CD-Rezension
 


Seis Luces: Tango Bizarro, Bizarre Tango

Label: Suramusic
Vertrieb: Just Records Babelsberg
VÖ: 05.05.2006
Spieldauer: 55:27 Min.

Text: Jörg Buntenbach

Das Wort "bizarr" ist nicht so ohne Weiteres zu definieren. Es kann "merkwürdig", "eigenwillig", "lächerlich", "überspannt", "phantastisch", "verschroben" und vieles mehr heißen. Von daher ein passender Titel zur CD Tango Bizarro, Bizarre Tango von Seis Luces, denn beim ersten Reinhören ist diese Musik eher verwirrend. Das Album wird in Deutschland im Mai 2006 veröffentlicht, wurde jedoch bereits im letzten Jahr in Argentinien produziert und auf den Markt gebracht.

Alejandro Fernández Lecce ist der Kopf von Seis Luces. Er hat 13 Musiker um sich versammelt und 16 Stücke arrangiert, komponiert, programmiert und gesampelt. Eine Mischung aus Elektrotango, Popmusik, Jazz und durchschnittlicher Filmmusik, die so anmutet, als orientiere sie sich an amerikanischen Fernsehserien der frühen 80er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Der erste Titel "Un amor sin igual" besitzt einen eingängigen Rhythmus. Mehr jedoch nicht. Der große Canaro stand hier mit seinem "Te quiero" Pate. Nützt aber nichts. Zu viel Technik, zu wenig Herz! Es schließt sich "Tirao" an. Hier wurde "Fangal" von Homero Expósito und Discépolo gnadenlos gesampelt. Auch dies kein Stück, das überzeugt. Erst bei "En la zona roja", der Nummer 4 der CD, wird man hellhörig. Für dieses Stück zeichnen sich Fernando Falcoff und Zully Pinto federführend verantwortlich. Die elektronische Musik wird hier wohltuend durch das Klavier und dem warmen Gesang ergänzt. Frühlingshaft!


Rückseite CD-Cover

Das getragen-jazzige "Cantor de mi Barrio" wirkt dadurch angenehm, dass es sich nicht durch nervende Beats und Loops aufdrängt. Die coole Unaufgeregtheit dieses Songs animiert zum Müßiggang. Schön! "Milonguero", Titel Numero 8, besticht durch seine unumstößliche Beschwingtheit. Scratching, digital erzeugte Klänge und konventionelle Instrumente wurden hier gekonnt miteinander verwoben. Das hat Herz! Beim nächsten Stück "Voz de Bandoneón" wurde "Aqui nomás" von Stanponi und Cátulo Castillo versampelt. Doch hier wirkt das Miteinander der verschiedenen Elemente eher wie ein Gegeneinander. Das Arrangement scheint zu überladen. Hier ist zu viel Effekthascherei im Spiel. Zwar nicht ganz schlecht, aber sich nur zu bemühen reicht halt nicht! Romantisch und voller Gefühl geht es jedoch mit "Abril" weiter. Ein langsames, träumerisches Stück. Musikalisch gesehen mit leicht französischem Einschlag. Der Sprechgesang erinnert an eine sehr erwachsen gewordene Vanessa Paradis. Die folgenden Stücke sind nett, jedoch ohne zündende Ideen. Es findet zu viel Wiederholung statt.

Fazit: die CD Tango Bizarro, Bizarre Tango erschließt sich nicht zwangsläufig beim ersten Hören. Zudem ist dieses Album nur Freunden elektronischer Musik zu empfehlen. Für die Milonga ist die Platte ungeeignet. Als herausragend würde ich folgende vier Titel herausheben:

1. "En la zona roja"
2. "Cantor de mi Barrio"
3. "Milonguero"
4. "Abril"

Schade, denn hier zeigt sich wieder einmal, dass es sich nicht immer lohnt, gleich eine ganze CD mit 16 Titeln zu kaufen. Als Alternative gibt es inzwischen jedoch die Möglichkeit, einzelne Titel legal aus dem Netz herunter zu laden.


Die Homepage zur CD: www.bizarretango.com.ar 

Music-Download:

Das vorgestellte Album gibt es auch zum Download bei unserem Partner iTunes. Einzelne Titel oder als Ganze CD (mit Hörproben). Hierzu einfach den nachfolgenden Button anklicken:

Seis Luces - Tango Bizarro

 

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Ausgabe Mai 2006

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)