Gästetendenz zunehmend
 


Das 2. Internationale Festival Tango Argentino Saar-Lor-Lux in Saarbrücken

Text: Philipp Britz


Esther und Mingo Pugliese    Foto: PR-Material Ag Libertango

Na ja, das Saarland ..., ist ja ganz nahe an Frankreich und damit nahe an Chansons, Bonne Cuisine und Bistros und so. Aber Tango? Doch!  Der Tango ist in Saarbrücken angekommen. Bereits zum zweiten Mal haben Guillermo Böttcher und Silvina Böttcher de Hollender (aus Buenos Aires, woher sonst) das Internationale Festival Tango Argentino Saar-Lor-Lux auf die Beine gestellt. Gästetendenz zunehmend.

2006 mündete ein kontrastreiches Programm zwischen Moderne und klassischer Tradition in Harmonie und begeistertem Enthusiasmus. Das gilt vor allem für den großen Tangosalon mit dem orquesta típica Silencio und den Maestros der Maestros, Mingo und Esther Pugliese. Dass die Puglieses den heutigen Tanzstil entscheidend mitgeprägt haben, stellten sie nicht nur in ihren einfühlsamen Workshops unter Beweis, sondern sie zeigten ihre hohe Könnerschaft einem tanzinformierten Publikum bei ihren beiden Auftritten beim Tangoball und der Abschluss-Milonga. Im stilistischen Kontrast dazu der Auftritt von Andrea und Andrés aus Darmstadt, die mit ihrer perfekten Bühnenshow vor allem die (Noch-) Nichttänzer begeisterten.

Zum 2. Mal beim Festival dabei das derzeit wohl beste Tangoorchester in  Europa: Silencio. Musikalisch hoch professionell, ein absoluter Genuss für Zuhörer und Tänzer, die nur die Eintrittsnummer abwarteten, um dann ohne Pause zur Musik unter Leitung des Pianisten Roger Helau zu tanzen. Fast berauschend war die Stimmung während der Milonga-Tandas, die Rufe nach Zugaben fielen entsprechend begeistert aus.

Leider musste beim Samstagssalon DJ Feliz Picherna kurzfristig absagen. Seine Aufgabe übernahm DJ Guillermo, der es verstand, die Stimmung der Milongas von Buenos Aires auf die Saarbrücker Gäste zu tragen. Dank der richtigen Musikmischung war die Tanzfläche pausenlos voll. Die Saarbrücker Festivalmischung kam an.

Für  Guillermo und Silvina Böttcher, die - übrigens offizielle Vertreter der Academia Dinzel in Deutschland - sich ebenfalls beim Festival als Tanzpaar im Estilo Milonguero und Tango Nuevo präsentierten, ist Tango nicht nur ein Tanz, sondern auch die Kultur, die dahinter steht. Diese Idee vermittelten die Festivalinitiatoren auch den noch nicht völlig Tango-infizierten Gästen mit einer neuen Multimedia-Inszenierung und Live-Auftritten zur Geschichte des Tango unter dem Titel Der Ursprung des Tangos. Die Premiere hatte bereits beim Tango Festival Rioplatense in Luxemburg stattgefunden, unter der Regie und Choreographie von Guillermo Böttcher: Drei Paare tanzten, von den ursprünglichen afrikanischen Tanzbewegungen bis zu den ersten Tangos, Candombe, Milonga und Canyengue. Illustriert wurde das Ganze auf einer Großleinwand mit historischen Tangobildern und Filmausschnitten. Für Guillermo ist die Vermittlung von Kultur und Geschichte sehr wichtig, ebenso wie sein Angebot einer wöchentlichen Samstags-Milonga in Saarbrücken, um Tango langfristig in der Region zu etablieren.

2006 zog das Festival zunehmend Gäste von außerhalb nach Saarbrücken. In großer Zahl waren natürlich Gäste aus Frankreich vertreten, wie auch Tanzpaare aus Norddeutschland, dem Ruhr- und Rhein-Main-Gebiet kamen ebenso wie der New Yorker, der drei Festivals in Europa besuchte, Brüssel und Basel und ganz besonders vom "Charme der Nähe" zur Saarbrücker Veranstaltung beeindruckt wurde. Der Anspruch, beim Tango könne man sich problemlos auch mit Menschen aus ganz anderen Kulturkreisen verständigen, wurde beim 2. Internationalen Festival der Ag Libertango voll bestätigt.

Weitere Infos und Veranstaltungen: www.ag-libertango.de
Zum Festival Rioplatense in Luxemburg

Artikel zu Esther und Mingo Pugliese finden sich auch in der Mai-Ausgabe 2006 von tangokultur.info: Zum Artikel und zum Interview 

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Ausgabe Juni 2006

 


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Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)