Wer ist BerlinTango?
 


Eine Plattform von Profis, die sich klassisch geben


Text: Jochen Hille
Fotos: Michael Grasmann

Im Dezember stellte sich BerlinTango mit einer Veranstaltung in eigener Sache, einem Unterrichtsmarathon unter dem Titel "La práctica total", im Ballhaus Rixdorf vor. BerlinTango ist eine Plattform von TangokünstlerInnen aus Berlin, die sich in einer Gesellschaft Bürgerlichen Rechts zusammen gefunden haben, um gemeinsame Projekte durchzuführen und den Berliner Tango zu promoten.

Entsprechend findet man viele Tanzschulen, Tanzlehrer - Granden und Grandinen Berlins -  und einige Musiker in diesem Zusammenschluss. BerlinTango ist kein verschlafener Sportverein, in dem auch Tango getanzt wird, sondern vielmehr eine Vereinigung von Profis mit kommerziellen Interessen. Insofern provozierte die auf dem Flyer zum Unterrichtsmarathon abgedruckte Ankündigung, es handle sich um eine "Benefizveranstaltung für die große BerlinTango-Show im März 2006", eine etwas eigensinnige Aussage; schließlich häkeln keine Omas Topflappen für die Welthungerhilfe, vielmehr sammelt eine Personengesellschaft Geld, um ein gemeinsames Projekt zu finanzieren, so, wie eine Gruppe von jungen Klinikärzten ihre Gehälter zusammenlegt, um eine gemeinsame Praxis einzurichten.

BerlinTango wirbt mit dem Slogan "Tangoshow made in Berlin". Damit ist wohl ausschließlich eine Herkunftsbezeichnung gemeint, denn die Webseite von BerlinTango ist durch und durch klassisch. Die Ikonografie der Tanzpaare in Showpose (siehe Fotos), die eingespielte Musik und die schwarz-roten Farbkombinationen - das alles kennen wir schon vom argentinischen Vorbild. Auch die Texte der Webseite reproduzieren die üblichen Geschichten über den Tango wie Bordelle, Hafenkneipen und Argentinien. Als Werbestrategie um ein Nicht-Tango-Publikum anzusprechen, ist es clever diese vertrauten Chiffren zu benutzen. Sonderlich einfallsreich finde ich es aber nicht. Vielleicht wäre eine peppigere Selbstdarstellung bei einer so großen Anzahl von TangokünstlerInnen aber kaum kompromissfähig gewesen. Dennoch frage ich mich, was "Tango made in Berlin" vom "Tango made in Argentinien" unterscheidet - bisher scheint es mir eher eine passgenaue Kopie zu sein. 

Trotzdem finde ich es positiv, wenn sich Berliner TangokünstlerInnen auf diese Weise zusammentun. So lernen sie sich untereinander kennen und bilden eine Gruppe. Sozialwissenschaftler nennen das einen 'Vergemeinschaftungsprozess'. Die Chance solcher Gruppen ist, Projekte hinzubekommen, die sonst nicht ins Leben gekommen wären. Für Berlin und die Tangoszene in Deutschland wäre es ein Gewinn, wenn BerlinTango in diesem Sinne handlungsfähig bleibt und glückreich würde. Schließlich ist Berlin eine bedeutende Tangometropole. Mehr Werbung für den Tango tut nicht nur den bei BerlinTango vereinten Tanzlehrern gut, die dadurch mehr Zulauf an Schülern bekommen - vielmehr sollte die gesamte Berliner Tangoszene ein Interesse daran haben, dass die Szene floriert. Denn nirgendwo kommt größere Langeweile auf als in einer leeren Milonga!

Auch hoffe ich, dass die BerlinTango-Show "Ilusión de tango" in der Akademie der Künste ein Erfolg wird, so wie Starlight Express in Bochum oder Cats in Hamburg. Je mehr sich Berlin als Tangometropole etabliert, umso leichter wird es auch für andere Künstler werden, öffentliche und private Mittel für Tangoprodukte loszueisen.

Weitere Informationen zu Berlintango siehe: www.berlintango.com

Premiere von "Ilusión de tango" ist am 25. März 2006 in der Akademie der Künste in Berlin im Hanseatenweg 10.
Weitere Aufführungen: 31.03., 01.04. und 02.04.06. Beginn jeweils um 20 Uhr. Eintritt: 25 Euro. Telefonische Kartenvorbestellung tägl. 9 bis 22 Uhr unter (030) 200570

Einen Kommentar zur "Práctica Total im Ballhaus Rixdorf" lesen Sie unter nachfolgendem Link: Mehr...

Die Website des Fotografen Michael Grasmann finden Sie hier: Link...

Anm. der Redaktion zum Tango in Berlin:
Neben BerlinTango gibt es auch den im Frühjahr 2005 gegründeten Tangokulturverein Berlin e.V., über den wir in unserer August-Ausgabe 2005 berichtet haben:
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Umfangreiche Informationen zum Tango in Berlin finden Sie in unseren folgenden Rubriken:

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Ausgabe Januar 2006

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)