Filmbesprechung
 


"Man muss mich nicht lieben"
von Stéphane Brizé (seit Juni 2007 auf DVD erhältlich)

Spielfilm Frankreich 2005
35 mm, Farbe
Länge: 93 Minuten


Foto: PR zum Film

Text: Jörg Buntenbach


Mitten im Sommerloch kam im letzten Jahr ein Film in die Kinos, der in aller Stille überraschte. Nun ist das Werk auf DVD erschienen.
Man muss mich nicht lieben des französischen Regisseurs Stéphane Brizé, der sich zusammen mit Juliette Sales auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, liefert mit seinem Spielfilm-Debüt nicht unbedingt ein Meisterwerk ab, doch in seiner konsequent subtilen, non-verbalen Art der Konversation zwischen den Protagonisten erzählt Brizé immerhin eine Geschichte, die die Aufmerksamkeit des Zuschauers verdient.

In der Story geht es um den Gerichtsvollzieher Jean-Claude, der brillant von Patrick Chesnais gespielt wird. Sein Alltag sprüht nicht gerade vor Lebensfreude und Überschwang. Im Gegenteil: seinem Job geht er mit stumpfer Routine nach. Geht wahrscheinlich auch nicht anders bei diesem Beruf.
Seinen Sohn, der sich eigentlich mehr für Pflanzen als für Akten interessiert, macht er zu seinem Kompagnon. Eine unleidenschaftliche Prozedur, die von beidseitiger Unlust geprägt ist. Doch einen Gedanken an Veränderung zu verschwenden, kommt beiden nicht in den Sinn. Und genau das macht diese melancholischen, schwermütigen Charaktere aus. Auf Grund ihrer Unaufgesetztheit kommen sie ehrlich und charmant rüber.


Foto: PR "Man muss mich nicht lieben"

Ausgerechnet Jean-Claudes Arzt gibt den Anstoß zur Veränderung. Zumindest aus gesundheitlicher Sicht. Seiner Meinung nach braucht Jean-Claude dringend Bewegung. Ansonsten würde ihm sein Herz irgendwann Schwierigkeiten machen. Doch Jean-Claude, der auf mehr als 50 Lebensjahre zurückblickt, ist wenig begeistert: Schwimmen sei nichts für ihn. Rad fahren auch nicht. Vorerst kommt der Gute also nicht aus seiner Welt raus, in der er sich am Wochenende auch noch um einen tyrannischen Vater kümmert, den er voller Pflichtgefühl in einem Pflegeheim besucht. Doch dann kommt der Zufall ins Spiel: durch das geöffnete Bürofenster hört er Tangomusik. Gegenüber sieht er direkt in eine Tangoschule hinein, in der gerade in diesem Moment ein Tanzkurs stattfindet. Jean-Claude meldet sich an. Nicht gerade beseelt von dem Gedanken, die Tangowelt zu erobern - aber immerhin.

Natürlich kommt es dann, wie es viele von uns erwarten: Jean-Claude lernt die wesentlich jüngere Francoise (gespielt von Anne Consigny) kennen, die eigentlich mit ihrem Verlobten Thierry tanzen wollte. Der jedoch schreibt an einem Roman und hat keine Zeit. Ein Alptraum für jede Frau. Und Jean-Claude springt unbeholfen ein, wobei er sich überhaupt gar nicht aufdrängt. Er und Francoise kommen sich auf eine anrührend platonische Weise näher und lernen sich unbewusst immer besser kennen. Und langsam findet eine Veränderung in beiden statt. Während Francoise darüber nachdenkt, ob die bevorstehende Heirat mit Thierry tatsächlich eine gute Idee ist, setzt Jean-Claude sich mit seinem unausstehlichen Vater auseinander und bricht mit ihm. Das alles wird mit nur wenigen Worten erzählt. Eher mit verlegenen Blicken und Gesten. Das Schweigen wird zelebriert. Dennoch lernt man die Protagonisten mit ihren Gefühlen und Sehnsüchten kennen.


Foto: PR "Man muss mich nicht lieben"

Fazit: Man muss mich nicht lieben ist ein unspektakulärer, aber überzeugender Film über zwei Menschen, die zueinander finden wollen, es aber irgendwie nicht können. Auf jeden Fall sehenswert! Dieser Film ist melancholisch, komisch und schwermütig zugleich. Eben wie das Leben selbst. Und das Schönste: es ist ein Film, in dessen Rahmenhandlung der Tango liebevoll eingebunden wird. Nicht umgekehrt. Hier werden keine Klischees bedient - und niemand lernt in ein paar Tangolessons perfekt tanzen.

Informationen zum Film gibt es im Internet unter www.koolfilm.de

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Ausgabe August 2006 und Juli 2007

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)