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Ein Langzeit-Workshop mit Matias Facio in Berlin Text und Fotos: Kerstin Tomiak Charlottenburg in Berlin ist Tango-unerschlossenes Gebiet. Viel findet hier nicht statt, sieht man von der Montags-Milonga im Far out, einer Diskothek am Lehniner Platz mal ab. Den Tangotänzer (natürlich auch die Tangotänzerin) zieht es mehr nach Mitte oder Prenzlauer Berg, Kreuzberg ist ebenfalls noch potenzielles Ziel. Charlottenburg? Da zuckt man die Schultern. Eher nicht nach Charlottenburg. Ein klitzekleines Lädchen aber bricht auch hier, im tiefsten West-Berlin, mutig die Lanze für den Tango, die Rede ist, natürlich, vom Nou Berlin. Ein Hinterhof in der Zillestraße ist das Domizil des Nou und hier, unweit der Einkaufsmeile der Wilmersdorfer Straße, findet dann tatsächlich eines der Workshop-Highlights des Sommers statt.
Ungewöhnlich
mag sie gewesen sein, die Idee, aber nichtsdestotrotz erfolgreich. Workshops,
das sind normalerweise Stippvisiten durchreisender Tango-Koryphäen - oder
was man so dafür hält. Da steht man dann an einem oder auch zwei Tagen,
wird korrigiert und schaut vielleicht auch leicht frustriert, was die
so alles können. Und man selbst eben nicht. Ein Lehrer-Schüler-Verhältnis
entsteht so nicht, kann es ja auch gar nicht.
Da geht es denn in den einzelnen Stunden um Haltung, Rhythmus, Musikinterpretation und natürlich auch um Figuren - aber dabei mehr um die Frage: Wie führe ich tatsächlich eine bestimmte Figur? Wie gebe ich den entsprechenden Schwung und wie nehme ich - als Folgende - diesen Schwung auf? Das Hauptthema seiner Arbeit mit der Gruppe lässt sich wohl am ehesten so beschreiben: Da reagieren zwei Körper aufeinander. Die Betonung liegt auf "aufeinander". Kein simples Abtanzen möglichst akrobatischer Figuren in möglichst hoher Geschwindigkeit ist hier gefragt. Sein Hauptcredo ist dieses Einfache: "They should feel comfortable." Sich gut fühlen im Tanz mit den eigenen Bewegungen und mit denen des anderen, daran arbeitet er und er tut es mit Erfolg und mit Begeisterung. Da ist kein Schüler, auch nicht zwei Tänzerinnen ohne Tanzpartner, der nicht von ihm besonders beachtet wird. Seine Arbeit mit den Teilnehmern ist bemerkenswert, jeder kann sich im Zentrum seiner Konzentration fühlen, jeder kann etwas mitnehmen. Phasen des Tanzens, bei denen Matias und Claudia zusehen und sich Anregungen für die weitere Arbeit suchen, wechseln mit Phasen des intensiven Korrigierens. Zum Ende der zwei Stunden gibt es wohl keinen Schüler und keine Schülerin, mit der Matias nicht selbst getanzt hat, der oder die nicht selbst eine ganz direkte Erklärung von ihm bekommen haben.
Es ist ein beeindruckender Workshop und ein beeindruckendes Erlebnis. Und man sieht das Lächeln auf den Gesichtern der Teilnehmer, als der Tag beendet ist. Natürlich wird die Möglichkeit, einen einmonatigen Workshop anzubieten immer von den Kapazitäten der jeweiligen Schule und der Zeit des Gastlehrers abhängen. Aber das Nou, scheint es, ist mit diesem Prinzip auf einem guten Weg. Und es bleibt zu hoffen, dass Matias Facio wieder in Deutschland arbeiten wird - gern auch für längere Zeit. Möchten Sie einen Leserbrief zu diesem Artikel
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Email: willkommen@tangokultur.info Im Internet: www.tangokultur.info Herausgeber: Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.) |