CD-Rezension
 


Murga Argentina von Cáceres

Text: Jörg Buntenbach

Label: Mañana Music
Veröffentlichung: 11.08.2006
Best.-Nr.: MM425004
Spieldauer:  42:37 Min.

Eduardo Makaroff verschaffte sich mit seinem Gotan Project in den letzten Jahren in erster Linie mit elektronischen Tangobeats Aufmerksamkeit. Er ist aber auch Mitbegründer des Labels Mañana und produzierte die vorliegende CD "Murga Argentina" von Cáceres. "Murga" bezeichnet die Energie und die Stimmung des argentinischen Karnevals, der seit Beginn des 20. Jahrunderts in Buenos Aires stattfindet. 15 Titel laden ein, den Tango neu zu entdecken, wobei Einflüsse aus verschiedenen Musikrichtungen unüberhörbar sind. Vor allem afrikanische Rhythmen geben den Ton an und verleihen dem Tango ganz andere Impulse, als wir sie von manchen Aufnahmen der Guardia Nueva à la Orchester von Julio de Caro, Juan D'Arienzo oder Di Sarli her kennen.

Titel 1 "Guariló" (eine Candombeguariló) beginnt mir verhaltenen Percussions und einem einfühlsamen Klavier, bevor die markante Stimme von Juan Carlos Cáceres einsetzt, die ein wenig an den großen Roberto Goyeneche erinnert. Ein musikalisch sensibler Beginn, der fast so wirkt, als wollten die Musiker sich langsam an ihre Hörer herantasten. "Barrio" schließt sich fast nahtlos an, wird dann jedoch wesentlich rhythmischer und vermittelt einen Hauch von niveauvoller Karnevalsstimmung. Fast unmerklich wird auf das nächste Stück "Cumtango" überblendet, was dramaturgisch absolut in dieses Gesamtwerk passt und nicht nur zwischen den zuletzt genannten Liedern zu hören ist. "Cumtango" ist eine Mischung aus Milonga und Candombe und passt durchaus in eine Milonga, in der Wert darauf gelegt wird, das Publikum nicht nur einzuschläfern.

"Asado con cuero" stellt sich für mich als eine kleine Enttäuschung dar, denn dieser Titel fällt aus der Reihe. Nicht im musikalischen Sinne, sondern eher was den Stil betrifft: für meinen Geschmack gleitet die CD hier etwas zu sehr ins Folkloristische ab, was sich der mitteleuropäischen Mentalität nicht unbedingt erschließt. Auch "El Tango", eine Tango-Milonga, gehört meines Erachtens nicht zu den Highlights auf dieser CD. Dazu ist dieser Titel zu gewöhnlich arrangiert. Dieser Stil erinnert an zu viele andere Einspielungen aus der Tangomusikgeschichte. "Sabor compadre", eine langsame Milonga, hört sich hingegen wieder nach einem Stück mit einem gewissen Wiedererkennungswert an. Obwohl die Klavierphrasen doch etwas zu eingängig erscheinen.

Mit "Cahumbambé" und dem direkten Übergang zu "Miremos al mañana" gewinnt die CD jedoch wieder an Fahrt und fängt hier richtig an, Spaß zu machen. Partystimmung kommt auf und lockert nicht nur die Stimmung einer Milonga auf. Das zuletzt genannte Stück gehört in jeden Club, der die Weltmusikschiene bedient. Ein weiterer Höhepunkt ist Titel 9: bei "Bar Florido" wird einem richtig warm ums Herz. Im Duett mit Sophie Lemaire wird der Hörer auf eine verträumte Reise geschickt, um bei "José Mármol y Tarija" beschwingt durch die Straßen zu tanzen. "La del Mono" schließt sich der zuvor beschriebenen Stimmung an. Die Milonga "Asi me gusta" führt dann das fort, was die zuvor gehörten Stücke dramaturgisch aufgebaut haben. Und die Tänzerinnen und Tänzer wird dieser Titel sicher nicht kalt lassen. Das Titelstück "Murga Argentina" schließt sich nahtlos an. Das Zusammenspiel zwischen Musikern und Chor wirkt sozusagen authentisch und somit überzeugend.

Der vorletzte Titel "Se fue el carnaval" wirkt wieder etwas ruhiger. Mit Geige und Cello erinnert dieses Stück etwas an osteuropäische Musik zwischen Klezmer und Zigeunerweisen, verleugnet dabei jedoch nicht seine südamerikanische Herkunft. Dieses Lied gehört für mich zu den Besten auf der CD. Mit "La Retirada" klingt das Album aus. Melodisch und unaufgeregt mit einem Touch Habanera.

Fazit: die CD "Murga Argentina" von Cáceres ist allen zu empfehlen, die nicht nur den Tango neu entdecken wollen, sondern darüber hinaus einfach nur gute Musik hören und tanzen wollen. Zudem ist das Cover der CD sehr detailverliebt gestaltet (siehe Foto) und bietet somit auch etwas fürs Auge!

Dieses Fazit fällt übrigens nicht allein deswegen so gut aus, weil die CD über uns erhältlich ist (click here), sondern weil sich das Album tatsächlich abhebt von vielen anderen Neuerscheinungen...


Innenansicht CD "Murga Argentina"

Noch ein Wort zu den Musikern: hinter Cáceres verbergen sich neben dem Komponisten, Sänger und Pianisten Juan Carlos Cáceres der Bandoneonist und Akkordeonist Nini Flores auch Paul Lazer an der Geige und weitere Perkussionisten aus Argentinien.


Von Mañana Music sind neben "Murga Argentina" auch folgende empfehlenswerte CDs erschienen:

  • "Santa Milonga" von Melingo: zur Rezension...

  • "La Cambiada" von Di Gusto y Camerata Ambigua

  • "Clásico y moderno" von Mosalini y Quatuor Benaim interpretan Beytelmann

  • "Tango Esencial" von Horacio Molina

  • "¡Sigamos!" von Gustavo Beytelmann


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Cáceres - Murga Argentina

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Ausgabe Januar 2007

 


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Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)