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"Dus Gezang Fin Mayn Harts" von Karsten Troyke & Trio Scho
Tango oyf Yiddish
Label: Oriente Musik
Veröffentlichung: November 2006
Best.-Nr.: RIEN CD 59
Spieldauer: 53:31 Min. |

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Text: Jörg Buntenbach
Karsten Troyke
wurde in Berlin geboren und ist ein deutscher Chansonsänger,
Schauspieler und Sprecher, der sich vor allem mit jiddischen Liedern
einen internationalen Namen machte. Sein Album "Yiddish
Anders" aus dem Jahr 1992 erhielt den Preis der deutschen
Schallplattenkritik. Sein Markenzeichen ist seine rauhe, brüchige
Stimme. Troyke selbst sieht sich als Botschafter
des jiddischen Liedes und war zuletzt mit seinem Programm "The best
of Klezmer" im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie zu
erleben, wo er zusammen mit den Musikern vom Trio Scho auf der Bühne
stand. Auch auf der neuen CD "Dus Gezang Fin Mayn Harts"
bilden die Musiker ein Gespann und präsentieren mit insgesamt 16 Titeln
"Tango oyf Yiddish".
Die Berliner Tangoszene kennt das
Trio Scho sowohl von seinen Auftritten im Berliner b-flat als auch von der CD
"b-flat Milonga". Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass nun
Karsten Troyke den russischen mit seinem jiddischen Tango ergänzt.
Beides kommt schließlich aus Osteuropa und liegt musikalisch nicht so weit
voneinander entfernt. Zudem arbeiteten die Musiker bereits bei anderen Projekten zusammen und kennen sich seit Jahren. Da hat
sich gefunden, was zusammen gehört.
Bei den 16 Liedern auf
dem Album geht es, wie bei den meisten argentinischen Tangos auch, fast
immer um die Themen, die uns alle tagtäglich begleiten: Liebe,
Eifersucht, Sehnsucht, Trennung, Schmerz, Hoffnung. Im Booklet sind neben Troykes einführende Worte zur Entstehung und
Inhalt der CD auch die Texte nachzulesen. So heißt es beim ersten Titel "Akh Nem Mikh, Liber":
"Erinnerst du dich an die schöne Nacht – du hast mir gesungen: Nimm
mich, Lieber, deine Augen sind schwarz wie Kohlen. Trink schwarzen,
süßen Wein...Nun bin ich allein, ohne Geld und 'schikker' (betrunken)."
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Karsten Troyke und
das Trio Scho im b-flat Berlin Foto: Torsten Moebis
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Bei all der
ungeschminkten Realität, die hier dem Hörer entgegenzuschlagen
scheint, sind die Lieder jedoch immer gepaart mit Ironie und einer
gewissen Beschwingtheit. "Ven Di Lakhst" ("Wenn du
lachst") steht für das perfekte Zusammenspiel der Musiker, wobei
das Wort SPIEL groß geschrieben werden muss. Troykes Gesang, das
Akkordeon, die Geige und der Kontrabass ergänzen sich so hervorragend, dass man nicht selten Lust hat, sich den soeben gehörten Titel
gleich nochmal anzuhören. Wenn sich dann noch die Klarinette Jan
Hermerschmidts dazu gesellt, besteht überhaupt keine Gefahr mehr, dass
man von Langeweile und/oder Ideenlosigkeit überrascht wird. Hier sind
tanzbare, jiddische Schlager im Tangogewand zu hören, die sich ganz nah
an der Folklore bewegen.
Bei so viel Licht muss es
natürlich auch Schatten geben: einige Stücke (z. B. "Fin A Shtayn
Geboyrn") muten doch zu sehr nach biederem Heimatabend an und
erreichen nicht die Qualität der CD-Highlights. Das wird jedoch
meistens durch den nachfolgenden Titel ausgebügelt: nach dem eben
genannten schließt sich das Titelstück "Dus Gezang Fin Mayn
Harts" an, das wieder überzeugen kann.
An dieser
Stelle sei auf Benzion Witler hingewiesen, ein Troubadour des
Jiddischen, aus dessen Feder viele der Lieder auf dieser CD stammen. So
auch "Belz", mein Lieblingssong des Albums. Es ist ein Lied
über Belz, Witlers Geburtsort: "Erzähl mir Alter, von deiner
Kinderzeit. – Das Haus ist alt heute, mit Moos und Gras bewachsen. Einst
war es glänzend und schön... Ich sehe Papa in sein Buch vertieft, die
Mama sitzt in ihrer Ecke und singt: Belz, mein Städtele Belz ..." Lieder wie dieses gehen unter die Haut.
Fazit: "Dus Gezang Fin Mayn Harts"
ist allen zu empfehlen, die jiddische Musik mögen, sich unterhalten
lassen möchten und gleichzeitig interessiert sind an den verschiedenen
musikkulturellen Entwicklungen, die der Tango bietet. Sicher gibt es bessere
Sänger als Karsten Troyke – aber kaum einer
verkörpert seine Musik so wie er. Er ist mit ganzer Seele dabei. Er
lebt seine Musik. Und das ist zu spüren.
Mehr Informationen über
Karsten Troyke gibt es auf seiner Homepage:
www.karsten-troyke.de
Weitere
Tango-CDs bei Oriente-Musik:
"Gloomy Sunday – 1931 bis 37" von
Pjotr Leschenko (russischer Tango)
Die Rezension: jetzt lesen...
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Ausgabe Dezember 2006
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