Ein Bandoneón als Liebeslohn
 


Das 7. Krefelder Bandoneón Festival

Text: Yvonne Brandt

Noch bis zum 8. Oktober veranstaltet das Kulturbüro der Stadt Krefeld das siebte Krefelder Bandoneón-Festival, das am 15. September in der Fabrik Heeder an der Virchowstraße von Alfredo Marcucci und seinem "Trio Veritango" eröffnet wurde. Krefeld gilt als die Bandoneón-Stadt. Vor über 150 Jahren entwickelte der Krefelder Heinrich Band das nach ihm benannte Bandoneón, das bestimmende Tango-Instrument.

Im Jahr 1821 in Krefeld geboren, übernahm Heinrich Band das kleine Musikaliengeschäft seines Vaters. Schon 1844 inserierte er 40- bis 56-tönige "Accordions". Band bezog die Instrumente aus Sachsen, aber er verkaufte sie nie als "Bandonion", den Namen gab es noch nicht. Er begann, Veränderungen an den gelieferten Instrumenten vorzunehmen und der Absatz steigerte sich sprunghaft. Das Bandoneón ist eine Concertina, der Heinrich Band die kleinen, aber entscheidenden Änderungen zum Erfolgsinstrument hinzufügte. Bald wurde der Name "Bandonion" zu einer Qualitätsbezeichnung innerhalb der Harmonika-Instrumente. Das erste Bandoneón gelangte wahrscheinlich 1855 nach Amerika, allerdings nicht in das noch tangofreie Argentinien, sondern in die USA.

Ein Krefelder Auswanderer, Wilhelm Seyffardt, bat seinen Bruder, er möge ihm doch ein Accordion schicken, und zwar auf jeden Fall ein "Bandonion". Irgendwie gelangte das Bandoneón nach Südamerika. Legenden ranken sich um den Weg, eine erzählt vom englischen Matrosen, der einen geforderten Liebeslohn in Form seines Bandoneóns begleicht. Um das Jahr 1910 entstand in Buenos Aires im Hafenviertel La Boca die erste Tango-Hochburg. In Deutschland war bis in die 30er Jahre hinein das Bandonion in der Arbeiterschaft ein gern gespieltes Instrument. Das Aufkommen des einfacher zu erlernenden Akkordeons ließ es jedoch in Vergessenheit geraten.


Alfredo Marcucci      Foto: PR Kulturbüro

Mit der Renaissance des Tango durch Astor Piazzolla und der steigenden Beachtung in Europa gelangte das Instrument wieder stärker in das Bewusstsein. Die südamerikanischen Tango-Interpreten spielen weiterhin auf ihren alten geliebten Bandoneóns. Das Kulturbüro Krefeld möchte mit dem siebten Bandoneón-Festival erneut die Verbindung zwischen dem Krefelder Heinrich Band und dem Hauptinstrument des Tangos, dem Bandoneón aufzeigen.



Das diesjährige Festival wirft sein Augenmerk besonders auf die unterschiedlichen Facetten der Besetzung Bandoneón und Gitarre. Ebenfalls in der Fabrik Heeder zu hören war am 20. September der Berliner Bandoneónist Lothar Hensel mit einem Soloprogramm. Bereits im April eröffnete er mit "Die Klage des Bandoneón" musikalisch die Studiobühne II in der Fabrik Heeder. Neben Michael Zisman und Sebastien Fulgido trat Ende September der Norweger Per Arne Glorvigen auf. Es stehen für den Oktober noch ein Konzert von René Garcia und Gabriel Battaglia aus, und das Abschlusskonzert bestreiten am 8. Oktober der Argentinier Juanjo Mosalini und der Chilene Vicente Bögeholz.

Im Kielwasser des Festivals kommt auch "Señor Tango - die beste Tango-Show der Welt" für ein fünftägiges Gastspiel erstmals nach Deutschland, ins Ballhaus am Ostwall. In keinem Reiseführer über Buenos Aires fehlt für die Liebhaber des argentinischen Tangos der Hinweis auf Fernando Solers mitreißende Show und sein Theater, das 1500 Besuchern Platz bietet. In einem ehemaligen Gemischtwarenlager in Barracas, einem Arbeiterviertel am Hafen, längst die Tango-Hochburg in der argentinischen Hauptstadt, erzählt der Sänger Fernando Soler seit zehn Jahren jeden Abend die Geschichte der Stadt am Rio de la Plata.

40 Künstler treten in Buenos Aires in der sinnlichen Show auf, bei der sogar Gauchos mit echten Pferden durch die Szene reiten. "Im Ballhaus werden vier Tanzpaare, zwei Sänger sowie das original Orchester auftreten", verspricht Geschäftsführer Richard Röhrhoff, der sich zur Eröffnung des ehemaligen Lichtspieltheaters in der alten Kino-Passage nahe der Dreikönigenstraße keinen schöneren Auftakt vorstellen kann. Nur einem ist es bisher in der Vergangenheit gelungen, "Señor Tango" aus Buenos Aires wegzulocken. Das war der frühere US-Präsident Bill Clinton, der Fernando Soler und seine Show für ein Gastspiel nach Houston in Texas holte. Dort nahm Soler einige Jahre später auch den Bizz−Award für "die beste Tango-Show der Welt" entgegen. In den vergangenen zehn Jahren haben in Argentinien inzwischen drei Millionen Gäste die außergewöhnliche Show gesehen. Darunter auch Prominente wie Liza Minelli, Mariah Carey und Selma Hayek. In Krefeld heißt es vom 28. September bis 2. Oktober, jeweils ab 20.15 Uhr: "Vorhang auf!" Ebenso wie in Buenos Aires werden vorab ab 19 Uhr ein Aperitif und ein Dreigang-Menü geboten. Und nach der zweistündigen Show kann das Publikum selbst sich im Tango üben.

Der vorliegende Artikel setzt sich aus Veröffentlichungen in der Westdeutschen Zeitung, Ausgabe Krefeld, am 29.07.06 unter dem Titel "Liebeslohn mit einem Bandoneón bezahlt" und am 10.08.06 unter dem Titel "Señor Tango gastiert in Krefeld" zusammen. Zur Website der WZ...

Die letzten Konzerte des Krefelder Bandoneón-Festivals:

Freitag, 6. Oktober, 20 Uhr: René Garcia / Gabriel Battaglia, Fabrik Heeder
Sonntag, 8. Oktober, 20 Uhr: Duo Mosalini / Bögeholz, Fabrik Heeder

Karten für "Señor Tango" kosten pro Person 119 Euro (inklusive Dreigang-Menü, ohne Getränke).Tickets online buchen hier...

Mehr Informationen zu "Señor Tango" findet man hier...

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Ausgabe Oktober 2006

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)