Ein ganz dickes Osterei - und viele viele Highlights drum herum!
 


8. internationales OstertangoFestival in Basel vom 5.-7. April 2007


Text: Robert Schmitz-Niehaus
Fotos: RSN, Sidler

 

Ostern im Dreiländereck: tanzen bis der Arzt kommt, statt Ostervöllerei mit anschließendem Arztbesuch. Kann ich da widerstehen? Natürlich nicht... derweil: opulent ist das allemal, das Programm; Verdauungsschwierigkeiten haben, wenn überhaupt, die leidgeprüften Füße vor allem der HighHeel Gilde, unsere allseits so beliebt-begehrten Damen. Im Schnitt 12 Stunden täglich geht schon auf die Knochen, das merk sogar ich als „Flachhackengeher“, nur 4,5 anstatt 10 cm. Respekt unseren leidensfähigen Partnerinnen, die sich das für die Führenden antun, um mit mehr Anlehnung und leichter drehbar zu tanzen! Der Spagat zwischen Drehfähigkeit mit Ballenschmerz und Sneakers mit torsionsledierten Gelenken ist schwierig. Am Ende ist die Entscheidung aber doch einfach: Niemand wird abstreiten, dass die 9-10 cm Modelle dieser Firma mit dem französischen Namen, welche jedes Tänzerinnenherz höher schlagen lassen, kombiniert mit Robe, die etwas Schienbein offenbart, einfach sexy ausschaut! Aber das nur am Rande..


Orquesta Tipica Silencio

Los geht es am Donnerstag mit der Eröffnungsmilonga, die wie alle, mit Ausnahme der letzten, im Volkshaus stattfindet. Bestens mit der Tram aus allen Richtungen zu erreichen, zentral direkt am Claraplatz gelegen. Die Organisatorin des Festivals – die Tanzschule Basel, gegründet vor fast 20 Jahren von Cecile & Romeo, weil sie auch in Basel tanzen wollten wie in BsAs und gleiches heute noch mit Leidenschaft tun - hat eine gute Wahl getroffen, die schon Tradition hat. Novum: der Eröffnungsabend ist im großen Saal, nicht im kleinen wie früher, sehr gut! Der große Saal wird tatsächlich schon am ersten Abend richtig voll. Entspannt geht es zu in diesem Haus, das nur in wenigen Momenten das Gefühl der Überfüllung vermittelt, was aber wohl auch dem Niveau der Parkettbevölkerung und der einher gehenden Kultur zuzuschreiben ist. Der erste Höhepunkt des Festivals: die Vorstellung der Tangoclips.

Was als Cortina auf die Leinwand projiziert wird hat Tiefgang: Karin Leuenberger setzt sich mit Wunsch, Traum, Trance und Wirklichkeit der Tangoliebenden auseinander. Vier solcher eigens für das Festival produzierte Videos werden gezeigt. Jedes finde ich toll, und ich denke alle anderen auch. Ich sehe viele bewegte Gesichter. Die Clips treffen die Herzen der Zuschauer. Ich empfinde diesen Beitrag auch in anderer Hinsicht als Highlight: mal was anderes als eine Tanzshow, mutig! Und ich finde eine richtige Entscheidung. Gleich am zweiten Abend die nächste mutige Entscheidung: TANGOCRASH in concert. Definitiv ein Highlight, wenn auch nicht jedermanns Geschmack. Am dritten Abend: das nächste Novum, eine Aufführung im Schauspielhaus Basel, „Rumbos de Tango“. Eine Tanzshow mit den Maestros, drei der Festival Paare. Zu sehen gibt es Tango in einer neuen, anderen Form, wie er bei der Show in einer Milonga nicht angeboten werden könnte. Durch die Möglichkeit der Inszenierung in einem Schauspielhaus können auch Nicht Tangofile angesprochen werden. Zwei Vorstellungen, beide gut besucht – allerbeste PR für diesen schönen Tanz und seine Kunstformen. Viele der Größen der Szene geben hier, wie auch am dritten Abend, perfekte Inszenierungen zum Besten, für weitere Details (ich möchte an dieser Stelle auf die unendliche Listung der Namen verzichten) kann man die Liste hier online anschauen. Fünf Lehrerpaare, 72 Workshops – alles geboten!

Am vierten Abend dann der große Ball im großen Saal mit großem Orchester: Orquesta Tipica Silencio, Life-musik XXL, mit 3 Bandoneons... it’s TANGO! Den Abschluss bildet dann die Schlussmilonga am Ostermontag im Unternehmen Mitte, einer der örtlichen Tangolokalitäten. Irma macht nochmals richtig schöne Musik.

Und nach fünf Tagen kennt sich die Gemeinde, es ist ein richtig rundes Tangofest, irgendwie wirklich familiär, was vor allem dadurch auffällt, dass einige schon früher Abgereiste einfach fehlen... Nach fünf Tagen mit Kaffeetango, Abendveranstaltung und after hour Tanz gehen sie einfach ab. Die inoffiziellen Nachbrenner: in Basel gibt es regulär sowohl Dienstag als auch Mittwoch eine regelmäßige Mittagsmilonga, immer von 12:00 bis 14:30. Jawohl, unter Tags.

„Danke vielmals“ für dieses 5-Sterne Festival nach Schweizer Manier, also perfekt wie ein Uhrwerk, aber mit Emotion und Herzblut gemacht wie begleitet. In meinem Kalender steht es schon drin...

 

Linktipps:
wöchentliche Milongas in der Schweiz: >>zum Kalender
besondere Tangoveranstaltungen in der Schweiz: >>zum Kalender
Tangoschulen in der Schweiz: >>zur Übersicht

Tangofestivals in Europa: >>jetzt ansehen

 

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Ausgabe Mai 2007

 


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Herausgeber:
Jörg Buntenbach (V.i.s.d.P.)