La Tour du Tango - eine Weltausstellung der anderen Art
 


Couleur Tango Festival Paris vom 30.3. – 1.4.2007


Text: Robert Schmitz-Niehaus
Fotos: RSN

 


Centre du Danse

Paris ist nicht nur die Stadt der Liebenden, sondern auch des Tango, die Wiege des europäischen Tango. Dass hier im Frühling ein Festival auf dem Plan steht – im Sommer gibt es noch eins – reizt mich doch sehr, und so beschließe ich der Stadt der unendlichen Attribute meine Aufwartung zu machen.

Das Couleur Tango Festival Paris lädt mit einem nostalgischen Werbeflyer ein, die Stadt zu besuchen. Folgerichtig kann man Traditionelles erwarten. Tradition hat das Couleur Tango Festival allemal, findet es doch zum 13. mal statt, somit sicherlich eines der ältesten Festivals auf dem „alten Kontinent“. Traditionell auch die Musik: Das Orchester Tangata Quintet spielt gekonnt und einfühlsam die schönsten Tangos... doch eins nach dem anderen!

Das Festival startet am Freitag Nachmittag – ungewöhnlich? Nicht für Traditionalisten und Pragmatiker: da ist bereits Wochenende. Ab 16:00 die erste Veranstaltung mit Life Musik und – leider die einzige - mit Gesang. Für mich leider nicht besuchbar, denn da hätte ich neben Montag auch am Freitag Urlaub nehmen müssen. So kommt mein Flug erst um 20:30 in Orly an und ich nicht mehr zu dieser schönen Darbietung. Aber man erzählt mir, es sei sehr schön gewesen. Emma Milan mit Quartet war hörenswert. Schade, das nächste mal.

Direkt vom Flughafen kommend gehe ich in die ehrwürdigen Gemäuer der Cité Universitaire, dem Hauptgebäude des alten Campus, um den ersten Ball des Festivals zu erleben. Gleich am Eingang treffe ich Marc Pianco, meinen Kontakt und Mitorganisator des Festivals, Urgestein der Pariser Szene, der mich sehr freundlich, offen und hilfsbereit in Empfang nimmt. Stilvoll geht es hier zu, die Damen kommen in großer Robe und die Herren jedenfalls mit Sakko. Ich hätte es doch wissen sollen – und ziehe statt des obligaten T-Shirts wenigstens ein ordentliches Hemd aus der Tasche, um nicht gleich als homme fatal et foux identifiziert zu werden. Es lässt sich auf Dauer jedoch nicht vermeiden...

Dann betreten der Ballstätte: der Prunksaal der Universität, den Salon Honnorat, wie passend. Wow – da bleibt einem erst mal der Atem weg. Königlich die Maße in allen drei Dimensionen, bestes Parkett, schönste Musik. Zwei der anwesenden vier Lehrerpaare geben Kostproben ihres Könnens: Andrea Misse & Javier Rodriguez sowie Erna & Santiago Gaichello. Hier gibt es keine besten Paare, die sind alle Weltklasse. Tango de Salon in Vollendung, so möchte einer selbst es auch beherrschen, bleibt aber wohl ein Traum.

Der zweite Abend ist dem ersten ähnlich, nur dass andere Lehrer tanzen – Johanna Copes & Bruno Gilbertoni sowie Gisela Passi & Rodrigo Rufino - und dass das Ensemble Tangata Quintet heute sehr Piazzolla orientiert aufspielt. Ich liebe Musik von Astor, auch zum Tanzen, aber nicht den ganzen Abend. Offensichtlich haben sich DJ und Orchester verbündet und diese wunderschöne Musik zum Motto des Abends gemacht. Erwähnt sei, dass die Ballveranstaltungen bereits um 02:00 beendet werden. Das ist weder traditionell, noch modern - sondern einfach nur schade! Da ist der Tourist noch nicht „satt“.

Der dritte und letzte Abend findet im „Centre du dance“ statt, einer modernen, zweckmäßigen Räumlichkeit. Hier gibt’s Musik aus der Konserve, blendend gemacht von Danielle . Das Publikum passt sich hier genauso deutlich der Namensgebung der Örtlichkeit an wie auf den ersten zwei Bällen. Wir bekommen alle Lehrerpaare nochmals zu sehen, und um 03:00 früh hat dann alles leider ein Ende.

Die angebotenen Workshops sind gut besucht, vom Niveau wird alles geboten, und die Tänzer sind sehr diszipliniert. Das zeigt sich auch auf allen Tanzveranstaltungen: die Szene hier ist auch auf dem freien Parkett auf die Regeln, auf das kultivierte Miteinader sehr bedacht. Das macht das Tanzen hier in jedem Fall sehr angenehm, die Atmosphäre ist immer stressfrei und es ist nie zu voll dank des Augenmaßes der Veranstalter und der von ihnen ausgegebenen Karten.

Résumée: Ein wunderschönes Festival in einer königlichen Stadt mit ganz vielen lieben Menschen.  –  Immer wieder!

 

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Ausgabe Mai 2007

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)