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Teil 4: Specials

Foto: Torsten Moebis
Text: Veronika Fischer
Eigentlich haben die letzten drei Teile der DJ-Serie alles kurz
angerissen, was zum Handwerkszeug eines Tango-DJs gehört. Der letzte
Teil widmet sich Specials – verrückten (aber von der Autorin
erprobten) Ideen, wie man eine Milonga zum besonderen Erlebnis machen
kann. Im rein klassischen Salon wird wenig davon anwendbar sein, eine
alternative oder gar Crossover-Milonga kann aber sehr profitieren.
Varianten zur Tanda-Zusammenstellung
Tandas müssen nicht immer nur nach den
klassischen Regeln zusammengestellt werden – gerade bei
altnativ-lastigen Veranstaltungsteilen kann es sich lohnen, aus dem
Konzept auszubrechen.
Themen für die Tanda-Zusammenstellung,
durchaus auch im klassischen Salon, könnten z. B. witzige Tangos,
lyrische Tangos oder Tangos aus einem bestimmten Land (Russland, Türkei,
Finnland...) sein; bei einem größeren Repertoire solcher
fremdländischen
Stücke lässt sich auch der gesamte Abend als Tango-Reise (natürlich
mit "Zwischenlandungen" in Argentinien) gestalten.

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Auch eine Themen-Tanda – dasselbe Stück
von verschiedenen Interpreten – ist hin und wieder witzig, sollte aber
angesagt werden, um den Tänzern unliebsame Überraschungen zu ersparen. Mein Lieblings-Beispiel ist die
Hernando-tanda: "El escondite
de Hernando" von Alfredo de Angelis, "Hernando's Hideaway" von Max
Raabe/Palastorchester, "Dance with me" von Debelah Morgan.
Gelegentlich kann man auch Genres mischen,
um im Stil zu bleiben – das wirkt insbesondere dann rund, wenn man
ohne cortinas auflegt. Ein Beispiel wäre meine Klezmer-tanda mit
"Ajde jano and Time" von Kroke (Tangos), gefolgt von
"Di goldene
pave" von The Klezmatics (Vals).
Bei Alternativ- und Elektrotango können
die tandas aus weniger Stücken bestehen, um die klassische tanda-Länge
(10-15 Minuten) aufrecht zu erhalten. Auch hier achte ich meistens auf
2-3 Stücke mit ähnlicher Klangqualität (jazzig/lounge/rock), um Tänzer
vorzuwarnen, was die nächste Viertelstunde kommt, so dass sie
entscheiden können, ob und mit wem sie tanzen möchten. Dies gilt natürlich
insbesondere für Abende mit alternativem Schwerpunkt – bei nur
begrenzter Toleranz für alternative Musik wäre eine ganze tanda eines
Musikstils zuviel. Hier greift besser der Ansatz von Yale-DJane Tine
Herremann vor: das erste Stück energiereich/witzig, das zweite lounge/hypnotisch,
das dritte jazzig/blues, das vierte langsam/schmusig.
Themen-Cortinas
Manche Veranstalter wünschen die
Einspielung von cortinas – kurzen (20-40 sek.) nicht-tanzbaren Stücken,
die die einzelnen tandas voneinander trennen und den Tänzern die Möglichkeit
zum Wechsel geben. Es hat sich bewährt, die Stückchen vorzubereiten
(Schneiden, Crossfade-in und Crossfade-out). Besonders stimmungsvoll
wirkt es, wenn die verschiedenen cortinas (die sich aber ruhig
wiederholen dürfen) einem Thema folgen: Gospels für Weihnachten,
Lovesongs für den Valentinstag, Wolfsgeheul und Hexengekicher für
Halloween. Für die allwöchentliche Milonga sind The Beatles, Donna
Summer, Motown oder Elvis Garanten für gute Stimmung, cool sind auch
Zusammenschnitte aus aktuellen Filmen oder dem Werbefernsehen (selten so
gelacht wie in New York – plötzlich spielte der DJ den "Meow!"-Mix für
das gleichnamige Katzenfutter). Soll die Veranstaltung getragener
wirken, setze ich z. B. Edith Piaf oder Edvard Grieg ein.

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Übergang von klassisch zu alternativ
Plant man gezielt einen klassischen Salon
mit alternativem Ende – das wohl gängigste Konzept – so kann man
den Abend bewusst zweigeteilt gestalten: eine klassische "La cumparsita"
rundet den traditionellen Teil ab – und dann stürzt sich der DJ, und
hoffentlich die Tänzer mit ihm, ins alternative Vergnügen.
Will man eine Community gezielt an
alternativen Tango gewöhnen, oder auch im Rahmen einer all-alternative/crossover-Milonga
ab und zu eine traditionelle tanda bringen, so müssen öfter Übergänge
von traditionell zu alternativ geplant werden – eine Fallklippe für
die Atmosphäre. Generell werden Stilwechsel nach Vals- oder
Milonga-Tandas (klassisch) als nicht so krass empfunden, auch
dramatische Tangos (Pugliese, später Troilo) passen gut vor
alternativer Musik. Auf eine cortina sollte man dann eher verzichten.
Eine weitere Idee, die fast immer greift: ein Klassiker – und dann die
Remix-Version unmittelbar folgend, z. B. "Hotel Victoria" (Firpo),
dann von McDougall Tango, "La yumba" (Pugliese) und Remix von
TangoCrash, "El choclo" (d’Arienzo) und die Klezmer-artige Version
von Quadro Nuevo, "Tanguera" (Mores) und "El tango de Roxanne"
aus dem Moulin-Rouge-Soundtrack.
Tango-flow oder
Cross-faden
Manche lieben’s, manche hassen’s –
auch das Cross-faden oder Verschmelzen vom Ende eines und dem Anfang
des nächsten Stückes ist kontrovers diskutiert. Im klassischen Tango hat es
m. E.
nichts verloren, aber im alternativen Teil oder bei crossover-Milongas
kann so ein Tango-Fluss, in den man sich einreiht und wieder ausklinkt,
durchaus reizvoll sein.
Die Arbeit darf ruhig ein automatisches
Programm (z. B. auch die iTunes-Funktion, die unter "Einstellungen"
angewählt werden kann) übernehmen, allerdings sollte der Effekt vorher
mal ausprobiert werden, um allzu krasse Missklänge bei nicht
harmonierenden Tonarten aufeinander folgender Stücke zu vermeiden.
Professioneller geht es mit einem DJ-Aufsatz über iTunes, der dann die
genaue Abstimmung der Übermischung beider Stücke ermöglicht.
Lichtspiele
Wer einmal die perfekte Synchronisation
von Musik und Beleuchtung und deren Anpassung erlebt hat, wird die
Salons verfluchen, wo man die rot-orange Beleuchtung einmal anknipst,
und am Ende auslöscht. Am einfachsten ist es natürlich, die
Beleuchtung zu dämmen – wunderbar schmusig-melancholisch für langsame
Tangos oder kuschelige Valses. Bei Milonga-tandas darf’s ruhig ein
bisschen heller sein.
Arnoud de Graaff, der in Nijmegen
DJ-Workshops anbietet, schlägt den Einsatz von Farblicht vor –
rotlastig für lyrische Tangos und Valses, blaulastig für nuevo und
electrotango. Ausprobieren lohnt sich – ebenso der sparsame Einsatz
dieser Mittel, denn Lichtorgel auf der Tanzfläche wirkt hektisch und
zerstört die Atmosphäre. In Räumen, wo eine große weiße Wand
vorhanden ist, wirkt eine Film- oder Bilder-Präsentation umwerfend –
auch und gerade dann, wenn es nicht Tango-Bilder oder Filme sind, die
gezeigt werden.
Mit diesen Specials endet vorläufig die
DJing-Serie – Fragen oder weitere Anregungen werden weiterhin gerne
aufgegriffen. Viel Erfolg und vor allem viel Spaß und
Experimentierfreude beim Auflegen!
Lesen Sie auch den ersten Teil: Technische
Grundlagen in unserer November-Ausgabe 2006, den
zweiten Teil: Planung
einer Milonga in unserer Dezember-Ausgabe 2006, sowie den
dritten Teil über den musikalischen Aufbau
eines Abends in der Januar-Ausgabe 2007.
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Ausgabe Februar 2007
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