2. Hallesche Tangotage vom 27.-31.10.2005
Nicht-Bericht: Elke Koepping und
Jochen Hille
Kein Foto: Jochen Hille
An dieser Stelle hätte ein Artikel über die 2. Halleschen
Tangotage stehen sollen. Hätte wohlbemerkt, denn der Artikel
kam nicht zustande. Im Gedenken an die in Halle von unserem
Autor nicht geschossenen Fotos lassen wir hier Platz frei:
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Kein Foto von: Jochen Hille |
Schade eigentlich, müssen
wir sagen, denn dieses kleine, feine Festival, das in 2005 erst zum
zweiten Mal stattfindet und somit eigentlich noch in den
Tango-Kinderschuhen steckt, hatte als echter Geheimtipp das eine oder
andere Schmankerl anzubieten. So z. B. die völlig verrückte, aber
vor den Tangogöttern begnadete TangoFusionClub-DJane Sonja Armisen,
die auch als Lehrmeisterin für den von ihr propagierten Stil in Halle
engagiert war. Wer das Glück hatte, sie als Begleitprogramm zu Narcotango
zu erleben (oder sie aus München kennt), weiß wovon ich rede: hier
in Berlin brachte sie die Bude in Nullkommanix zum Kochen und schaffte
es parallel nonstop ekstatisch und schlangengleich mit 3 Tänzern
zugleich wildeste Tänze zu improvisieren.
Auch musikalisch schien das Festival vielversprechend: die Brechtsisters,
La Rolando Rivas und Armenonville. Nicht übel, nicht übel.
So sprach begeistert unser Autor auf der letzten Redaktionssitzung
davon, dass er sehr interessiert sei, dieses schnuckelige kleine
Festival zu besuchen, somit die Anreise aus privater Tasche zahle, was
ja auch OK sei, denn die Fahrtkosten wögen sich ja wiederum mit dem
Honorar für den Artikel auf. Flugs setzten wir uns in Kontakt mit dem
Festivalteam und baten um Presse-Akkreditierung für ihn. Im Vorfeld
auftretende kleinere Unstimmigkeiten beirrten nicht die gute Laune und
frohgemut reiste der Autor nach Halle.
Tja ... um dort zu erfahren, dass er wohl für den Freitagabend auf
der Gästeliste stünde, den Samstagabend jedoch zahlen müsse. Was
ihn ganz schön erboste. Zu Recht. Denn sein Ziel war eine
Festival-Berichterstattung, nicht der kostenlose Besuch der Milongas.
(Man verstehe uns nicht falsch: er hatte auch nicht vor, umsonst
Workshops abzusahnen. An Workshops nehmen wir dezidiert nur teil, wenn
wir ausführlich über einen Tänzer oder eine bestimmte Ausrichtung
berichten und die Lehrmethodik auf Herz und Nieren prüfen wollen. So
geschehen z. B. durch Swantje-Britt Koerner im Mala
Junta.)
Die schlechte Laune des Autors war so überwältigend, dass er
beschloss, die Berichterstattung sausen zu lassen und statt dessen das
ganze Festival als zahlender Gast zu genießen, statt sich fürderhin
über das piefige Verhalten der Veranstalter zu ärgern. Woraufhin
wiederum die leitende Magazin-Redakteurin von tangokultur.info
ausgesprochen schlechte Laune bekam, denn ihr war bereits ein anderer
Autor für die November-Ausgabe weggebrochen, den sie nun auch noch
selbst schreiben musste. Dummerweise überlagerte die schlechte Laune
des Autors diesem also nun derart den Genuss an der abendlichen
Milonga in Halle, dass er sich bereits am Samstag zur Rückreise
entschied. Fazit: außer Spesen nix gewesen. Nur die Redakteurin hat
wieder gute Laune, denn hier ist er ja, der Ersatz-Artikel!!
Es ist dies nicht das erste Mal, dass Veranstalter davon auszugehen
scheinen, wer sich als tangointeressierter Journalist zu einer
Veranstaltung anmeldet, sei ausschließlich darauf aus, sich freien
Eintritt zu erschleichen und auf Kosten des Veranstalters Privilegien
zu genießen, die der Person des Journalisten auf keinen Fall zustünden.
Eine etwas seltsame Schlussfolgerung, wie wir meinen. Wir haben die
Arbeit und zahlen außerdem noch Eintritt für eine Veranstaltung, die
wir mit dem Artikel dick bewerben?! Klingt das nicht nach verkehrter
Welt?
Für uns ist der Bericht über eine Milonga, ein Konzert, ein Festival
Arbeit, Zeit für Genuss bleibt auf der Veranstaltung kaum, wenn wir
uns offiziell dort aufhalten: ständig ist man bemüht, die richtigen
Leute nach Informationen auszuquetschen, Publikum nach Eindrücken zu
befragen, mit dem Fotoapparat herumzurennen und die besten Bilder für
den Artikel zu schießen etc. pp. Um dann anschließend noch
stundenlang im Internet zu recherchieren, um alle Namen richtig zu
schreiben und weitere Fakten zu recherchieren. Alles in allem gehen
bei einer Reportage von 3 Seiten mal locker 16 Stunden Arbeit ins
Land. Wer das für reines Vergnügen hält, ist Stammgast bei einer
Domina.
Unsere Magazin-Redakteurin hat aus ähnlichen Gründen übrigens
Hausverbot im Berliner Jazzclub "Schlot". Dorthin wurde sie
von einer Musikerin explizit eingeladen. In der Hektik vor dem
Auftritt vergaß diese jedoch, die Redakteurin auf die Gästeliste zu
setzen. Nicht in böser Absicht, sie entschuldigte sich dafür nach
der Show. Der junge Mann an der Kasse aber verlangte trotz vorgelegten
Presseausweises und ernsthaften Beteuerungen, alles habe seine
Richtigkeit, der Veranstalter könne doch die Künstlerin nachträglich
befragen, von der Journalistin den vollen Eintrittspreis.
Wutschnaubend, da das Konzert bereits begonnen hatte, zahlte diese zunächst,
um das Geld nach der Veranstaltung empört zurückzuverlangen.
... woraufhin es zum Eklat kam, denn der junge Mann wurde
ausgesprochen ausfallend, um nicht zu sagen: unverschämt - und die
Redakteurin ist ebenfalls bekannt für ihr bissiges Temperament. Ein
Wort ergab das andere und der Abend endete mit wüsten Verwünschungen
auf beiden Seiten. In den Überlegungen am nächsten Tag, ob sie sich
beim Club-Besitzer über das seltsame Verhalten seines Personals
beschweren oder die Sache lieber auf sich beruhen lassen solle, um der
Künstlerin nicht zu schaden, wurde die Redakteurin von einem
E-mail-Anschreiben des Club-Besitzers gestört: der junge Mann an der
Kasse entpuppte sich im Nachhinein als dessen Sohn. Gegen
Vetternwirtschaft ist man auch als Journalistin ja im Grunde machtlos,
das sieht man in der Politik. Der Besitzer beschimpfte die Redakteurin
also auch noch schriftlich, sie habe sich im Januar ja schon mal auf
Konzerte einschleichen wollen, die Musiker hätten sie gar nicht
gewollt und die Presse habe man im "Schlot" sowieso grundsätzlich
nicht nötig. Na, wenn er denn meint, ist ja seine Sache, zwingt ihn
keiner...
Das sogenannte "Einschleichen auf Konzerte" war übrigens
auf den ausdrücklichen Wunsch der Musiker erfolgt, die die
Redakteurin eingeladen hatten, weshalb sie sich auch ganz rechtens auf
der Gästeliste befand. Beide Januar-Veranstaltungen fanden unter
Beifall der beteiligten Musiker ihren Niederschlag in Artikeln: in der
Tangodanza 2/2005 und auf tangokultur.info, den einen findet man übrigens
hier.
Wir von tangokultur.info fragen uns: müssen wir uns das eigentlich
bieten lassen? Schließlich gibt es ja auch so etwas wie ein Recht des
Lesers auf Information. Zumal sich die Leser in Regensburg sicherlich
denken werden, "Hmm, Halle, interessant, da war ich ja noch nie.
Nur kenne ich sonst keinen, der da schon mal war. Was, wenn ich die
weite Anreise wage und dann ist das da ganz blöde auf dem
Festival?" Für diese Leser wollen wir doch den vollen Service
bieten, denn dafür ist dieses Magazin gedacht.
Nein, natürlich lassen wir uns das nicht gefallen!! Hier ist unser
Gegenmittel:
Verhängung
der Tango-Acht wegen Behinderung der Presseberichterstattung:
1. Aus der Fülle der uns von Carlos Gardels Kindern und Kindeskindern
verliehenen Macht und zur Wiederherstellung der Ordnung in der Milonga
und im Tangoweltenkreis sowie zum Wohlgefall' des Tangovolkes schlagen
wir die Tango-Acht über unbotmäßige Veranstalter und
Veranstalterinnen, die uns in der Ausübung unserer Pflicht behindern
und die lesergerechte Berichterstattung verweigern.
2. Möge die vereinsunabhängige und genossenschaftlich organisierte
freie Journalistenschaft die bezeichneten Veranstalter und
Veranstalterinnen nach Gutdünken rhetorisch schleifen, vierteilen, in
Brandt setzen, mordschatzen, verspotten (und was den lieben Kollegen
sonst noch so zu ihrer abendlichen Unterhaltung einfällt).
3. Die bezeichneten Veranstalter und Veranstalterinnen sind
aufgefordert, Buße zu tun und drei Cumparsitas im Marschmusiktakt zu
tanzen sowie fünf Yo-Soy-Marias in der Version von Milva abzuspielen
und tangokultur.info zu ihrer vollständigen Rehabilitierung darüber
als Beweis ein Foto zu übersenden.
Wir würden uns in unserer Leserbrief-Rubrik über
Zuschriften von Lesern freuen, die in Halle waren und ihren Eindruck
vom Festival wiedergeben möchten. Wir unterstellen den Veranstaltern
mehr Unerfahrenheit als böse Absicht und wären froh, wenn sich der
schlechte erste Eindruck wieder in Wohlgefallen auflösen würde.
Zu diesem Artikel gibt es
einen Leserbrief
von Esther aus Halle: Mehr...
...und
Folgenden vom 13.11.05 von Mirjam, ebenfalls aus Halle:
| Liebe Tangokultur-Redaktion,
nachdem ich inzwischen aus dem nach 5 rauschenden
Tangotagen wohlverdienten Koma mit frischen Kräften
wiedererwacht bin, und mir auch die gesammelte Korrespondenz
zwischen Esther und eurer Redaktion zu Gemüte geführt habe,
brennt es mir jetzt unter den Nägeln, auf die von Euch
verhängte Tango-Acht zu reagieren und Euch hiermit über
unsere grenzenlose Bußfertigkeit gegenüber der
vereinsunabhängigen und genossenschaftlich organisierten
freien Journalistenschaft zu berichten. Auf dem ersten Foto
seht Ihr, wie die wutentbrannte Esther ihren Ärger über die
Vorkommnisse an uns auslässt. Daraufhin haben wir ihr nicht
nur den Kopf gewaschen, die Schuhe neu besohlt und die
Handtasche aufgeräumt, sondern sie nach Strich und Faden in
die Knie gezwungen mit einem donnernden "Die war's!"
(zweites Foto).

Netter Nebeneffekt der ganzen Geschichte für mich ist,
dass ich jetzt weiß, dass es in der Hauptstadt nicht nur
nette Tänzer gibt (ich meine vor allem den mit dem früher
sehr kurzen und jetzt langem Haar), sondern auch ein
engagiertes, anspruchsvolles und sogar witziges
Tango-Onlinemagazin, dass sich tatsächlich zu lesen lohnt.
Mit besten Grüßen aus Halle
Mirjam Trepte vom Halleschen Tangotage-Team!
PS. Cumparsitas im Marschmusiktakt tanzen wir hier bei uns
in der Provinz sowieso permanent, und Milva läuft bei uns in
jeder Milonga mindestens 10 Mal am Abend, äh, manchmal...
www.tango-variete-halle.de |
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Ausgabe November 2005