Auf der Bühne verhallt
 


Die Tangoshow "Seis Australes" im Kammermusiksaal, Berlin


Text: Frank Lubnow
Fotos: Torsten Moebis

Sergio Gobi ist bekannt als ein durch die Jahre charismatischer Frontmann verschiedener Tangoensembles. In seinem Auftreten knüpfte er an die Tradition des klassischen Tangogesangs an und konnte vor allem mit seiner Emphase und Diktion immer wieder die Zuhörer mitreißen. Nun hat er mit einem Quintett aus Piano (Pablo Woizinski), Viola (Juan Lucas Aisemberg), Gitarre (Cesar Nigro), Bandoneón (Geardo Agnese) und Kontrabass (Rodolfo Paccapelo) eine neue Gruppe um sich und stellte sich am letzten Freitag im Februar mit einem neuen Programm dem Publikum des fast ausverkauften Kammermusiksaals vor.

Darin waren zum größten Teil Stücke zu hören, die aus Gobis Feder selbst stammen. So gab es eine bunte Mischung aus lateinamerikanischer Folklore, Chacarera, Milonga etc. und auch Tango. Die Musik hatte ihre Qualitäten in dem manchmal lässigen, unaufdringlichen Duktus; auch die emotional aufgeladenen Stücke boten Substanz wie ebenfalls die von Cesar Nigro und Rodolfo Paccapelo beigesteuerten Kompositionen. Allein, der Einsatz der guten Musiker und Gobis Theatralik verhallten hier buchstäblich nicht in der Tiefe des Raumes, sondern schon auf der Bühne.

Die Akustik war vollkommen inakzeptabel, die Proportionen grotesk verschoben. Dass man die Gitarre von Cesar Nigro eigentlich nie hörte oder sich wünschte, den schönen Bratschenton von Juan Lucas Aisemberg ohne diese entstellende Verstärkung (bzw. mit einer anderen) zu hören, kann schon als fehlende Feinabstimmung gelten. Dass aber Gobis Stimme klang, als wäre sie aus dem Badezimmer der Künstlergarderobe zugeschaltet und das dominierende Instrument auf der Bühne meist ein Cajon (eine Art Sitztrommel) gewesen ist, das von dem Sänger bearbeitet wurde, war schon grob fahrlässig. Man hatte eher das Gefühl, in einem großen Bierzelt zu sitzen als in einem Saal, der auf eine gute Akustik hin konzipiert ist.

Pablo Woizinski glänzte am Flügel mit witzigen und perlenden Einwürfen, Juan Lucas Aisemberg verlieh der Musik Seele, wo es möglich war, und wenn Cesar Nigro zu hören war, dann bei den gekonnten Soli, die er allein spielte. Der engagiert und konzentriert arbeitende Rodolfo Paccapelo bot mit seinem Bass ein solides Fundament für das Zusammenspiel.

Es gab auch noch ein Tanzpaar, für das die vorderen zwei Drittel der Bühne mit einem schwarzen Tanzboden ausgelegt wurden. Die im Programmheft als Maestros des Tangos angekündigten Tänzer Verónica Villaroel und Marcelo Soria vom Tango Chocolate aus Hamburg kultivierten die Manier des Schauspielens kleiner, "aus dem Leben gegriffener Szenen" zum eigenen komödienstadelhaften Stil. Dabei kam dann manche Nummer fast ganz ohne Tanz aus. Die einfältige Phantasie beim Ausgestalten dieser Show-Szenen ging einher mit einer belanglosen Tanzchoreographie, die auf viel Bewegung setzte und dabei die Musik meist ignorierte – sowie einem technischen Niveau der Ausführung, welches das der erfahrenen Tänzer in mancher Milonga in Berlin nicht erreicht, von Buenos Aires ganz zu schweigen.



Abschließend lässt sich nur zusammenfassen: gerne hätte man den guten Musikern unter anderen Umständen und mit Betreuung eines Tonmeisters zugehört...


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Ausgabe März 2007

 


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Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)