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"Tango à trois" von Anja Lechner
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Label: Farao Classics
VÖ: 1995
Spieldauer: 53:34 Min.
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Text: Jörg Buntenbach
Dass wir an dieser Stelle eine CD vorstellen, die bereits 11 Jahre alt ist,
liegt nicht daran, dass es keine brauchbaren Neuerscheinungen aus der
Tangomusikwelt gibt (zumindest nicht nur daran), sondern weil wir zum einen auf ein
Konzertereignis und zum anderen auf eine
Ausnahmemusikerin aufmerksam machen wollen.
Bei dem Konzert handelt
es sich um eine Aufführung im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie
am 27. Oktober 2006. An diesem Abend werden Dino Saluzzi und Anja Lechner
dort live zu erleben sein. Ein Termin, den man sich vormerken sollte.
Saluzzi und Lechner tourten in den vergangenen Monaten bereits durchs
Land und begeisterten u. a. auf den Runkelsteiner Klangfesten (was für
ein schöner Name) in Südtirol und bei einer Programmreihe des Botanischen Gartens in
Augsburg.
Anja Lechners
musikalischer Werdegang ist von Facettenreichtum, Poesie und
spielerischer Klarheit geprägt. Seit 1992 ist sie Cellistin des
Rosamunde Quartetts München, ab 1993 Kammermusikprofessorin an der
Musikhochschule Graz. Auffällig wurde sie bereits 1981, was
wahrscheinlich kaum jemand wahrgenommen hat, weil ein ganz anderer im
Mittelpunkt stand: Reinhard Fendrich. Auf seinem für meine Begriffe
bestem Album Und alles is ganz anders word'n wirkte Lechner
bereits mit. Zusammen mit ihrem langjährigen Weggefährten und
Pianisten Peter Ludwig, der bei genannter LP neben Gerhard Breyer für
die musikalische Leitung und die Arrangements zuständig war, trugen sie
maßgeblich dazu bei, dass Und alles is ganz anders word'n zu
einem musikalischen Erlebnis wurde.
Bei Tango à Trois
holten Lechner und Ludwig sich Andreas Reiner (Violine) hinzu.
Inspiriert von Bossa Nova, Tango, Polka, Walzer und Jazzballaden, wie es
in der damaligen Presseankündigung zum Konzert hieß, wurde Tango à
Trois auf den Weg gebracht, im Lustspielhaus München aufgeführt
und dort mitgeschnitten. Das Ergebnis ist diese CD mit insgesamt 14
Titeln.
Cäsar der Hund
heißt der erste Titel, und so hört er sich auch an: ein kleiner Hund,
der mit seinen kurzen Beinen viele und schnelle Schritte machen muss, um
diese Welt zu entdecken. Spielerisch, etwas naiv und voller Dynamik. Daran schließt sich Tango Nuevo an. Welch ein Kontrast zum
ersten Titel: molllastiger, ernster - aber nicht minder überzeugend.
Die Spielfreude der Musiker überträgt sich ohne Umwege auf den Hörer.
Beim Flockenballett stellt man sich Kinder vor, die ohne
Hintergedanken und gar nicht kopfgesteuert, lustig hüpfend und voller
spielerischer Ideen das Leben ausprobieren.
Daran schließt sich der
Titel Paris an. Mit geduldigem Beginn, eindringlicher, zum
Innehalten auffordernd - um dann voller Lebenslust das Leben zu bejahen.
Dann schleicht sich Tango Obscur heran. Auf leisen Sohlen.
Verträumt, entspannt - und voller Hingabe. Joshua erinnert an einen Film der
Nouvelle Vague. Ein Stück
zwischen Lässigkeit und Schwermut, bei dem die Lässigkeit jedoch immer
die Oberhand behält. Samba, der sich daran anschließende Titel, suggeriert uns
südamerikanische Rhythmen, die zwar angedeutet, an die wir jedoch mit
Bedachtsamkeit herangeführt werden. Letztendlich ist es eher ein Samba
für spätnächtliche Baratmosphäre.
Tango c-Moll reißt uns dann energisch mit in den Strudel der
Geschäftigkeit einer großstädtischen Rush Hour, was anschließend von Spannt
die Bögen mit einer zu alles entschlossener Kraft fortgesetzt wird.
Hier werden sich die musikalischen Bälle nur so zugespielt, dass einem
fast schwindelig wird. Das ist schon ziemlich großartig! Etwas ruhiger wird es dann wieder mit dem Titel Tango Triste, bei
dem man das Gefühl hat, dass hier jemand einer großen Sehnsucht
nachhängt.
Schwungvoll werden wir dann bei Itaparika aus unseren
Sehnsuchtsgedanken herausgerissen und finden uns wieder in einer
sprunghaften Welt, die sich zu ernst nimmt, um sich dann voller Ironie
wieder in Frage zu stellen. Der Chinawalzer holt uns aus dem Alltag heraus. Beim
sonntäglichen Tanzvergnügen lässt er uns durchatmen, bevor Nachts
uns auf eine neue Woche voller neuer Aufgaben vorzubereiten versuchen
möchte. Den Abschluss bildet ein Klassiker des Tango Nuevo: Liber Tango
von Astor Piazzolla wird hier in einem eher getragenen Arrangement
präsentiert. Eindringlich, kraftvoll und mit vielen überraschenden
Akzenten.
Die musikalische Energie
von Tango à Trois ist bestechend. Das Zusammenspiel der Musiker
ist außergewöhnlich und steckt voller kreativer Ideen. Das macht Lust
auf mehr von diesen Musikern.
Karten für das Konzert am 27. Oktober 2006 um 20 Uhr im Kammermusiksaal
der Philharmonie in Berlin gibt es bequem online hier bei uns über
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Ausgabe Oktober 2006
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