Tango-DJing – eine Einführung
 


Teil 3: Musikalischer Aufbau des Abends


Club Rodina, Berlin


Text: Veronika Fischer
Fotos: Elke Koepping

Teil 3 der DJing-Serie widmet sich der Milonga selbst, insbesondere dem musikalischen Aufbau des Abends und den Reaktionsmöglichkeiten auf Probleme vor Ort


Aneinanderreihung von Tandas

Viele Schritte der Ablaufplanung kann man schon zu Hause erledigen – insbesondere dann, wenn man öfter an einem Ort auflegt, bekommt man ein Gespür dafür, wie sich die Energiekurve am Abend entwickelt. Dennoch wird es im Laufe des Abends immer wieder nötig sein, tandas umzustellen, um auf das zu reagieren, was auf der Tanzfläche passiert. Grundsätzlich gibt es die folgenden Methoden, Tandas im Laufe einer Milonga aneinander zu reihen:

Kurzzyklus (~40 Minuten): 4 Tangos, 3-4 Valses, 4 Tangos, 3-4 Milongas (prima am Anfang des Abends, um Energie aufzubauen)

Mittlerer Zyklus (~50 Minuten): 4 Tangos, 4 Tangos, 3 Valses, 4 Tangos, 3 Milongas (Normalfall oder um die Energie aufrechtzuerhalten)

Langer Zyklus (~60 Minuten): 4 Tangos, 4 Tangos, 3 Valses, 4 Tangos, 4 Tangos, 3 Milongas (Normalfall, besonders gut später am Abend)

Zwei aufeinanderfolgende tandas sollten nicht zu ähnlich sein, sondern sich im Stil unterscheiden. Der Abend fängt eher mit sanfter Musik und klarem Beat an, die Klimax wird ca. eine Stunde vor Ende erreicht, dann kommt eine cool-down-Phase mit einer kleinen Klimax zum Ende. Ebenso bietet es sich bei gemischten Milongas an, traditionell zu beginnen, und je später es wird, desto mehr alternative Stücke oder Elektrotango zu spielen.

Erfahrungswerte für orquestas, die gut ankommen:

am frühen Abend: Anfänger-freundliche Musik: nicht zu langsam oder schnell, klarer Beat, z. B. Canaro, d'Arienzo, de Angelis

zur Hauptzeit: voller Klang (di Sarli, Tanturi, Canaro, d'Agostino) und valses (Caló, de Angelis). Kurze energiegeladene, dramatische Zyklen mit langen, sanften Wechseln.

am späten Abend: energiereiche Musik (Pugliese, moderne orquestas), Alternativ / Elektrotango und ein bisschen Milonga.

kurz vor Ende: dramatisch (Pugliese, Salgán, Piazzolla), hypnotisch (Elektrotango) und langsam auslaufen lassen (di Sarli, Alternativ)


Und die Milonga selbst?

Rechtzeitig kommen, Stromkabel für's Laptop und Cinch-Set nicht vergessen, kurzer Soundcheck, um zu wissen, wie die Lautstärke im Raum (und nicht am DJ-Pult!) wirkt, und die Milonga kann losgehen! 

Wichtig ist, ständig die Energie auf der Tanzfläche im Auge zu behalten – was geschieht? Wie kann man musikalisch darauf reagieren? Wenn viele begeistert Milonga tanzen, gönne ich den Tänzern ein extra-Stück. Wenn ein Stil gerade gar nicht ankommt, beende ich eine Tanda vielleicht auch schon früher – oder erfülle Musikwünsche, natürlich eingebettet in eine Tanda. 


Club Rodina, Berlin


Anzeichen für Probleme, die eine sofortige Reaktion erfordern, sind unter anderem:

Die Tanzfläche ist plötzlich leer: die Musik ist schwierig zu tanzen, zu langweilig, zu ähnlich der letzten Tanda – schnell ändern, meistens hilft Vals.

Oder: die Tänzer sind nach einer Milonga-/Elektrotango-Tanda total erschöpft – das nächste Mal kürzer oder ruhiger halten.

Auch gute Tänzer kommen mit der Musik nicht zurecht: zu geringe Lautstärke, oder das Stück ist – falls Non-Tango oder Alternativ – nicht tanzgeeignet

Tänzer wechseln nicht durch: die Musik ist zu ähnlich der letzten Tanda – oder es ist ganz einfach spät, und jeder hat seinen Lieblingspartner im Arm.

Geschubse: zu lebhafte Musik für einen zu kleinen Raum, zu viele Leute auf der Tanzfläche – ruhiger werden (Caló, loungiger Elektro- oder Non-Tango), Vals und Milonga vermeiden.


Nach der Milonga ist vor der Milonga

Wie überall gilt auch beim DJing: besser wird nur, wer sich kontinuierlich weiterentwickelt. Wenn es größere Probleme während der Milonga (s. o.) gab, oder ständiges Umstellen der Tandas nötig ware, sollte man die Gesamt-Strategie überdenken und anpassen – und um Feedback fragen. Was hat gefallen, was nicht? Gibt es konkrete Änderungsvorschläge? Obwohl es sehr viel Mut erfordert, einfach mal zu fragen, bringt gutes Feedback die Möglichkeit, mehr über die Tänzer und ihre bevorzugten Stile zu lernen.

Der dritte Teil der Serie hat die Milonga selbst – Aneinanderreihung der Tandas, und Anpassung während der Milonga - behandelt. Im nächsten Teil werden Specials besprochen: wie integriere ich Elektrotango oder alternative Stücke? Wie schaffe ich es, dass so richtig Tango-Feeling aufkommt? Wie kann ich eine besondere Veranstaltung aufpeppen? 


Lesen Sie auch den ersten Teil: Technische Grundlagen in unserer November-Ausgabe 2006 und den zweiten Teil: Planung einer Milonga in unserer Dezember-Ausgabe 2006.

Möchten Sie einen Leserbrief zu diesem Artikel schreiben?
Email an: Leserbriefe@tangokultur.info

Ausgabe Januar 2007

 


Email:
willkommen@tangokultur.info

Im Internet:
www.tangokultur.info

Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)