CD-Rezension
 


Vivo von Tango Fuego

Text: Jörg Buntenbach

Produktion: Musikbüro Köln
Veröffentlichung: 2006
Spieldauer:  54:37 Min.

Das Ensemble Tango Fuego hat sich 1991 gegründet. 1994 veröffentlichten die Musiker ihre erste CD, die sie "Otros Tiempos" nannten. 1996 folgte "Encuentros" und 1998 das Live-Video "Tango Fuego 1998".
Das neue Album wurde im Februar 2006 live eingespielt und heißt "Vivo" (lebendig). Das schürt natürlich die Erwartung, dass die fünf Musiker hier etwas tatsächlich lebhaftes präsentieren und nicht in kammermusikalischer Introvertiertheit Chancen verspielen.

Gleich das erste Stück soll die Richtung vorgeben: "Taquito Militar", eine Milonga vom alten Meister Mariano Mores, macht schon von Natur aus Stimmung. Sergio Fabián Carbone am Bandoneón, Detlef Strüwe am Piano, Fritz Roppel am Kontrabass und Sebastian Reimann an der Violine spielen den Titel mit der nötigen Leichtigkeit und setzen zu den passenden Zeitpunkten die richtigen Akzente. Für meinen Geschmack trifft die Violine die Töne nicht immer ganz sicher, doch dieser Aspekt ist zu vernachlässigen, da der Gesamteindruck einfach stimmig ist.

Mit dem Klassiker "Duelo Criollo" geht es weiter. Ruhig, tanzbar und ganz im Stil der `Guardia Nueva´, der so genannten neuen Garde, die die Milongas der 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufmischte.

Der wunderschön melancholische Tango "Nada" (nichts) schließt sich an. Die Sängerin Laura D'Onofrio, die das Ensemble vervollständigt, kann leider nicht überzeugen. Ihre Stimme wirkt zu angestrengt. Es fehlt die berühmte Authentizität. Ähnlich verhält es sich beim folgenden Tango "Pasional". D'Onofrio vermag es nicht, ihre Zuhörer mitzunehmen. Sie erscheint zu aufgesetzt, zu pathetisch - zu wenig bei sich selbst.

Der Vals "Romance de Barrio" ist wieder ein Instrumental-Stück. Und auch hier fällt, wie bereits bei "Taquito Militar", die Violine auf: manchmal etwas zu hoch, manchmal scheinbar unsauber gespielt. Gerade bei diesem Instrument wird der kleinste Fehler sofort hörbar.

Insgesamt befinden sich 14 Titel auf diesem Album. Fast durchweg tanzbare Klassiker. "Oblivion" und "Libertango" von Astor Piazzolla bilden die Ausnahme. Und bei diesen beiden Tangos überzeugen Tango Fuego aus meiner Sicht am meisten. Vor allem das Bandoneón von Sergio Fabián Carbone kann die in "Oblivion" enthaltenen musikalischen Emotionen zu 100 Prozent transportieren. Bei "Libertango" toben die Musiker sich so richtig aus, legen sich ins Zeug und zeigen ihr ureigenes ICH. Da merkt man, was in ihnen stecken könnte. So sollte es sein: leidenschaftlich!

"Vivo" von Tango Fuego ist keine spektakuläre Neuerscheinung. Die Aufnahme wird eher von solidem Handwerk bestimmt. Nur an wenigen Stellen blitzen außergewöhnliche Nuancen in den Arrangements auf, und die Titelauswahl kann nicht als originell bezeichnet werden. Das soll nicht heißen, dass diese CD absolut unhörbar ist - aber es gibt leider zu viele ähnliche Produktionen auf dem Markt, die kein Alleinstellungsmerkmal haben.

 

Die Website von Tango Fuego: www.tango-fuego.de

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Ausgabe April 2007

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)