobiografie klingt ja sehr interessant. 1984 geboren, Bühnenauftritte in aller Welt, erteilt Unterricht an den renommiertesten Orten in Buenos Aires und, und und...

Offenbar befinden sich zu viele argentinische Tangolehrer in Europa. Aber Wunderkinder hat's ja zu allen Zeiten gegeben, da ziehe ich gern in Hochachtung meinen Tangohut.

Allerdings, wenn man (wie ich) noch bei Antonio Todaro gelernt hat, dann beschleichen einen leise Zweifel, wenn jemand, der 10 Jahre alt war als Antonio starb, DVDs verkauft, auf denen er vorgibt, der Welt den Stil von Antonio Todaro zu vermitteln.

Ich habe mir daraufhin Demo-Videos angeschaut, die Anton Gazenbeek im Netz veröffentlicht, und muss sagen: alles sehr schön einstudiert. Nur: das ganze ist eine leere Hülse des Tangos und trotz allen Getrippels und schneller Sacadas und Firuletes ein lebloses Fuss- und Beingeplapper. Unreife Tango-Nachahmung und Fassade. Mit der Faszination, die von der inneren Wahrheit des Tangos ausgeht, hat das nichts zu tun. Und mit Antonio Todaro schon gar nicht. Vielleicht muss man es der Jugend dieses Tangobürschchens zugute halten, dass er gar nicht merkt, dass ihn (noch?) Lichtjahre von der Ausstrahlungskraft einer Legende wie Antonio Todaro trennen.

Eckart Haerter, Göttingen

zur DVD-Rezension: >>hier

(27.06.07)

Leserbrief von Joachim Jundt.
Er hat das Narcotango-Konzert am 19. Mai 2007 in Heidelberg besucht:

Das waren also Narcotango mit Carlos Libedinsky in Heidelberg.

Hätte ich mir in einem schöneren Ambiente als dem schlichten, undekorierten Saal der Goldenen Rose im Vorort von Heidelberg gewünscht. Eine kahle Bühne, mit 3 zu schwachen Strahlern, nackter Rückwand, ab und zu ein bisschen Video auf kleiner Leinwand, weil es ja unter Elektrotangoflagge fährt und da gehört eben auch was auf den Screen. Auch wenn die euphorisch tanzenden Heidelberger natürlich kaum einen Blick auf diese Leinwand erübrigten, denn auf dem sehr guten Tanzparkett (das spricht dann doch für den Saal) war gut was los.

Emile Sansour hatte ein sehr interessantes Preiskonzept, auf das außer mir noch andre hereinfielen - man liest halt, was man lesen will. Hätte ich die ganze Beschreibung auf der 2. Seite gelesen.... Auf Seite 1 hieß es:

"...Tangoball am 19. Mai  21 Uhr
für Tangointeressierte beträgt der Eintritt nur 20 €
incl. Schnupperstunde (19.30 h)
Adresse: Goldene Rose, Hegenichstr. 10, Kircheim/HD"

Na super, echt günstig, Tangointeressiert bin ich auf jeden Fall, aber hallo, und die Schnupperstunde bei Emile nehme ich kulanterweise nicht in Anspruch. Hätte ich besser mal gemacht. Abgesehen vom Unterhaltungswert - wäre die Ersparnis 9€ gewesen - satte 30%. Ohne Schnupperstunde, für das bereits tanzen könnende Publikum, kostete der Spaß 29,- €, wie sehr deutlich auf der 2. Seite, nach einigem Runterscrollen ganz am Ende der Seite vermerkt war. Na ja, so plump schmiert man mich nur einmal an.

Das Narcotango Konzert selbst ließ einen diese seltsame Art Werbung  recht schnell vergessen. Bereits beim 2. Song, nach kurzer Aufforderung von Carlos Libedinsky, war die Tanzfläche voll. Dank der soliden Rythmusarbeit von Fernando del Castillo am Schlagzeug, Sebastián Monk an den Keyboards und Marcelo Vaccaro am Baß fiel es nicht allzu sehr auf, dass der Bandoneònist bei manchen Einsätzen zu früh, bei andren zu spät war und spieltechnisch seinen Zenit noch vor sich hat - in meinen Ohren waren die Töne oft sehr verwischt, wenig prägnant, das auf der CD sehr schöne "Narcotango" war - ohne Umschweife gesagt - vergurkt. Vielleicht war's auch kein guter Abend für Federico Biraben, den Bandoneònspieler? Ich dagegen hatte wirklich Glück und das Vergnügen mit einer tollen Tänzerin, so was hilft gegen den meisten Unbill.

Das Konzert zum Tanzen mit Stücken beider Narcotango CDs wurde in einem Set durchgespielt. Die Heidelberger Tangueros zeigten sich dem gewachsen und tanzten, was auf den Tisch kam, auch die schnellen Sachen wie "Rescate", "Que onda" und "Toma y daca", die an diesem Abend mit noch mehr Groove und auch etwas schneller gespielt wurden. Aber der Drive forderte auch seinen Tribut - nach der 2. Zugabe von Narcotango leerte sich der Saal zügig um fast die Hälfte der Anwesenden. Und die ohnehin schon zahlreich aufgestellten Stühle sahen jetzt natürlich noch leerer aus. DJ Andy Ungureanu bemühte sich um die noch Anwesenden, traf aber offensichtlich nicht genau den Hörnerv - oder die Leute waren nun doch zu erschöpft.

Ich kann gut verstehen, wenn die Musiker nach all den Strapazen der Tour - tags darauf von Heidelberg nach Wien - einfach auch mal müde sind. Für den Preis war meine Erwartung dann trotzdem höher - aber es hätte natürlich auch viel schlimmer kommen können. Auch wenn der Vergleich nur eingeschränkt möglich ist: Stünden beide Gruppen zur Wahl, würde ich mich bei Otros Aires definitiv besser aufgehoben fühlen.

Joachim Jundt, Mannheim

(21.05.07)

Waren Sie auch beim Konzert und haben Sie eine andere Meinung?
Oder haben Sie eine andere Veranstaltung besucht und möchten darüber berichten? Schreiben Sie einfach eine Email an leserbriefe@tangokultur.info

Christoph Lanner (Wien) zu "Riesenrad und Tango mit Schlagobers" von Robert Schmitz-Niehaus
(Ausgabe März 2007)

Recht herzlichen Dank für Roberts authentische und sehr persönliche Rezension der Milonga "La Noche de la Morocha".
Eine kleine Richtigstellung sei freilich erlaubt: Ich liebe und verehre Pugliese und eine Pugliese-Tanda – ganz traditionell auf dem Höhepunkt des Abends, also eher spät - darf für mich in keiner Milonga fehlen. Darunter haben gerade Roberto Álvarez' Colortango (oder moderne Orchester wie die Orquesta Típica Imperial oder Fernández Fierro) zu leiden, die ich kaum und wenn überhaupt, dann auf keinen Fall anstelle von Pugliese auflege... porque él es el original! Ich bin mir daher auch so gut wie sicher, dass die einzige "moderne" Tanda in der von Robert besuchten Milonga die von Pugliese war.
Wie auch immer: Ich selbst würde die von mir gespielte Musik ja auch als traditionell, um nicht zu sagen ultratraditionell bezeichnen und wenn es Robert als Anhänger des Tango Nuevo in der Milonga trotzdem gut gefallen hat, dann freut mich das natürlich ganz besonders.

Gruß aus Wien

Christoph Lanner

(05.03.07)

Karen Dirks zur Konzertbesprechung "Seis Australes" im Kammermusiksaal, Berlin von Frank Lubnow
(Ausgabe März 2007)

Hallo!
Ich selber war auch auf dem Konzert im Kammermusiksaal und finde die Kritik sehr herabwürdigend. Dass die Akustik und die Tonmischung nicht sonderlich gut waren, stimmt. Aber dass die gesamte Show ein Reinfall war, kann ich nicht bestätigen. Gerade die stimmungsvollen Zugaben, wo der gesamte Saal mitging, waren toll - schade, dass diese nicht erwähnt wurden..

(05.03.07)

F. aus A. (Name und Anschrift sind der Redaktion bekannt) zu den "Anonymen Tangotherapeuten" (September 2006) von M. C. Brook

Eine wirklich amüsante Geschichte, die nicht weit hergeholt sein wird. Es gibt so viele Geschichten, die einem passieren können, das ist unglaublich. Abgedrehte, "bekriste" Menschen, jedoch auch (scheinbar?) Normale. Allerdings kann natürlich die Sabine sich auch mal selber an die Nase fassen. Wenn ihr dauernd so etwas passiert (ähnliche Muster), sollte sie auch etwas Selbstzweifel haben, ob sie nicht un(ter)bewusst die Menschen dazu animiert zu fragen und zu erzählen. Oder sehr spekulativ-provokant (und unrealistisch!): vielleicht tanzt sie nicht gut genug?! Ich habe schon mit Anfängerinnen getanzt, da war ich sehr beeindruckt und ehrlich berührt. Aber auch "Erfahrene", bei denen 1 Tanz reichte. Oder aber Sabine sieht einfach so gut aus oder ist so interessant, dass die Gespräche einfach für die Männer wichtiger sind. Oder sogar anderes. Aber als unbedarfter Leser weiß man das alles natürlich nicht. NUR schlechte, therapierbedürftige Menschen gibt es sicher beim Tango nicht. Nirgendwo auf der Welt. Auch wenn ich in Szenen war, wo sich auch mal jemand erschossen hat... 

Lieber Gruß und gute Besserung, F.

(28.09.2006)
Morad aus Berlin zum Bericht aus Israel von Debora Gutman (September 2006) "Mantener vivo el espiritu"

Dies ist eine Tangoseite, kein Platz für politische Diskussionen. Und doch kann ich es nicht lassen, zu dieser Art der einseitigen Berichterstattung meinen Kommentar abzugeben:

Es ist kein Wunder, wenn man in Tel-Aviv zum Tangotanzen ist, dass man nicht von den "irrsinnigen Selbstmordattentätern" (...) gestört werden möchte. Sorry, aber mich erinnert sowas an die Kolonialdamen, die an ihren Walzerabenden in "ihren" Kolonialländern (...) nicht von "rückständigen, aufständigen Bauern" gestört werden möchten. Ich schlage der Autorin vor, mal einen einzigen Tag in einem palästinensischen Flüchtlingslager zu verbringen. Vielleicht sieht sie die Welt aus einer anderen Perspektive und wiederholt nicht wie ein Papagei, was ein paar Tangotänzer (Reservisten) in Tel-Aviv denken/sagen.
Vor allem ihre Meinung über den letzten Libanonkonflikt hat mich schockiert! In Zahlen ausgedrückt (Es ist absurd, aber trotzdem), während an einem Tag 100 Katjushas in Israel fallen, fallen im Libanon 5000 Raketen, von Streubomben etc. ganz zu schweigen. (Also libanesiche Zivilisten sterben zu Hunderten wegen einem Hisbullah-Attentat! Und das wegen 2, ja 2, entführten Soldaten. Aber das Leben eines libanesischen "Irrsinnigen" zählt ja nicht, zumal er Sie, wahrscheinlich, nie mit einem Tango beglücken wird. Also mit allem Respekt...

Gruß, Morad (in Berlin lebender arabisch-israelischer Tangotäter)

(16.09.2006)

Die Antwort der Autorin Debora Gutman:

Lieber Morad,

es geschieht entsetzlich viel Unrecht auf beiden Seiten. Aber die
Entführung der zwei Soldaten war nur der Tropfen, der das Faß zum
Überlaufen gebracht hat, der Auslöser, nicht die Ursache. Bereits
vorher sind regelmäßig Bomben (auch Streubomben!) auf Haifa gefallen.
Im Krieg gibt es keine Gewinner, nur Verlierer. Und dann gibt es da
diesen einen kleinen, aber wesentlichen Unterschied: Israel spricht
seinen Nachbarstaaten nicht das Existenzrecht ab. Israel kämpft mit
aller Kraft um sein Überleben!

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, daß eine menschenwürdige und
friedliche Lösung für alle Völker im Nahen Osten gefunden wird!

Debora (in Berlin lebende jüdische Deutsche und Tangotänzerin)

(18.09.2006)
Andreas Böhlke aus Potsdam zum Essay "Der Tango Mann" 
von Gunter Scholtz (Mai/Juni 2006)

Der Tangomann... die Tangofrau!
Ich kann Suse Lange gut verstehen und bitte diesen meinen Beitrag auch nicht als Konter zu missverstehen. Ich denke, dass Existenzen jeder Art auf dem Tangoboden einfach Ihre Berechtigung haben und nicht immer mein Verständnis, aber doch meine Akzeptanz finden. Der Tango ist durch seine Einzigartigkeit natürlich der Tanz , wo man die Möglichkeit hat, alle Sehnsüchte, Hoffnungen, Träume... zu leben, zu erleben, zu genießen, zu suchen. Ob man das findet, was man möchte, ist genau so spannend und offen, wie eine Party bei Freunden oder das Betreten der Regionalbahn von Potsdam nach Berlin. Ich möchte nicht wissen , wie komisch ich nach meiner Trennung drauf war ... in der Zeit habe ich nicht unbedingt auf die große neue Liebe gehofft, aber doch auf dem Parkett eine andere Nähe gesucht, erhofft als heute, wo wieder ein innerer Frieden da ist.

Ich hüte mich davor zu verallgemeinern - auch wenn ich z. B. persönlich , wie gesagt ich persönlich, der Meinung bin - und jetzt kommt's - ... dass die Berliner Frauen besonders elitär sind. Am Montag beim Abschlussball (d. Berliner Tangofestivals, Anm. d. Red.) im Deutschen Theater, war wieder mal fast keine da, die auch nur andeutungsweise lachen konnte. Natürlich habe ich auch an diesem Abend wie immer 2 Körbe eingefahren - und das passiert mir echt nur in Berlin. Ich tanze seit 10 Jahren, bin immer frisch geduscht und angekleidet, würde mir ne 2 aufs Outfit geben und ich achte immer darauf, dass die von mir zum Tanz erwählte Dame mindestens 2 Titel Pause hat - und dann kommt "...Nein!", einfach so. Warum lügen die Damen nicht wenigstens..."mir tun die Füße weh..., ich habe den nächsten Tanz leider schon vergeben..., mein Freund kommt gleich..., ich muss erst mal dringend telefonieren..." usw. Auf mich ist gestern eine gut vollschlanke Frau zugekommen, wo sich meine Begeisterung auch in Grenzen hielt! Natürlich bekommt die Dame 3 Tänze und ich hab's gut überlebt! Also, liebe Suse und Susanne, tragt es uns nicht nach, wenn wir mal nicht klar kommen - meist seid ihr Schuld, mit euren wunderschönen Kleidern, zarten Blusen und Düften ... wo jeder Lavendel voll einpacken kann. 

(06.06.2006)
Susanne Rothmaler zum Essay "Der Tango Mann" 
von Gunter Scholtz (Mai 2006)


Danke für den faszinierenden Artikel und bitte mehr davon!!!!!

(09.05.2006)
Suse Lange aus Berlin zum Essay "Der Tango Mann" 
von Gunter Scholtz (Mai 2006)


Lieber Gunter,
ich wünsche mir schon sehr lange normale Tangomänner, die meinetwegen auch ein Doppelleben führen dürfen (wenn sie sich dann auch benehmen), mit denen man akzeptable Gespräche führen kann. Aber es ist zum verzweifeln; ich finde einfach keinen Normalo (doch, einen netten Tango-Event-Begleiter habe ich, der sich durch größte Normalität auszeichnet; aber das ist nur Einer von vielen). Wirklich, es ist zum Lachen. Ich gehe tanzen und weiß, dass ich den Abend mit einer Single-Börse verbringen darf, Singles, die sich eine Traumwelt aufbauen, in der es schöne Frauen zum Anfassen gibt. So unangenehm, so eintönig und mir zu fremd. Ich treffe größtenteils auf verkrachte Existenzen, die sich dann wiederum auf keine Frau einlassen mögen. Wenn sie es dann täten, könnten sie ja die noch idealere, die noch süßeste aller süßesten Frauen verpassen. Illusionär, und diese Männer machen einfach keinen Spaß, oder? Außerdem gibt es dann noch solche, welche ihre Telefonnummer abgeben (obwohl man sie gar nicht danach gefragt hatte) und dann nicht mehr zum Tanz auffordern, weil man ja nicht anrief. Verdammt und ausgestoßen, so eitel geht's zu. Und darum betitele ich Tangomänner als komplexbeladen.
Allerdings, es gibt eine Ausstellung zu Freuds Psychoanalyse derzeit im
Jüdischen Museum (die sehr sexkonkret ist). Wer sich angesprochen fühlt,
sollte unbedingt hingehen!

(02.05.2006)
Hans-Martin Hallier aus Bremen zum Artikel 
"Viele Posen, stolze Blicke"
von Sonja Walkiewicz (April 2006)


Die Autorin bemerkt in ihrem Schlusssatz, es (die Show) hätte sie ein wenig an Tango erinnert. Damit weist sie - möglicherweise unbedacht - dem Titel "Ilusión de tango" einen schelmenhaften Unterton zu, der von den Machern sicher so nicht gedacht war, aber es mag dazu verleiten, sie damit ein bisschen hochnehmen. Ich teilte das nicht, denn die Show zeigte / gab (!) Tango und nicht etwa irgendeine (falsche oder hohle?) Illusion dieses Genres!

Die Tänzer waren aus Berlin und jedem war es auch bekannt, dass nicht alle professionelle Bühnentänzer waren und sind. Sondern Lehrer, Amateure, Tanzlehrer anderer Stile, also eine familiäre Mischung, genauso bunt zusammengewürfelt und ein wenig zufällig wie die gesamte bunte Tanz- und Tangoszene hier in Berlin. Eine Handlung gab es ebenso wenig wie ein Bühnenbild. Staffagen, Kulissen und "stereotype" Ausstattung eines Bühnenbildes hätten hier nur störend gewirkt, dagegen war die Idee, den Bühnenhintergrund als Projektionsfläche für Schattenfiguren zu verwenden und die Tanzszenen sonst nur durch Licht zu begleiten, eine klug gewählte Beschränkung, die der Darstellung gut tat. (...)

Weiter geht es im sehr ausführlichen Leserbrief hier:

(16.04.2006)
Herbert Staack aus Berlin zum Artikel "Auffordern III - Oder hast Du Angst?" von Christiane Heyn (April 2006)
Auch in der Tangoszene finden sich leider viele Geister, die anscheinend meinen, sie und nur sie, sind die Auserwählten des Tango und die jeden, der nur ansatzweise, vielleicht weil Anfänger oder nicht so versiert oder vielleicht einfach ein Spaßtänzer, der anders denkt und anders dokumentiert, geringschätzig einstufen. So jedenfalls mein Eindruck. Desgleichen habe ich das Gefühl, dass ein gewissen Mittelmaß fehlt. Dies trifft auf die Bekleidung genauso  zu, wie auf die Qualität des Tanzens. Entweder sind die Tänzer und Tänzerinnen, wie man heute sagt, "overdressed" oder sie sind so "mies" angezogen, dass man auch nicht hinschauen möchte. Ich denke zum Tanzengehen gehört ein gewisser Stil, der sich nach meinem Dafürhalten eben auch in der Kleidung manifestieren sollte. Wozu gehen wir zum Tanzen? Doch um Spaß zu haben. Eher habe ich den Eindruck, es wird Hochleistungssport betrieben, mindestens "100" Figuren muss man können, um sich überhaupt auf das Parkett wagen zu dürfen, und um auch ja aufzufallen muss natürlich exaltiert und vor allem ausladend getanzt werden. Rücksichtnahme ist bei einigen scheinbar ein Fremdwort und vor allem auf kleinen Tanzflächen sollte man tunlichst das Parkett räumen, wenn einige Spezialisten der Darstellung auf der Fläche erscheinen.

Schade eigentlich, denn ich persönlich gehe gerne zum Tanzen, um mich zu erfreuen, um Atmosphäre zu inhalieren, um mich mit meiner Partnerin oder auch mit anderen Tanzpartnerinnen tänzerisch zu vereinigen, schlicht gesagt, um Spaß an der Musik, an der Bewegung, an der Umgebung, an dem Eros und dem gesamten Flair zu haben. Spaß und Freude und nichts weiter!

Lieben Gruß an alle, die sich darüber freuen Tango tanzen zu können (oder auch nicht)! (10.04.2006)
Joachim J. zum Artikel "Der Mann ist das Beutetier"  
von Kerstin Tomiak (März 2006):

Die Frau wählt aus, das ist völlig klar und wird so oft von Frauen bestritten, dass ich (Mann, der ich bin) dahinter entweder Realitätsferne oder megaraffiniertes Jagdverhalten vermuten muss?
Vielleicht vermischt es sich: Die Auswahl geschieht nicht ganz so unsublim wie die der Männer an der Bar "Ich glaub, heute nehme ich mal ein - na, sagen wir - Rotwein". Das IST auch eine Wahl. Rotweingläser verhalten sich meinen Beobachtungen auch unempfänglich auf jegliche Blickakrobatik. Mit deutlich formulierten Wünschen kommt man deutlich einfacher zum benötigten Genußmittel. Jetzt weiß ich nicht, wie ich den Bogen vom Weinglas zur blickenden Tanguera kriegen soll - dort wird jedenfalls deutlich "undeutlich erkennbarer" ausgewählt. Aber, Ihr Jägerinnen: Wenn es auch ungemein erotisch und spannend und sinnlich und weiß die Teufelin noch was sein kann, ausgewählt zu werden - manchmal haben auch Menschen mit direkterem Aufforderungsverhalten noch eine Chance. Hat Mann es nämlich mal kapiert, wer auswählt, kommt auch das Beutetierseins-Gefühl ins Spiel, welches oben genannte Auswahlverleugnerinnen für sich reklamieren. Das macht nicht nur Spaß....
(25.03.2006)

Esther aus Halle zum Artikel von Jochen Hille und Elke Koepping, "Geschichte eines Nicht-Berichtes" (November 2005)


Wie's so ist wird man als Macher einer eben frisch verpackten Veranstaltung natürlich zuerst mit der Nase in die unliebsamen Begleiterscheinungen gestubst.
Nachdem ich nun mit allen mir zu Verfügung stehenden Mitteln incl. privater Einladung des Autors versucht habe, meinen Fehler in Sachen vorfristiger klarer Kommunikation wieder auszubügeln, bin ich doch erfreut, dass Unerfahrenheit wenigstens in Erwägung gezogen wird. Ganz abgesehen vom Problem der Trennung privater und dienstlicher Kommunikation sind solche Veranstaltungen ein Nervenpoker bis zur letzten Minute und bedeuten fast ein ganzes Jahr kontinuierlicher unentgeltlicher Arbeit. Wenn man es gut gemacht hat, haben viele Menschen gelacht, getanzt, genossen und erzählen zuhause mit echter Begeisterung.
Um solche Fehler für andere Veranstalter zu vermeiden, bitte ich Euch hiermit, seid auch Ihr klar in Euren Absprachen und reagiert vor allem auf Nachfragen.
Die Acht gebührt im Übrigen mir persönlich und ich bin inzwischen auch reichlich wütend. Herzliche Grüße, Esther aus Halle

Anmerkung der Redaktion:
"Dass es in diesem Fall zu Missverständnissen im Vorfeld gekommen ist, lässt sich nicht abstreiten, es ist jedoch auch auf unserer Seite kaum mehr möglich, einen konkreten Übeltäter zu eruieren. Es ist jedoch nach wie vor nicht einzusehen, warum Pressevertreter für ihre Berichterstattung auch noch zahlen sollen. Das ist ein Thema, das uns häufiger begegnet, das Festival in Halle ist da nicht unbedingt ein Einzelfall. Das wollten wir in unserer kleinen Polemik vor allem deutlich machen. Über eine Einladung nach Halle mit der Möglichkeit zur ausführlichen und positiven Berichterstattung im nächsten Jahr würden wir uns freuen. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass uns das unentgeltliche Engagement der Veranstalter bewusst ist und in der Regel gewürdigt wird, das sieht auf unserer Seite ähnlich aus - die Arbeit lässt sich nicht in Geld aufwiegen." Elke Koepping, Magazin-Redaktion
(02.11.05)

Mirjam aus Halle zum Artikel "Geschichte eines Nicht-Berichtes"

Liebe Tangokultur-Redaktion,

nachdem ich inzwischen aus dem nach 5 rauschenden Tangotagen wohlverdienten Koma mit frischen Kräften wiedererwacht bin, und mir auch die gesammelte Korrespondenz zwischen Esther und eurer Redaktion zu Gemüte geführt habe, brennt es mir jetzt unter den Nägeln, auf die von Euch verhängte Tango-Acht zu reagieren und Euch hiermit über unsere grenzenlose Bußfertigkeit gegenüber der vereinsunabhängigen und genossenschaftlich organisierten freien Journalistenschaft zu berichten. Auf dem ersten Foto seht Ihr, wie die wutentbrannte Esther ihren Ärger über die Vorkommnisse an uns auslässt. Daraufhin haben wir ihr nicht nur den Kopf gewaschen, die Schuhe neu besohlt und die Handtasche aufgeräumt, sondern sie nach Strich und Faden in die Knie gezwungen mit einem donnernden "Die war's!" (zweites Foto).

Netter Nebeneffekt der ganzen Geschichte für mich ist, dass ich jetzt weiß, dass es in der Hauptstadt nicht nur nette Tänzer gibt (ich meine vor allem den mit dem früher sehr kurzen und jetzt langem Haar), sondern auch ein engagiertes, anspruchsvolles und sogar witziges Tango-Onlinemagazin, dass sich tatsächlich zu lesen lohnt.

Mit besten Grüßen aus Halle

Mirjam Trepte vom Halleschen Tangotage-Team!

PS. Cumparsitas im Marschmusiktakt tanzen wir hier bei uns in der Provinz sowieso permanent, und Milva läuft bei uns in jeder Milonga mindestens 10 Mal am Abend, äh, manchmal...

www.tango-variete-halle.de 

(13.11.05)

JingYang zu  "Das Tangoböse ist männlich, zwischen 25 und..." von Jochen Hille:

Moin!

Natürlich hat jede Stadt ihren Terminator aber dass vor Frauen keiner Angst hat liegt wohl daran, dass die nicht die Allgemeinheit belästigen sondern auf ihrem Platz sitzen bis jemand daherkommt der von selber auf die Idee kommt mit ihnen tanzen zu wollen. Auffordernde Frauen sind genauso böse wie Männer.

(02.11.05)

Hallo Redaktion,

netter Artikel, den Frank Wesel über die Zürcher Tangowoche 05 geschrieben hat. Die Zürcher Szene geht mit ihrem eigenen Festival sehr viel kritischer um. Viele Tänzer in Zürich sehnen sich nach den sehr viel stimmungsvolleren TWen 03 und 04 zurück, mit Schiffbau und besseren Orchestern. Die Veranstalter werden ziemlich kritisch beurteilt. In meinen Augen sachlich betrachtet zurecht. 2005 lag vieles im Argen. Einziger Lichtblick waren die Kurse zum Thema Musikinterpretation.  Schaut Euch mal um auf: http://www.tangoforum.com/cgi-bin/bbs/webbbs_config.pl?read=589.
Die Statement hier decken sich weitgehend mit den Äusserungen, die im Moment an  jeder zweiten Milonga in Zürich zu hören sind. Vielleicht möchtet Ihr den Link dem Artikel anfügen. Euer neues Layout ist optisch gut gelungen, keiner Frage. Aber betreffend Usability habt Ihr noch etwas Arbeit vor Euch. Die geringe Höhe der eigentlichen Textspalte in der Mitte macht das Lesen beschwerlich. Und da mit dem Mausrad nicht gescrollt werden kann, ärgert man sich beim Lesen über den umständlichen Zugriff. Aber das lässt sich ja beheben.
Ich würde mir in jedem Eurer Magazine ausführliche, sprich ellenlange Artikel über einzelne Orchester wünschen - moderne wie alte, aber das ist natürlich meine eigene, eine sehr persönliche Sicht.

Gruss - Christian Tobler, Zürich

+ + + 02.09.2005

Hallo Elke,

Ich wollte mich ganz herzlich bei Dir bedanken für den Bericht über "Otra Sanata". Bis jetzt hat noch niemand so detailliert über unsere Musik geschrieben. Vor allem haben wir bemerkt, dass Du alles verstanden hast, sogar die Insider-Witze auf dem Album. ...hat uns sehr gefreut! Ich gratuliere Dir für Deine Art zu schreiben - sehr poetisch, aber auch präzise und überzeugend.

DANKE!!! .....wir sind sehr glücklich. Bis bald und Alles Gute!!!!

Daniel Almada von "Tango Crash", 02. August 2005

 

Leserbrief zum Artikel "Macht Tango schön?" von Jochen Hille:

Lieber Jochen,
dein Artikel ist ganz interessant geschrieben, nur stimme ich nicht immer mit deinen Aussagen überein. Wie z.B. "Aber beim Tanzen geht es fast immer um Schönheit"; Ich dachte, dass es beim Tanzen um Sinnlichkeit, um das Gefühl allgemein, um die
Fähigkeit, sich auch mal non-verbal dem Leben und den Gefühlen zu stellen; um die Fähigkeit, sich körperlich auszudrücken; um Vergessen; um Alltagsflucht und der Gelegenheit, seinen Mitmenschen in die Augen schauen zu dürfen geht. Natürlich macht das Tanzen selbst auch schön; Aber ist die resultierende Schönheit nicht eher ein by-product der angenehmen Atmosphäre im Tangosaal ? Weiterhin:
"Und wer eine Milonga besucht, der ist oft von der Schönheit und dem Glitter geblendet und zieht sich schüchtern zurück – oder will daran Teil haben".
Ich weiß nicht Jochen; Es ist wahrscheinlich wirklich so. Aber unsere Wahrnehmung dieser oberflächlichen Schönheit ist nur die Reflektion einer gut-gekleideten, formalen Tangogesellschaft. Wahrscheinlich ist dieses Bekleidungsritual ein Aufschrei der TänzerInnen nach konservativen Werten. Oder ? Weiterhin:
"Schließlich geht es ums Balzen". Tatsächlich? Ist mir noch nicht so richtig aufgefallen. Wenn es ums Balzen ginge, würden die Männer nicht nur 3 Runden mit einer Frau tanzen und dann weiter auf die Suche gehen. Überhaupt reden Tango-Männer nicht all zu viel, was die Balzangelegenheit erheblich erschwert. Und der regelmäßige Körperkontakt mit dem Tanzpartner oder Tanzpartnerin lässt diese anfängliche, körperlich-erotisch gefühlte Nähe bald ins Alltägliche gleiten. Der Tanz wird funktional und ich zumindest erfreue mich nur an meinen eigenen Sinnen und Gefühlen. Der Mann hat in dieser Hinsicht kein Mitspracherecht. Und wahrscheinlich geht es nicht nur mir so. Aber eins muss ich dem Tango und der Schönheit zugestehen: Ich fühle mich
deshalb schön beim Tanzen, weil Männer mich leiten, dominieren und mir ein Gefühl der Unterlegenheit geben. Wann bekommt man diese Befriedigung im Alltag. Heutzutage sind es oft Frauen, die diese dominierende Rolle übernehmen wollen oder sogar müssen. Tango führt mich in eine Welt, in der die Männer der Frau für ein paar Stunden Schutz anbieten, ihr das Gefühl geben, gebraucht und begehrt zu sein. An die Schulter des Mannes darf ich mich anlehnen, darf vergessen und mich hingeben, meinen Gefühlen freien Lauf lassen. Der Mann nimmt mich in diese Scheinwelt auf, zieht mich an sich, hält mich fest und berührt meinen Rücken; zaghaft; bedeutsam; dieses Gefühl macht mich und ganz sicher auch viele andere Frauen so schön.
Dein Artikel ist nett geschrieben.
Gruß von Suse

+ + + 21.07.05

Hallo Leute,
Glückwunsch zu eurer Leistung. Bin heute zufällig auf eurer Seite gelandet und begeistert schon seit ner stunde hängengeblieben. Interessiere mich sehr für das stück Tango solo von Thorsten .

Gruß
Jost Budde

+ + + 17.06.05

Dear Elke,

I wanted to thank you for such an enthusiastic, supportive and knowledgeable review. Our only one in German!

All best wishes from la belle Paris.

Lloica Czackis, Sängerin "Tangele", Paris

+ + + 15.06.05

Liebes Team von tangokultur.info,

die ersten Ausgaben von tangokultur.info finde ich spannend, angenehm übersichtlich und sehr geglückt.

Mir gefällt besonders die Art und Weise, wie die meisten Artikel geschrieben sind: selbst die härteste Kritik ist zwar leidenschaftlich ausgedrückt aber nie giftig. Hinzu kommt oft eine persönliche Note oder Humor, wie bei dem letzten Artikel von Jochen Hille über die Margeritas Misteriosas. Das macht auch die Margeritas Misteriosas sehr sympathisch!

Ich finde es toll, dass Eure Artikel die Möglichkeit bieten, einige Veranstaltungen oder Neuerscheinungen, die man aus logistischen Gründen verpassen würde, mit Euren Augen und Ohren doch mitzuerleben.

Für die Tänzer ist es wichtig, immer auf dem Laufenden zu sein und die Zuverlässigkeit, mit der Eure Webseite aktualisiert wird, ist eine seltene Ware. Dazu gratuliere ich Euch und bedanke mich auch, da ich vermute, es steckt eine Menge Arbeit und Aufmerksamkeit dahinter. Ich hoffe, Ihr macht weiter so und es macht Euch auch Spaß. Viel Erfolg!

+ + + Paola aus Berlin

Richtigstellung:

Der Redaktion von tangokultur.info ist zu Ohren gekommen, dass der von Elke Koepping im Artikel über die desaströse Berliner Aufführung von Nicole Naus und Luis Pereyras "El Sonido de mi Tierra 2" erwähnte ominöse "Veranstalter" mit der Person Michael Rühls in Verbindung gebracht wird. Der Absatz ist eindeutig zu vage formuliert und dafür entschuldigen wir uns an dieser Stelle bei ihm.

Michael Rühl hatte mit dieser Veranstaltung nichts zu tun.

Er betreibt seit Jahren erfolgreich nicht nur die samstägliche Milonga im Ballhaus Rixdorf, sondern auch das Berliner Tangofestival. Beide Veranstaltungen sind professionell organisiert und erfreuen sich eines regen Zuspruchs. Sollten wir diese kritisieren wollen, würden wir das offen tun und nicht durch versteckte Andeutungen.

Die Existenz eines tatsächlichen Berliner Vor-Ort-Veranstalters zweifeln wir zudem an. Gegenüber der Öffentlichkeit sind als Veranstalter nur das Tournee-Management von Nicole Nau und Luis Pereyra aufgetreten, die RSWien-Productions aus Remscheid. Entscheidungen scheinen zudem hier in Deutschland von Nicole Nau abgesegnet zu werden. Der organisatorische Schiffbruch von "El Sonido de mi Tierra 2" ist somit offensichtlich auf eine totale Fehleinschätzung der Vor-Ort-Situation zurückzuführen. Dass diese im Vorfeld nicht überprüft und vorbereitet wurde, zeugt von grober Fahrlässigkeit seitens des Managements und/oder der Künstler.

Weiterhin hat das Tournee-Management während der Veranstaltung das Gerücht in Umlauf gebracht, der Abend sei bewusst durch eine Website boykottiert worden, auf der vermeldet wurde, die Vorstellung sei restlos ausverkauft. Wir von tangokultur.info fragen uns, was für eine Website das gewesen sein soll. Und wie eine solche uns und auch anderen nicht bekannte Website für das Nichterscheinen von 200 Zuschauern verantwortlich sein kann.

+ + + 25.05.2005 Elke Koepping, Redaktion tangokultur.info
 

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)